Ausrasten

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======Ausrasten======
=====Was bedeutet //'ausrasten'//?=====
Unter //'ausrasten'// verstehen wir bei GiO einen zeitweiligen Geisteszustand, bei dem der Charakter seine bewusste Kontrolle verliert und stur sein vorherrschendes Bedürfnis befriedigen will. Ob ein Charakter dabei sein Bewusstsein verliert und sich anschließend nicht mehr seiner Taten erinnern kann, ist weiterhin Gegenstand von Diskussionen.

Von dem Standpunkt her, dass es das Spiel mit Moral und Menschlichkeit interessanter gestaltet, kann man dafür plädieren, dass der Charakter bewusst mitbekommt, was er gerade anrichtet. White Wolf selber lässt ja die Möglichkeit zu, einen ausrastenden Vampir durch beruhigendes Zureden aus diesem Ausnahmezustand herauszuholen, was ja dafür spricht, dass das Bewusstsein nicht komplett ausgeschaltet ist. Ebenso kann ein Akt der Willensanstrengung einen Charakter dazu bringen, das triebhafte Bedürfnis niederzukämpfen, wofür ebenfalls ein Rest Bewusstsein notwendig scheint.

=====Was bedeutet es //'auszurasten'//?=====
Wie oben erwähnt, bedeutet auszurasten, dass der Charakter seine Kontrolle über sich verliert und dem Bedürfnis nachgibt, das aktuell vorherrscht. Umgekehrt bedeutet es, dass ein Bedürfnis in diesem Augenblick so groß geworden ist, dass der Wunsch nach seiner Befriedigung die Kontrolle übernimmt.

Der Charakter legt dabei alle zivilisatorischen Schichten ab und handelt komplett atavistisch, urtümlich.

Wie ein Ausraster konkret abläuft, welchem Zweck er dient, hängt davon ab, welcher Instinkt das Ruder übernimmt.

=====Instinkte des Vampirs=====
Vampire sind Raubtiere. Im Gegensatz zum Menschen sind es Einzelgänger, keine Rottentiere. Das schlägt sich auch in ihren Instinkten nieder. Vampire haben im Gegensatz zu Menschen oder generell Lebewesen keinerlei Drang, sich zu vermehren -- dass sie es dennoch tun, ist eher Überbleibsel ihrer menschlichen Abstammung oder kaltes Kalkül.

====Rivalität====
Vampire verspüren ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung ihrerselbst als auch ihres Eigentums. In den Traditionen der Gastfreundschaft und der Domäne findet das seinen Widerhall. Wenn ein Vampir davor steht, gesellschaftlich oder moralisch den Kürzeren zu ziehen, bricht die instinktive Rivalität durch, dem anderen keinen Erfolg zu gönnen.

Dies äußert sich in einem Anfall von Jähzorn, einem cholerischen Ausbruch, eine **blindwütige Raserei**, die den tatsächlichen oder vermeintlichen Verursacher der empfundenen Demütigung zum Ziel hat. Und alle tatsächlichen und vermeintlichen Unterstützer.

====Nahrung====
Blut bedeutet für Vampire Leben. Wenn ein Vampir in einen Zustand gerät, wo sein Blutvorrat nahezu erschöpft ist, dann verfällt er in einen **Blutrausch**, in dem er nur noch seinen Durst stillen will. Als Richtwert kann man sagen, dass das geschieht, wenn der Charakter nur noch 4 oder 5 Blutpunkte über seinen Gesundheitsstufen hat.

Der Charakter fällt dann das erste Opfer an, das ihm in die Augen fällt, und trinkt, bis sein Durst gestillt ist und darüber hinaus. Wie bei jedwedem Ausraster pumpt ein Vampir so viel Blut wie möglich in seine körperlichen Attribute, auch während eines Blutrauschs und obwohl das die Blut-Situation verschärft.

====Überleben====
Als hypothetisch unsterbliches Lebewesen hat ein Vampir natürlich im Falle seiner Vernichtung auch viel zu verlieren, weswegen der Überlebensinstinkt ebenfalls sehr stark ausgeprägt ist. Der Überlebensinstinkt mündet in eine **Panik** oder, für den Fall das Feuer oder Sonnenlicht involviert sind, in **Rötschreck**. Der Name leitet sich aus dem Schrecken her, den die Morgenröte bei Vampiren verursacht.

Wie bereits erwähnt, lösen Feuer und Sonnenlicht eine Panik aus. Aber auch ein kritischer Gesundheitszustand kann eine solche Panik verursachen, wie es bspw. im Verlauf eines Kampfes geschehen kann. Im Kampf können sogar alle drei Ausraster parallel auftreten: Flucht, weil man zu schwer verletzt ist und die eigene Vernichtung bevorsteht, Durst, weil der eigene Blutvorrat nahezu erschöpft ist, sowie Raserei, weil man durch die Niederlage im eigenen Ego stark verletzt wurde.

Bei einer Panik schaltet der Vampir komplett auf Flucht um. Alle Hindernisse werden, soweit es geht, zerlegt. Der Charakter ist nur noch auf der Suche nach einem sicheren Rückzugsort.

=====Auslöser eines Ausrasters=====
Ohne zu konkret auf die Auslöser eines Ausrasters einzugehen, sollen hier ein paar Eckpunkte skizziert werden. Die genaue Ausarbeitung hat jeder Spieler selber zu leisten, seine Spielleitung hilft ihm sicherlich dabei.

Neben dem verbreiteten System der sogenannten BestienMale, die einzelne Auslöser ziemlich eng definieren, gibt es auch noch ein etwas freieres System, dass allerdings mehr Reflektion und Souveränität im Umgang mit dem dargestellten Charakter erfordert. Wichtig dabei ist, dass man sich im klaren ist, was denn dem Charakter etwas bedeutet. Sind Blutrausch und Panik noch halbwegs an absoluten Charakterwerten festzumachen, so muss bei der Raserei einem klar sein, womit der eigene Charakter verletzt oder gedemütigt werden kann. Als Faustregel gilt: Ein Vampir kann nicht zu empfindlich sein.

Ein Vampir wurde nicht erschaffen, weil er ein so netter Kerl ist, sondern weil er über ein ausgeprägtes Ego verfügte, dass der Erschaffer auf ihn aufmerksam wurde. Gefolgsleute ghult man, man erschafft sie nicht. Ein ausgeprägtes Ego hingegen verfügt über Ecken und Kanten, über Ansprüche, die er selbst zu erfüllen gedenkt und --wichtiger sogar-- die andere ihm gegenüber zu erfüllen haben. Man kann das generell runterbrechen auf **Respekt**, den man einfordert. Respekt allerdings, der so pervertiert sein kann, dass andere ihn nicht unbedingt greifen oder gar nachvollziehen können. So kann ein Vampir Respekt darin sehen, dass andere vor ihm zu buckeln haben, ein anderer Vampir wiederum verlangt als Respektsbezeugung, dass sich ihm nur solche nähern sollen, die er akzeptieren kann -- Unterwürfigkeit würde sie unter ihn stellen, womit sie eigentlich vernichtet gehören.

Respekt geht noch weiter. So kann Respekt vor der Zuflucht eingefordert werden, vor der Domäne oder dem Lehen, vor der eigenen Einladung oder auch einfach vor dem, was der Vampir gesagt hat. Aber auch weniger greifbares, wie persönliche moralische Vorstellungen oder Glaubensüberzeugungen können Respekt verlangen. Ein Mangel an Respekt solchen Punkten gegenüber kann einen Ausbruch provozieren.

=====Ausspielen eines Ausrasters=====
Bei der Beschreibung der Instinkte wurde bereits darauf eingegangen. Der Einfachheit halber hier eine vollständige Wiederholung inklusive Ergänzungen:
~-**Rötschreck** oder **Panik** stellt man dar, wenn ein Charakter überraschend mit einem Feuer oder einem Lichtblitz konfrontiert wird, und indem man vor der Quelle dieser Überraschung reißaus und dabei jedwede Schädigung anderer inkaufnimmt. Aufspringen, Stühle umwerfen, über den Tisch springen, Türen aufreißen, Leute wegstoßen oder notfalls schnell töten -- all das ist dann gerechtfertigt. Um wen oder was es sich dabei handelt, ist nur noch störende Nebensache. Wichtig ist, dass der Vampir instinktiv zu der Überzeugung kommt, seine Existenz sei bedroht und er könne nichts dagegen tun oder sei dabei gescheitert. Die Darstellung von Angst wiederum erfordert Nervösität, gehetzte Bewegungen und Unsicherheit. Da ein Mensch ein wenig ausdrucksstärker ist, ist es nur rechtens, wenn man dabei schwer und schnell atmet oder gar schnauft, Übersprungshandlungen durchführt (Hände reiben, Stirn abwischen usw.). Witternd kauern ist sicher auch nicht falsch.
~-**Blutrausch** ist etwas schwerer in der Darstellung, wenn auch die Durchführung recht simpel sein kann: Ist der Vampir auf einen kritischen Blutvorrat runter, sucht er sich ein Gefäß, dem er das Blut entreißen kann. Das nächstliegende Gefäß wohlgemerkt. Unkontrolliertes Trinken ist zwar ganz nett und eindeutig, aber ausbaufähig. Als Spieler kann man zuvor versuchen --genügend Zeit vorausgesetzt--, anderen das Gefühl zu geben, sie seien ein leckerer Snack. Als Spieler kann man sich beim nächsten Mal, wenn man etwas unglaublich leckeres zu essen vorgesetzt bekommt, dieses Gefühl einprägen und dann im Falle eines heraufziehenden Blutrauschs wieder auspacken. Wenn man dann einen anderen Charakter anschaut, als sei er ein saftiges Steak (für die Vegetarier: ein knackiger Salatkopf), ist man schon auf dem richtigen Weg. Ein wenig die Zähne zeigen, sich über die Lippen lecken -- sowas verstärkt den Effekt dann noch.
~-Die Königsdisziplin ist das Ausspielen einer **Raserei**. Wie bei den Auslösern bereits erwähnt, kann man sich nur schwer auf irgendwelche Charakterwerte berufen. Umso wichtiger ist es dann, den Mitspielern den Zusammenhang zwischen dem Ausraster und dem Auslöser zu vermitteln. Das kann durch Aufspringen und Rumbrüllen geschehen, durch eine wutverzerrte Aufforderung Abbitte zu leisten ("Nimm das augenblicklich zurück!") oder der Schrei nach Satisfaktion ("Dafür wirst Du zahlen!"). Das Gesicht dabei in Zornesfalten zu legen unterstreicht das ganze noch. Wenn man dabei dann auch keine Rücksicht auf Mobiliar und Anwesende nimmt (rein IT bitte, OT möge bitte niemand verletzt und nichts beschädigt werden), sollte den Mitspielern schon klar sein, was gerade geschieht.
Allen drei Ausrastertypen ist eigen, dass allein die Verwendung körperlicher Kräfte noch möglich ist: DisziplinGeschwindigkeit, DisziplinStaerke und DisziplinSeelenstaerke. Außerdem wird soweit wie möglich alles Blut in die körperlichen Attribute Körperkraft, Widerstand und Geschick gepumpt, um der körperlichen Herausforderung gewachsen zu sein. Im Gegenzug ist der Vampir netterweise immun gegen alle geistigen Kräfte wie DisziplinBeherrschung oder DisziplinPraesenz. Ob DisziplinVerdunkelung auf einen ausgerasteten Vampir wirkt, ist noch nicht abschließend geklärt -- als geistige Disziplin sollte sie es eigentlich nicht.

=====Widerstehen=====
Einem Ausraster zu widerstehen, kostet einen Charakter Willenskraft. Wertvolle Willenskraft, die man sich nicht wieder antrinken kann wie Blut. White Wolf sieht vor, dass ein Charakter Willenskraft dadurch wiedererlangen kann, dass er seinem [[Archetypen Wesen]] entsprechend handelt.

Bei der Charaktererschaffung sollte man also ein Wesen wählen, das man darzustellen in der Lage ist und auch dem Charakter, seinem Clan und dem Erschaffer entspricht. Ein Autokrat wird eher seltener einen Barbaren erwählen.

Willenskraft aufgewandt zu haben, äußert sich also in einem verstärkten Bedürfnis, ganz man selbst zu sein. Ein Casanova wird also, nachdem er einem Ausraster widerstanden hat, Erholung darin suchen, jemanden zu verführen, ein Büßer wird sich selbst anklagen, ein Abweichler wird Sachen anders machen als andere, z.B. direkt aus der Flasche trinken, aus der andere sich eingegossen haben.
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