AristideGillette

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Aristide de Lesseps


Ich habe eine Schuld an dieser Stadt, wegen all dem, was meine Familie Schlechtes getan hat, wegen all dem was ich an Gutem nicht getan habe. Jedesmal, wenn ich hier bin, vergieße ich für diese Stadt das Blut ihrer Feinde. Das macht die Schuld nicht geringer, aber es hilft, sie zu verdrängen. Einmal wird der Tag kommen, da ist diese Schuld beglichen. Ich fürchte diesen Tag mehr als alles andere. Denn nur mein Blut kann sie abwaschen.

Aristide de Lesseps nach der Schlacht gegen MaxwellAristide de Lesseps bei Simon Lions PokerabendAristide Gillette, der vor einem Jahr aus ungeklärten Gründen den Namen seiner als verfemte Sabbatianerin gestorbenen Erzeugerin Corinne de Lesseps annahm, liebt die Literatur und hasst die Gewalt. Leider spielt dem sprichwörtlich leidenschaftlichen Brujah und sprachgewandten Schriftsteller das Schicksal allzu oft übel mit und er muss seine alte Reiseschreibmaschine ruhen lassen und zu seiner abgewetzten doppelläufigen Schrotflinte "Betsy" greifen. Aristide, der seit etwa vierzig Jahren ein Kainit ist, ist ein Musterbeispiel für unkonventionelle Karrieren, wie sie nur in Berlin möglich sind. Gezeugt als Anarch sind seine Lebenslinien immer wieder mit Berlin verknüpft, bis er schließlich 2004 nicht nur unverhofft die Fronten wechselt, sondern auch noch Vogt des damaligen Fürsten Maximilian von Salm-Kyrburg wird, ein Amt, dass er über ein Jahr lang mit grimmiger Effizienz ausführt, bis Gerüchte über eine geistige Manipulation seiner Person zu einem regelrechten Clanszwist zwischen den Gelehrten und den Königen führt, eine der vielen Tropfen, der das Faß des Putsches zum Überlaufen bringt. Nachdem er als Vogt an der Seite des Noch-Fürsten von Salm Kyrburg an der Schlacht gegen Maxwell teilnimmt, zieht er aus Berlin mit dem Gangrel Ancilla WilliamAllisterThorne aufgrund seiner sich zusehends an die Bestie verlierenden Humanitas fort. Die beiden sind 11 Monate verschwunden, da kommt Aristide zurück, ruhiger, ausgeglichener und ungleich kälter. In dem immer noch freundlich-charmanten Kainiten schlummert seitdem eine Fremdartigkeit, die so manchen seiner alten Freunde von früher gehörig erschauern lässt, ja scheinbar sogar seine alte Flamme BeateGueldenberg von ihm fort getrieben hat. Was ist nur dort draußen in Skandinaviens Wäldern geschehen? Nun also lebt der ehemalige Vogt zurückgezogen in Berlin und erscheint nur ab und zu zwischen Melancholie und Gereiztheit pendelnd auf Treffen der Kainiten. Dem neuen Fürsten dient er vor allem durch seine profunden Kontakte zu Polizei und Studentenszene und seine recht schlagkräftige Hilfe im Krisenfall, die nunmehr gänzlich ohne Skrupel eingesetzt wird, wenn es zum Konflikt kommt. Böse Zungen behaupten, sein bisheriger Werdegang gleiche so sehr dem seiner Erschafferin, dass auch er früher oder später zum Sabbat überlaufen werde. Vielleicht ist es gerade deshalb ein Punkt der Besorgnis, dass Aristide eine scheinbar immer engere Freundschaft zu Viktor Gideon Alburn, der Geißel vom Clan des Mondes knüpft. Und sagt man nicht auch vom Sabbat, er habe keine Angst vor dem Feuer und könne seine Rasereien lenken, wie es Aristide seit seiner Rückkehr schon mehrfach beeindruckend unter Beweis gestellt hat?


Auf den Dächern




Der Herbst hat Einzug gehalten und Aristide spürt das nadelfeine Stechen des Windes in seinem Gesicht überdeutlich. Die Böen treiben Tränen in seine Augen und er riecht das Blut, das dabei austritt. Hier wo er ist, braucht er sich keine Sorgen um die Masquerade zu machen. Auf diesem Haus gibt es nur ihn und seine Gedanken. Er braucht die Ruhe und das Gefühl, hier über den Dächern Berlins, Abstand gewinnen zu können. Sicher, er hat triumphiert. Der Fürst hat seinen Worten Glauben geschenkt und ihm die Sondervollmachten erteilt, die es ihm ermöglichen endlich dieses ganze dreiste Patrizierpack für ihre Arroganz und ihre Nutzlosigkeit zu bestrafen. Ja, … bestrafen. Er kann sich noch so oft einreden, dass die neuen Regeln nur zum Schutz der Kainiten eingeführt wurden, dass es seine Verantwortung als Vogt ihm gebietet, sich um jeden einzelnen dieser nutzlosen Parasiten Sorgen zu machen.

Bis vor ein paar Monaten hätte diese Lüge vielleicht sogar ein Körnchen Wahrheit enthalten. Aber seit dem Tod, nein, dem Massaker an Malgorzata, ist er nicht mehr der selbe. Es ist fast, als sei ihm etwas entglitten, als er ihren gepfählten Leib anzündete. Etwas sehr essentielles, das ihn immer unbemerkt begleitete und das ihm jetzt schmerzlich fehlt, auch wenn er es vorher nie wahrnahm.

Seine Unschuld.

Ja, denkt er sich, Aniella war ein Mitglied des Sabbat, das seine Clansschwester brutal ermordet und ihre Seele gestohlen hatte, einer jener Bastarde, die für die Korruption seiner geliebten Corinne verantwortlich waren. Aber die Angst und der Schmerz in ihren Augen, die waren echt. So sehr er seine Feinde, die Feinde all dessen, für das er steht und das er mit seinem Leben verteidigen würde, versucht zu hassen. Es gelingt ihm einfach nicht.

Aristide schaut wütend herunter auf seine abgewetzten Stiefel und die geteerte Dachpappe darunter. Wieder ein Ort verseucht von den langsamen, den schleichenden Einflüsterungen seiner Inneren Bestie. Ob er diesem Ort oder sich selbst entkommen will, weiß er nicht, als er sich mit einem kraftvollen Sprung vom Dach abstößt und mühelos die zwanzig Meter Distanz bis zum nächsten Dach überwindet. In letzter Zeit hat er manchmal Angst davor, wie leicht solche Dinge ihm fallen. An einer Fassade empor zu springen, eine gepanzerte Stahltür zu zerreißen, als wäre sie aus Papier – sein Blut gibt ihm die Macht dazu. Er hat es immer hingenommen, wenn seine Kräfte mit der Zeit wuchsen und ihn immer …unmenschlichere Dinge tun ließen. Noch dazu er, überlegt Aristide, der Hänfling, der Streber ohne Muskeln der in der Schule immer widerstandslos verprügelt wurde.  Aber es sind nicht nur die kainitischen Disziplinen, die ihm Sorgen bereiten. Seine Kraft ist nützlich. Aber die Wut Troiles, die als Erbe durch seine kalten Adern fließt, korrumpiert sie, pervertiert sie.

Wie deutlich noch erinnert er sich des Gesichtes des ersten Sterblichen, den er getötet hat. Eigentlich wollte er ihn nur zu Boden schlagen – tatsächlich platzte der Kopf wie eine reife Wassermelone und das lose Gesicht glitt vom zerborstenen Schädel hinunter.

Seine Wut – mittlerweile kann er sie beherrschen. Doch immer noch lauert der eine entscheidende Moment der Kontrollosigkeit. Lass dich fallen, flüstert die Innere Bestie – und es ist ein so unglaublich süßes, verlockendes Angebot. Das Leben nur noch ein einziger Schleier wilder, unkontrollierter Emotion, ohne Verantwortung, ohne Zweifel, ohne… Liebe.

Hannah!

Er weiß, diese Frau wird sein Untergang sein – Igor hat es ihm prophezeit. Sie erinnert ihn in so vielen Dingen an Corinne und doch fehlt ihr das bestialische, ist sie so beseelt von erhaltenswerter Menschlichkeit.

Doch wenn er sie erschafft, um ihr die Freiheit zu geben, was bleibt dann? Knurrend schlägt Aristide gegen eine Antenne und beobachtet entsetzt, wie das dünne Metall reißt und die Spitze meterweit durch die Luft geschleudert wird.

Seit Malgorzata starb, ist es soviel einfacher geworden. Es fühlt sich fast richtig an, ab und zu seiner Wut freien Lauf zu lassen.

Vor wem soll er sie auch verstecken. Jeder seiner Clansgeschwister weiß um die dunkle Seite, die in einem jeden Brujah schlummert. Und die anderen. Wer ist es schon wert, sich vor ihm zu verbergen? Die Malkavianer, die mit ihren ganz eigenen Dämonen zu kämpfen haben. Die Nosferatu mit ihrer Maske der Höflichkeit und ihren widerwärtigen Komplotten? Die hohlen, ausgebrannten, eingebildeten Toreador? Das Faschistenpack der Tremere? Die verlogenen, unfähigen Ventrue?

Die Gangrel vielleicht. Doch gerade die Gangrel verstehen die Bestie, haben sie gemeistert. Aristide beneidet sie darum. Doch außer ihnen gibt es niemanden. Diese ganze lächerliche, sinnentleerte Gesellschaft, die sich selbst vorspielt noch menschlich zu sein und deren Salonabende um so vieles emotional grausamer sind, als sich irgend ein Foltermeister jemals körperliche Pein erdenken könnte – Es kotzt ihn so an!

Da spielt er den netten, den kompetenten, den tumben Brujah. Mit Klischees kommen die Leute besser klar und lassen ihn trotz aller Rügen seine Arbeit machen. Pah!

Wie gerne würde er de Legat einmal fragen, ob sie – die große Künstlerin – vielleicht auch einen Doktor in Germanistik hat. Ob sie vielleicht auch, sich selbst entsagend, auf der Suche nach Inspiration Jahrzehnte durch die Welt gezogen ist. Ob sie vielleicht auch fünf Bücher verfasst hat, die national Anklang fanden.

Wie gerne würde er Singh einmal fragen, ob er --der große Stützpfeiler der Camarilla-- vielleicht auch bei der Schlacht von Atlanta gegen die Vohzd-Mostrositäten des Sabbat in erster Kampfreihe gestanden hat. Ob er schon in brennende Häuser gerannt ist, nur um Beweise zu sichern, die vielleicht zum Schutz der Domäne essentiell sind. Ob er jemals seine Ansichten, sein ganze Sein verraten und geopfert hat, nur um einer Handvoll Leuten das Leben zu retten, die es einem nie mit einem Wort danken werden.

Manchmal hat Aristide das Gefühl, von all den Ancillae könnte nur Salm-Kyrburg ihn verstehen. Das ist vielleicht auch so. Er mag den Fürsten. Vor allem aber macht er sich Sorgen um ihn. Er ist so unbedarft und leichtsinnig, seine politischen Bewegungen so durchschaubar und schwach. Salm-Kyrburg ist ein guter Fürst -- aufgeschlossen, intelligent, milde und freiheitsliebend. Aber genau darum wird er sich nicht halten können.

Die Bürger der Camarilla wollen Tyrannen, denen sie lakaienhaft und anbiedernd zu Diensten sein können. Sie schmücken sich gern mit den Federn ihrer Ancillae und Ahnen und nehmen es dafür in Kauf, sich zu willfährigen Marionetten machen zu lassen, die auch noch brav Danke dafür sagen, wie eine Hure gefickt zu werden, damit sie sich das dann nach ein paar Jahrhunderten auch gegenüber anderen rausnehmen können.

Die Camarilla, ein einziger, riesiger Chain-Bang von Ficken und Gefickt Werden.

Unwirsch springt Aristide wieder auf ein anderes Dach. Sein Blut kocht so heiß, dass er einfach nicht stillstehen kann. Wie viel einfacher war es, als er noch mit den Anarchen durch die Gegend zog, als Freiheit noch mehr als nur eine Illusion war. Aber er steht in einer tiefen Schuld an diese verfluchte Stadt Berlin und ihre Bewohner. Eine Schuld, welche die meisten Kainiten, so oft sie dieses Wort auch in einem gesellschaftlichen Kontext gebrauchen, niemals verstehen würden.

Seine Familie hat großes Leid über diese Stadt gebracht. Es ist an ihm, dafür gerade zu stehen und sie zu verteidigen, gegen alles was kommen mag.

Es fällt ihm schwer. Diese Egel nähren sich vor den Menschen, ohne den geringsten Respekt vor dem Wert ihres Lebens zu zeigen und spreizen sich dann wie Pfaue voreinander, um sich stolz ihre nichtigen Errungenschaften zu präsentieren.

Und er ist jetzt Teil dieses Systems, auf Gedeih und Verderb ein Rädchen im Uhrwerk der Camarilla. Er ist Vogt – oberster Ordnungshüter eines Systems, dass er verachtet. Aristide ist heute Nacht voller Verachtung… vor allem vor sich selbst. Darüber, dass er hier nutzlos herumsteht, während in dieser Stadt ein Wahnsinniger herumläuft, der brutal Menschen erst für sich freundschaftlich einnimmt und dann verbrennt (…so wie du Malgorzata, flüstert die Bestie in seiner Seele) und auch die Kainiten gefährdet.

Ja, dieser Mistkerl wird leiden, wenn er ihn in die Finger bekommt. Er wird bezahlen, für die unsäglichen Verbrechen die er (… die Du) begangen hat.

Und dann? Dann kommt der nächste Wahnsinnige und der nächste Sabbatangriff und der nächste Traditionsbrecher und der nächste… Es wird nicht aufhören.

Und diesmal ist es keine Wut, sondern Trauer, die Aristide wie ein waidwundes Tier aufbrüllen lässt. Trauer um den Menschen den er einmal war. Trauer um die vielen Unschuldigen, die noch sterben werden. Trauer selbst um den Feuerteufel, der aus dem Trauma seines eigenen Lebens heraus diese Taten begeht. Trauer um Corinne, die von dieser beschissenen Stadt aufgefressen wurde. Ist Corinne nur ein vergangener Spiegel seines zukünftigen Selbst? Kann man dem Schicksal entkommen.

Aristide springt vom Dach herunter, hinab in die Straßen Berlins, die ihn umarmen, um ihn weiter zu besudeln. Er ist der Vogt, seine Stadt braucht ihn. Aber er ist auch immer noch Aristide.

Noch… Wie lange noch? Wofür? Kann er in Jahrhunderten noch mitfühlend sein oder wenigstens Freude empfinden? Kann man sich selbst entkommen? Stellt man sich dann überhaupt noch Fragen?

Der Wind pfeift über die Dächer der Häuser.

Ihre Fenster sind leere Augen.

Der Winter kommt.

Heimkehr


Der Heimkehrende setzt zögerlich einen ersten Fuß auf Berliner Boden. Er hätte mit dem Auto in die Stadt fahren können, aber so ist es besser. Nicht einfach nur, weil er es mittlerweile gewohnt ist, sondern auch, weil er das Gefühl hat, erst jeden Quadratzentimeter dieser Stadt wieder neu für sich entdecken zu müssen. Die Außenbezirke sind immer anders als der Kern, aber diese kleinbürgerliche Villensiedlung ist wie das Monument einer längst vergangenen Zivilisation von einem entfernten Stern. So wenig Berlin... und doch so sehr.

Das Winterdunkel ist lang und tief. Er setzt den anderen Fuß ein Stück vor, zieht den ersten nach und aus dem Zusammenspiel der beiden schält sich nach einigen schleppenden Metern ein reines Gehen heraus, zögerlich erst, dann ein Schlendern und schließlich, als das gerade abnehmende Auge des Vollmondes über die Wipfel der großen Bäume streicht und der Abend sich der Nacht hingibt, ein Laufen, zielstrebig, sicher und schnell.

Das Lied der Wälder hat den Heimkehrenden verändert. Als hätte ein unsichtbarer Schraubstock seine Schultern begradigt, hat sich sein Gang aufgerichtet. Wer durch den tiefsten Morast gekrochen ist, den der Wildnis und den seines Herzens, erst wer all seine Würde verloren hat, wenn der Stolz aus den abgebrochenen Fingerspitzen geblutet ist, mit denen man versucht hat, in der harten Eiserde ein Grab für den Tag auszuheben, der will nur gehen und schreitet schon. Die Leere weicht vor einem zurück, macht Platz, will nicht ergriffen werden.

Nebelschwaden in Bodennähe. In der Nacht stand er vor dem großen Feuer, roch Menschenfett und verbranntes Haar an sich, als er hindurchsprang und --als er auf der anderen Seite angekommen-- fand keine Gemeinsamkeit. Als ihm die Ohren wieder nachwuchsen, lernte er zu hören und wußte dann, was Katzen wissen, wenn sie des Nächstens wie Kleinkinder schreien.
Seine Schritte führen ihn zur Mitte. Er hat gelernt, Symmetrien zu schätzen, den Ausgleich in allen Dingen, das Maß. Die Stadt ist wie feuchter Ton. So viele haben ihr Siegel hier schon aufgedrückt, aber es ist nur wenig geblieben. Druck. Der Staudamm versteht das Wasser nicht und muss darum brechen. Es ist eine Wahrheit – früher oder später passieren diese Dinge. Der Heimkehrende will nur sich tragen lassen, dem Flußlauf folgen. Einmal, da hat es ihn gebrochen, hat ihn zerfetzt und mitgerissen und er schrie nächtelang. Der Laut zwang seine Kiefer auseinander und brüllte, ich will hinaus aus dir, nicht länger gefangen sein. Jetzt tun sich die Straßen mit all ihrer Flut vor ihm auf und er fürchtet sie nicht.

Ein Auto schleift am Bordstein entlang und kurz klingt es wie das Geräusch ihrer Krallen. In der ersten Zeit waren es notwendige Hilfsmittel, das versteht er jetzt. Sie gruben Tunnel in seinen Berg, bis er lernte von innen an sich die Picke zu schwingen, dem Licht entgegen. Es kommt ihm vor, als hätte er sein bisheriges Leben unterirdisch verbracht, im stumpfen Abglanz beigebrachter Emotionen, unfähig das Schöne und Schreckliche hinter der Mauer der Konvention zu sehen.

Er schmunzelt über das semantische Wunder, dass ihm wiederfahren. Die simple Änderung der Vorsilben in seinem Wortschatz. Das ge- zum er-. Die Verantwortung für das eigene Denken und Handeln und am Ende Akzeptanz. Sie können einem alles nehmen. Alles. Bis auf einen Zentimeter Freiheit.

Gestern hat er zum ersten Mal seit Monaten wieder in einen Spiegel geschaut. Er hat den Blick nicht mehr abgewendet, seine Reflektion ist ihm wieder Freund. Es ist nichts Unstetes mehr in seinen Augen, nichts Gehetztes. Das Eismeer seiner Iris strahlt nur noch Ruhe aus und eine Sanftheit, die ihm fremd war. Sanft, wie der Wald sanft ist – Harmonie, nicht Frieden.

Das leise Lächeln bleibt auf den Lippen des Heimkehrenden, als er das Zentrum erreicht. Die Stadt umfängt ihn und kann ihn dennoch nicht verzehren. Obschon es nicht nötig ist, will er es erleben. Tief und gleichmäßig atmet er kristallklare Luft ein, öffnet seinen Mantel, breitet die Arme aus, bis sein ganzer Körper von dieser Nacht erfüllt ist. Mit ihm und in ihm atmet die Bestie im Einklang. Und schweigt.

Die Frau hat hier auf ihn gewartet, ihr sterbliches Fleisch zittert in der Kälte. Die Welt ist ein lichter Ort.

"Aristide?" fragt sie zögerlich.

Da dreht er sich um zu ihr und sagt mit ganzem Herzen.

"Ja."

Kategorien: Charakter, Brujah, Camarilla
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