BuchDerBrujah

Das Buch der Gelehrten: Die Familie Brujah


Drei Perspektiven zum Clan der Gelehrten


Wappen des Clans Brujah

Feuer in der Nacht: Getauft mit dem Blut der Brujah


Bitte treten Sie doch ein und setzen sich, Monsieur. Sie sind jung, sicherlich haben Sie viele Fragen und ich fürchte, allzu viele Antworten werde ich Ihnen nicht geben können. Zumindest jedoch sollte es uns gelingen, Sie soweit einzuweihen, als dass Sie begreifen, Teil welchen erhabenen größeren Ganzen Sie sind und eine veritable Chance haben, in unserer Gesellschaft zu überleben. --Johann Ludwig Maximilian Dortu, Ancilla, Idealist

Gerade erschaffen worden, Kleiner? Ja, das machen wir ganz gerne, jemanden ins kalte Wasser stoßen, damit er schwimmen lernt. Nicht gerade fair, oder? Ging mir aber auch nicht anders. Komm, jetzt setz dich erst mal, nimm Dir \'nen Keks, im übertragenen Sinne natürlich, und sperr die Lauscher auf. Wir haben Dich in null komma nix fit für das große Spiel. Wir mögen ja ein Haufen Mistkerle sein, aber ein Brujah lässt einen anderen doch nicht im Stich. --Aristide Gillette, Neonate, Individualist

Was willst Du? Eh, jetzt halt mal die Fresse Alter. Was Du bist? Was Dein Clan ist? Ich erzähl Dir gleich, was Du bist. Ein Vollidiot. Wenn Du solche Fragen stellen musst, dann hast Du vielleicht gar kein Brujahblut in Deinen Adern. Worum geht\'s? Um Revolution. Dinge umzukrempeln. Und bei Deiner Einstellung fang ich beim Umkrempeln am Besten mit Deinem Gesicht an. --Richter, Anarch, Iconoclast

Tempora Mutantur: Wo kommen wir her?


Symbol des Clans Brujah
Aus dem Dunkel der Geschichte kam eine Familie von Philosophen und Kriegerpoeten, geführt von einer großen, schrecklichen und mächtigen Frau, Ilyes. Man fürchtete uns für unsere Gefühlskälte, unser hartes objektives Gericht und unseren unerbittlichen Stolz, der uns vor keinem König und keinem Gott das Knie beugen ließ. Es ist in der Tat kein Wunder, das bereits in jener Zeit unsere Feindschaft mit den Ventrue entstand. Wahrhaft ausbrechen sollte Sie aber erst, als wir selber uns veränderten. Ein Kind der Ältesten, Troilus, warf der Urmutter eine inhärente Korruption vor, in die sie mit von Alter schwerem Geist verfiele, zu viele Kompromisse einginge und so das Erbe des Clanes verrate. Es kam zum Streit, infolge dessen Troilus die Älteste vernichtete und die Bürde ihre Essenz in sich aufnahm, damit die Familie weiterhin bestehen könne. Troilus war, anders als seine Erzeugerin, heißblütig und starrköpfig, voller Zorn und revolutionärer Ideen. Wo Ilyes stets nur beobachtet und kommentiert hatte, wollte er in das Weltgeschehen eingreifen, es verändern. Zu Kindern nahm er sich große griechische Helden aus dem Krieg gegen Troja und jene trojanischen Überlebenden, die durch Ihre Größe ihren Wert bewiesen hatten. Sie alle wollten, ähnlich wie er, die Welt im Sturm nehmen. Aus dem Streben dieser ersten Brut wurde ein Clan geprägt, der sich dem ewigen Wandel verschrieben hatte und bereit war, für die Freiheit des Individuums mit dem eigenen Leben und dem Blut seiner Feinde einzustehen. Daraus entstand der erste von vielen Kriegen mit den der Stasis gewidmeten Ventrue, in Folge dessen Troilus ihren Ältesten vernichtete. Ein Jahrtausend später rächten Sie sich bitter für die erlittene Schmach, als Sie unseren Traum, Karthago, die perfekte Gesellschaft in der Menschen und Kainiten in friedlichem Einklang lebten, durch ihr römisches Imperium dem Erdboden gleich machten. Dies war auch der Zeitpunkt als sich der andere große Clan des Feingeistes und der Leidenschaft, die Toreador, zu hellenischen Zeiten unsere Verbündeten, von uns abwandten und uns an die Ventrue verrieten. Nachdem Kathargo fiel, zerstreuten wir uns über die Alte Welt und verbündeten uns mit den Niedersten der Niederen, deren Recht wir auf unser Banner schrieben. Kämpfte ein sterbliches Volk um Überleben und Autarkie, wehrte sich einer der plebejischen Clane gegen Unterdrückung der Patrizier, so waren wir stets an ihrer Seite zu finden. Dafür hat man uns Anarchen und schlimmeres genannt. Dafür hat man uns gejagt, gefoltert, ermordet. Viele von uns sind so in die Reihen des Sabbat und der Autarki getrieben worden, aus Angst, aus Frustration, aus Überlebensdrang. Die von uns, die zurückblieben, widmeten sich den Werken der Camarilla. Wir sahen die unglaubliche Korrumpierbarkeit des Systems und den Pesthauch der Tyrannei. Aber wir erkannten auch das unglaubliche Potential dieser Gesellschaftsordnung. Seitdem kämpfen wir mit der Feder, mit der Stimme und manchmal mit dem Schwert dafür, dass die Camarilla nicht zu dem wird, was sie sein könnte, sondern zu dem, was sie sein sollte. Ein Kampf, der es wert ist, gekämpft zu werden. Ein ewiger Kampf. Die einzige Konstante in unserem Leben. --Johann Ludwig Maximilian Dortu

Wo wir herkommen? Ist das nicht egal? Weißt Du, wer Du bist? Was Du willst? Woran Du glaubst? Ich weiß es. Du findest es wahrscheinlich noch raus. Laß Dir nichts erzählen, von unserer ach so glorreichen Geschichte. Die Ventrue erzählen Sie ein ganzes Stück anders. Nicht weil sie die finsteren Tyrannen sind, die unser Erbe beschmutzen wollen, sondern weil sie es anders erlebt haben. Weil jeder sich immer im Recht fühlt. Die Brujah haben genauso viel unschuldiges Blut vergossen, wie jeder andere Clan auch, wie jeder Vampir. Unsere Kriege waren ungerecht, weil der Krieg an sich unrecht ist. Karthago und die perfekte Gesellschaft? Keiner, den ich kenne, hat sie selber erlebt diese Utopie. Aber ich kann es mir schon vorstellen. Wir waren ihre zornigen Götter und sie haben in unserem Schatten gelebt, geschützt solange sie auf Linie blieben. Und so setzt es sich fort. Wenn wir Brujah etwas Gutes getan haben, etwas Gutes tun, dann weil ein Individuum sich dazu entschließt, zu handeln. Zivilcourage ist nicht das Erbe eines Clanes oder einer Masse. Wie jede Gewissensfrage liegt sie in den Händen des Einzelnen. -- Aristide Gillette

Wir waren schon immer die Underdogs, Mann. So wie ich das gehört hab, haben die Scheiß-Ventrue und das andere Patrizierpack und uns immer wieder alles weggenommen. Aber nicht mehr jetzt. Das ist unser Jahrhundert, verstehst du? Die Adligen sind weg, die Kapitalisten haben alles kaputt gewirtschaftet. Die Ahnen gehen langsam alle schlafen. Alle sind unzufrieden. Jetzt ist unsere Stunde gekommen, capiche. Jetzt hauen wir auf den Putz und heizen denen mal gehörig ein. Ein paar Jahrtausende haben wir nur auf die Fresse bekommen. Und wir stehen immer noch. Jetzt müßen wir nur noch hinkriegen, dass die anderen nicht mehr stehen, wenn der Vorhang fällt. Veränderung von innen und der ganze andere Scheiß zieht nicht mehr. Die Straßen sind bereit zu brennen, Mann. Und wir haben das gottverdammte Zippo. -- Richter

Die drei Straßen des Wandels: Fraktionen innerhalb des Clans


Fraktionen? Wenn die Welt doch tatsächlich in Schubladen funktionieren würde ... Nun ja, in der Tat haben sich im Laufe der Zeit drei oberflächlich zusammenghörige Denkrichtungen innerhalb des Clanes gebildet, die ich hier einmal näher beleuchten möchte. Wohlgemerkt, ist dies eine Unterscheidung nach Philosophien das Handeln betreffend. Geht es um Meinungen und Ideale haben, so glaube ich, nicht einmal 2 Brujah die selbe Ansicht, geschweige denn die Tausenden, die es von uns auf der Welt gibt. Ich zähle mich zu den sogenannten Idealisten. Wir sind festen Werten verpflichtet, folgen dem selbsterrichteten Banner mit Eifer und Enthusiasmus. Aber wir sind ein Teil des Systems der Camarilla. Wir glauben an Ihr Potential und haben uns Ihrer Erhaltung verschrieben. Wandel darf nie ein Wandel sein, der alles in Trümmer legt, was besteht. Schrittweise und von Innen können wir das System reformieren, so wie es notwendig ist. Mit geschultem Augen müssen wir prüfen und bewerten, was erhaltens- und was verdammenswert ist und mit den Mitteln der Rhetorik, der Politik und des Einflusses auf unsere Verbündeten unseren Standpunkt verteidigen. Der Kompromiß ist schon immer ein legitimer Weg der Verhandlung. Es gibt Punkte von denen werden wir nie abrücken, aber wenn wir den anderen Clanen bei Dingen entgegen kommen, die uns weniger wichtig sind, dann ist uns doch allen geholfen. Die sogenannten Individualisten sind wirklich vollkommen auf sich allein gestellt. Sie nennen kein großes, übergeordnetes Ideal ihr Eigen und streben meist nur nach dem eigenen Überleben. Ich würde Sie eigentlich gering schätzen, würde diese Eigenbrödelei nicht von Zeit zu Zeit großes Gedankengut hervorbringen, das zu erhalten, es wert ist, ihre nörgelnde Desillusioniertheit zu ertragen. Die sogenannten Iconoclasten, schließlich, sind die Kettenhunde und Kämpfer des Clanes. Sie haben kein klares Ziel vor Augen, keine Vorstellung von den Idealen, denen sie folgen. Aber Chaos kann manchmal ein wichtiges Druckmittel sein und in die richtigen Bahnen gelenkt, ist ein Mob dieser Welpen oft sehr nützlich. Egal wie sehr wir sie jedoch brauchen mögen, ich lasse mir von keiner dahergelaufenen Mitleidserschaffung auf der Nase herumtanzen. -- Johann Ludwig Maximilian Dortu

Alles braucht ein Label, nicht wahr? Na gut. Also, im Grunde gibt es da diese drei Strömungen bei uns. Jemanden wie mich, nennt man allgemein einen Individualisten. Als ob ich einen Namen bräuchte, als ob das irgendetwas bedeuten würden. Aber sei es drum, es klingt wenigstens wie das, womit ich versuche, durchs Leben zu kommen. Ich bin stolz, Teil des Clans der Gelehrten zu sein, weil wir eine Gesprächskultur haben, die zur Freigeistigkeit ermutigt. Weil man mich machen läßt was ich will und was ich für wichtig und richtig erachte. Ich mag die großen, flammenden Reden nicht. Das ist Fanatismus. Ich mag keine blinde Gewalt gegen alles, was nicht der eigenen Meinung entspricht. Das ist Ignoranz. Ein paar gute Ideen sind tausendmal besser als ein Berg von Episteln. If you can't do something smart, do something right. Tja, die Idealisten tun so viel smartes, das sie das richtige oft aus den Augen verlieren. Wenn Du einem Brujah begegnest, der die als Begründung für seine Handlungen ersteinmal was von Marx oder wahlweise Hitler erzählt und Du nach dem geschlossenen Deal das Gefühl hast, Du hättest Deine Seele gerade an einen Ventrue verpfändet, dann bist Du wahrscheinlich einem Idealisten über den Weg gelaufen. Sie sind mir allemal lieber als die Iconoclasten, weil ich Ihnen aus dem Weg gehen kann, aber ich mißtraue jedem, der eine Idee für wichtiger hält, als eine Person. Tja, weder Ideen noch Personen scheinen den eben genannten Bilderstürmern wichtig zu sein. Wenn ein Iconoclast einen guten Tag hat, dann überlegt er sich irgendein halbgares Bullshitargument, warum er Dir den Schädel einschlägt. An einem schlechten Tag sagt er nicht mal vorher 'Hallo'. In beiden Fällen aber schlägt er Dir die Nase ein, weil er Deine Nase nicht mag und weil er seit mindestens 10 Minuten in keiner Prügelei mehr war. Seufz. Familie kann man sich eben nicht aussuchen. -- Aristide Gillette

Also, so läuft das hier: Da gibt es diese alten Knacker, die glauben, die haben die Weisheit mit Löffeln gefressen und denken darum, die können uns erzählen, wo es lang geht, nur weil sie lange genug vor den Patriziern gebuckelt haben, um überleben zu können. Und dann gibts da noch die Idioten, die von allem nichts wissen wollen und uns einfach nur verraten, weil sie zu feige sind, hinter einer vernünftigen Meinung zu stehen. Ich und meine Kumpels wir sind die Zukunft, Baby. Ich hab das mal in Geschichte gehabt, französische Revolution und so, St. Juste, weißt du? 'Die Revolution ist eine Hure, die auf eine Matratze aus Leichen gebettet werden muss!' Der Mann hatte recht. Keine Kompromisse mehr. Keine Duckmäuserei. Wir sind Brujah und wer was dagegen hat, der kann sich gern meine Meinung abholen. Live fast, die young and leave a pretty corpse. -- Richter

Clan Brujah in Preußen



Von Vlad von Stolzenfels,
Ahn des Clanes der Gelehrten
mit Kommentaren von
Andrzej Vlad Czekan von Stolzenfels,
Ahn des Clanes der Gelehrten,
Kind des Vlad von Stolzenfels
Christoph Durier,
Ahn des Clanes der Gelehrten,
Kind des Hasdrubal
Marcel Krämer,
Ancilla des Clanes der Gelehrten,
Kind der Yvette de Mirelle
Thomas Lind
Ancilla des Clanes der Gelehrten,
Enkel des Christian Hohensyburg
und Marx Corvus,
Neonate des Clanes der Gelehrten

Vorwort zur 2.Auflage von Stanislav Pjotronov


Die vorliegende 2. Auflage des Textes ist eine erneute Übersetzung der englischen Übersetzung des Originaltextes, der für die 1. Auflage verwendet wurde. Diese Neuübersetzung ist besser an die deutschen Sprachgewohnheiten angepaßt, als die vorherigen Übersetzungen. Leider ist es uns nicht vergönnt, Zugriff auf die Originaltexte des Andrzej Czekan zu nehmen, da diese weiterhin verschollen sind.

Vorworte zur 1.Auflage


von Andrzej Czekan

Beim Stöbern durch einige Besitztümer meines 2002 verstorbenen Erschaffers, die ihren Weg zu Fürstin Eriana de Buckowiz gefunden haben – wie auch immer –, bin ich über eine Sammlung maschinebeschriebener Seiten gekommen, welche die Geschichte unserer Familie in Berlin betreffen.
Bei weitem nicht so umfassend wie Arnim von Graels Werk, dafür aber sicherlich wesentlich näher an der Wahrheit, steht somit auch uns (endlich) ein bescheidener Einblick in die Berliner Geschichte zur Verfügung.
Die folgende Abhandlung teilt sich in zwei Hauptkapitel:
Das Erste bestehend aus den Aufzeichnungen des Vlad von Stolzenfels, die Jahre bis 1988 umfassend, sowie das Zweite, von mir geschriebene, die Jahre bis einschließlich 2000 umfassend.
Ich habe mir erlaubt, einige eigene Kommentare dem ersten Kapitel, also der Abschrift des Originals meiner Erschaffers hinzuzufügen und einige Passagen des ersten Kapitels inhaltlich zu straffen – mein Erschaffer schrieb die Geschichte in hoher Erregung nieder, weil er sich just mit dem Anführer der rechtsradikalen Anarchen des Vierten Reiches um geschichtliche Dinge gestritten hatte, und demzufolge zuweilen seitenweise Tiraden und Richtigstellungen der verschrobenen Ausführungen Dieter Kotlars niederschrieb – und dies oft, indem er sich auf Inhalte jenes Gespräches bezieht, was uns als nicht Dabeigewesenen das Verständnis schlicht unmöglich macht.
Wie jede Abhandlung über die Geschichte von Wampiren so ist natürlich auch diese nur eine Version der Wahrheit, in die zwangsläufig und sicher auch gegen den Willen meines Schöpfers das Netz der Lügen des ewigen Jyhad eingeflossen ist und die Wahrheit, vielleicht auf immer, verschleiert, verzerrt oder vernichtet hat.
Wir können kaum begreifen, wie schnell die Geschichte umgeschrieben und umerlogen wird. Darum muß es die Pflicht eines jeden Brujah sein, möglichst viele verschiedene Werke zur Geschichte zu sammeln und auch historische Quellen zu bemühen, im ewigen Ringen um die Wahrheit, die uns Stück um Stück und Nacht um Nacht durch die Macht der Korruption verloren geht.
Aus diesem Grunde habe ich den Text auch weiteren Geschwistern zukommen lassen, auf daß diese das Geschriebene ergänzen oder korrigieren können. Weder das Auge meines Erschaffers noch das meine ist perfekt und ungetrübt, aber indem wir alles Wissen sammeln, steigt unsere Chance, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden und somit die Fäden unseres Schicksals wieder selbst in die Hand zu nehmen.
Mein besonderer Dank gilt Christoph Durier, Ahn unseres Blutes, der mir die Ehre erwiesen hat, die eine oder andere Stelle zu korrigieren oder zu kommentieren und uns alle so an seiner gewachsenen Erkenntnis hat teilhaben lassen, sowie Thomas Lind, der uns die Erkenntnisse seines Großerschaffers Christian Hohensyburg, Ahn unseres Blutes und Fürst der Großdomäne Ruhrgebiet, insbesondere bezüglich der Frühgeschichte unseres Blutes in Germanien zugänglich gemacht hat.
Credo, quia absurdum
Andrzej.
Berlin, November 2000
P.S.: Kommentare jeglicher Art innerhalb der jeweiligen Originaltexte habe ich durch spitze Klammern kenntlich gemacht (<>).1
Einleitung von Vlad von Stolzenfels

Welch bitterer Zynismus. Den Clan der Gelehrten nennt man uns, und doch wissen wir über unsere Geschichte weniger als jeder andere Clan, vielleicht abgesehen vom Clan des Tieres.
Froh sein muß man ja schon heute, wenn es da mal einen gibt, der weiss nicht nur daß, sondern auch wann Karthago zerstört wurde, 146 v.Chr. nämlich, und daß Clan Brujah nicht schon zur Stadtgründung 814 v.Chr., sondern erst um 500 v.Chr. die Stadt übernahm.2
Bis ins Morgengrauen hinein wütete diese entsetzliche Unterhaltung mit Dieter Kotlar, und selbst jetzt, da ich endlich von seiner stumpfen Borniertheit, seinem arroganten Schwelgen in Unkenntnis erlöst bin, finde ich keine Ruhe. Also setze ich mich nieder, um wenigstens die nötigsten Dinge unsere Geschichte in Preußen und dem »Teutschen Vatterlande« zu Papier zu bringen, auf daß die Jüngeren unseres Blutes nicht endgültig der kotlarschen Verblödung anheimfallen.
Eripitur persona, manet res
Vlad von Stolzenfels
Berlin, Juni 1988
von Christoph Durier

Andrzej Czekan hat mich gebeten, dieser Geschichte der Familie der Gelehrten in Preußen einige Worte voranzustellen, und mit Freuden entspreche ich dieser seiner Bitte:
Die Geschichte der Brujah in Preußen ist ebenso eine Geschichte des Kampfes um das Recht, sein eigener Herr zu sein, als auch ein Zeugnis des unbeugsamen Willens, niemandes Knecht zu sein.
Immer und immer wieder waren wir es, unser so gelehrtes Blut, das den Preis dafür zu zahlen hatte, daß wir nicht nur unsere, sondern auch die Freiheit der Anderen verteidigten.
Und wie hoch war dieser Preis, den wir zu zahlen hatten:
Wie viele Brüder und Schwestern fielen bei dem Versuch, Preußen von der blutgierigen Tyrannei der Ventrue zu befreien?
Wer von uns hat nicht jemanden verloren, den er liebte, sei es Kind, Erschaffer oder Freund?
Wer aus unseren Reihen kann behaupten, daß die immerwährende Schlacht gegen die Unterdrückung nicht ihre Spuren in seiner – in unser aller – Seele gebrannt habe?
Immer – und überall – waren WIR es, die sich dem Machtstreben der anderen Clans – und eben nicht nur den Patriziern, sondern auch den anderen – entgegen gestellt haben.
Egal, wie sie versucht haben uns zu bezwingen, selbst als sie uns wie Hunde in ihre Kamarilla zu peitschen trachteten, kämpften wir stets mit Klauen, Fängen, Schwertern und automatischen Waffen gegen die Schergen unserer Unterdrücker.
Doch keine unserer Waffen erwies sich als wirkungsvoll gegen die Blutgier und Machtgeilheit der Blaublütler und der Blutschänder. Denn wann immer wir auch nur den kleinsten Vorteil gegen unsere Feinde unser eigen nennen konnten, setzten wir alles daran, uns untereinander zu zerfleischen.
Die anderen Familien behaupten, dies läge daran, daß wir Brujah nur zerstören könnten, anstatt etwas aufzubauen.
Sie behaupten, wir seien unfähig zu regieren.
Doch in Wirklichkeit liegt es lediglich dran, daß wir übersehen haben, daß wir über die stärksten Waffen verfügen, die es auf diesem Planeten gibt:
Unseren Geist und unsere Einigkeit. Der Geist ermöglicht es uns, Dinge zu erkennen und Visionen zu schaffen, wie sie keine andere Familie jemals verwirklichen könnte.
Die Einigkeit verleiht uns jene Kräfte, die wir brauchen, um diese Visionen zu verwirklichen.
Wir können nur dann gemeinsam gegen unsere Feinde stehen, wenn wir wissen, woher wir kommen und wieso wir das sind, was wir sind.
Aus diesem Grunde habe ich Andrzej Czekan bei dem vorliegenden Werk geholfen und ihm meine persönlichen Aufzeichnungen und Tagebücher zur Verfügung gestellt.
Ich hoffe, meinen Teil dazu beigetragen zu haben, daß die vorliegende Geschichte der Familie der Gelehrten ein wenig Licht in das dunkle Netz aus Lügen zu bringen vermag, daß uns – jeden von uns – Nacht um Nacht in seinen Klauen hält. Das die ganze Welt umschließt und erwürgt, bis bloß noch Schlacke in den Adern von Menschen und Vampiren schwärt.
Sollte auch nur ein einziger Brujah eine wichtige Lehre aus diesem Werke ziehen können, so wiegt es die Mühe, diese Historie zu erstellen, mehr als auf.
C.D.
Berlin, Dezember 2000
von Thomas Lind

Mein Großerschaffer, Christian Hohensyburg, bat mich darum einige Kommentare zu diesem Werk zu schreiben. Es war mir ein besonderes Vergnügen an einem so elementaren Werk der deutschen Geschichte unserer Familie mithelfen zu dürfen.
Dieses Werk bezieht sich zwar größtenteils nur auf den östlichen Teil unseres Landes, aber so wird wenigstens ein Teil der Geschichte unserer Familie weitergegeben. Bei meinen Bemerkungen bezieh ich mich auf meine Erfahrungen und auf die Aussagen meines Erschaffers und Großerschaffers zu diesen Themen.
Die Jungen interessieren sich leider nicht mehr für die Geschichte, sei es die Ihre, die Ihrer Familie oder die der Welt. Sie wollen nur noch zerstören und dafür braucht man keine Kenntnisse der Geschichte. Wenn etwas aufbauen will, braucht Kenntnise über das Fundament. Zum Zerstören aber reicht es dagegenzurennen, bis es einstürzt, oder man selber kaputt geht.
Ich hoffe, daß möglichst viele der Jüngeren unserer Familie sich die Zeit nehmen, diese Seiten zu lesen und aus ihnen zu lernen.
Thomas Lind
Gelsenkirchen, Februar 2001
Bemerkung zu Marx Corvus von Andrzej Czekan

Jedes Mal, wenn ich einen Namen lese, in dem das Wort »Corvus« oder ein anderes Substitut für den Begriff des Raben lese, zucke ich unwillkürlich zusammen.
Denn hier in Berlin wirkte und lebte lange Zeit ein Ahn der Familie Ravnos namens Alexej, der sich mehr denn einmal unter falschen Namen und falscher Familie in die Geschichte einmischte und gerade durch seine Schriften danach trachtete, unsere Familie zu bespucken und in Fehden zu entzweien.
Conte Corvo - Vert Cocoon – Il Nero Toccov Sudovov – Diese und andere Namen und Anagramme trug er schon, und misstrauisch beäugte ich daher die Kommentare, die mir jener »Marx Corvus« zukommen ließ, denn aus ihnen sprang all jene Hohlheit und jener beißende Sarkasmus, der mir aus den Schriften des Ravnos bekannt ist.
Und so muß ich eingestehen, daß ich wohl lieber andere Kommentare (wie etwa solche von unserem Ahnen Christian Hohensyburg) zu dieser Schrift noch eingefügt hätte als ausgerechnet jene kurzsichtigen und blinden Worte jenes Marx Corvus, daß ich mich aber trotz meiner Zweifel dazu entschieden habe, die Ansichten jenes Mannes in die folgenden Texte aufzunehmen.
Sollte sich dahinter nur der Ravnos verbergen, so sei ihm gesagt, daß ich seine Scherze weiterhin nicht erheiternd finde.
Sollte Marx Corvus aber tatsächlich einer der unsrigen sein, so mögen seine Kommentare uns daran mahnen, zu welchem Denken uns mangelnde Kenntnis und Bildung verführen kann.
Andrzej.

Erstes Kapitel: Geburt, Aufstieg und Fall der Familie Brujah in Preußen (1 – 1988 n. Chr.)


Von Vlad von Stolzenfels mit Kommentaren von Andrzej Czekan.
Von den frühen Nächten

Die frühesten Nachweise von Aktivitäten unserer Familie in den Ländern, die einmal Deutschland werden würden, lassen sich bis zu Christi Geburt zurückverfolgen. Unter Führung einiger aus Karthago entkommenen Brujah bildeten sich erste Stammesbündnisse der Germanen, aber mehr ist kaum bekannt.
Recht gut überliefert ist eine große Familienzusammenkunft an der heiligen »Irminsul«, quasi ein Vorläufer der heutigen Rants. Vertrieben aus den Ländern Karthagos, hatten wir unsere Kultur verloren. Geordnete Sitzungen und durchdachte Erörterungen machten einem wilden Brüllen und Streiten Platz, und wahrhaft – Barbaren waren wir geworden.
Durch Stimme und rohe Gewalt machte sich einer der Brujah zum Anführer, und vereint machte man sich gegen Trier auf, damals die einzige Festung der Ventrue im weiten Land. Trier wird 275 restlos zerstört, und mit der Präfektur zerfällt auch das gallische Sonderreich. Unsere Familie aber zerstört nur, und baut auf den Ruinen nichts auf. Bündnisse zerfallen wieder.
Gut 20 Jahre später kehren Römer und Ventrue nach Gallien zurück. Es beginnt ein regelrechter Ausrottungsfeldzug gegen den Anführer unserer Familie und dessen Brut und Vasallen. Statt daß die Familie zusammensteht, kümmern sich die meisten um ihre lokalen Probleme – zumeist mit den Gangrel und den Werwölfen – einige sogar erfreuen sich am Sturz des Brujah-Führers, der nach dem Wort einiger schon in Karthago versagte.3
200 Jahre geht das Ringen in den germanischen Ländern. 200 Jahren ohne nennenswerte Erfolge für Ventrue oder Brujah. Das Land ist zu groß, und zu wild, und es bleibt bei raschen Vorstößen und vereinzelten Scharmützeln.
Dann, etwa 400, beginnen die Dreißig Jahre der Wanderung. Die Völkerwanderung. Ganze Stämme machen sich auf den Weg nach Westen. Alte unserer Familie wispern von einem lockenden Ruf, der alle Brujah erfasst und unwiderstehlich gen Karthago zieht, andere sagen, es sind die Greuel der Tzimisce, die in jener Zeit den Osten überrollen, der das Germanenvolk fliehen lässt.
Einige unseres Blutes wandern bis hinab nach Karthago, das nur eine Trümmerwüste ist, auf der Bäume und Sträucher wachsen. Der Ruf, so es ihn gab, erstirbt. Die Völkerwanderung kommt überall zum Halt.4
Die Ausrottung der Brujah

Verstreut über eine riesige Strecke von Mittelgermanien bis Karthago sind wir leichte Beute für alle Wampire, deren Länder wir durchqueren. Die Ventrue Roms und die Lasombra in Spanien schlagen besonders hart gegen uns los, Pyrenäen und Alpen sind die Kluft, die fortan unseren Clan teilen wird: Was südlich davon ist, zieht sich in den kommenden Jahrhunderten auf wenige Gebiete in Spanien, Italien, Schweiz und Griechenland zurück.
Was nördlich ist – der weit kleinere Teil – verstreut sich in den Weiten der namenlosen Länder, wo die einzelnen Bruten und Sippen oft von Tzimisce, Gangrel, Werwölfen und anderen Monstren verschlungen werden.
Nur im Land der Sachsen halten wir uns, halten uns und erstarken, und viele Brujah, die in den weiten Ländern unseren Ruf erhören, kommen ins Sachsenland.
772 ist es, da die Wampire des Grand Court hinter Karl dem Großen die Irminsul fällen – in den letzten Jahren ein Ort heiliger Verehrung für unser Blut, und die Stätte unserer Familienzusammenkünfte.
Es beginnen die Sachsenkriege, in denen wir mit den Sachsen wüten gegen die Christenfeinde, die unsere Stätten entweihen, und die germanischen Völker brechen und versklaven wollen. Unser Blut erkennt die Schatten im Dunkeln, weiß, daß es Wampire sind, aus Paris, Köln und Rom, welche die Menschenarmeen kontrollieren.
774/775 ist der Winterfeldzug von Karl, bei dem die sächsische Eresburg fällt. 775 fällt die Sigiburg an der Ruhr. 782 lässt Karl »der Große« 4.500 angebliche sächsische Rädelsführer in Verden an der Aller hinrichten – Lieder aus alten Tagen künden uns von dem barbarischen Schlachtfest, bei dem die Wampire im Blut der Erschlagenen baden und sich mästen. 785 siegt Karl über die Sachsen und stellt Widukind, den letzten großen Sachsenführer.5 6 7
Der Triumph der Korruption

Ohne das Licht der Brujah haben Dekadenz und Korruption sich im Grand Court breitgemacht. Geil vom Blut der Besiegten und fett durch das ewige Mästen mit Eitelkeiten zerfällt er binnen 100 Jahren. Erstickt an seinen eigenen Lügen von Größe und Kultur, von Frieden zwischen den Wampiren und dem Wampirischen »Kulturreich«, das unter seinem feisten Leib entstehen sollte.8
Dies wisse jeder – daß die glorreichen Tage des Grand Court eine Lüge sind. Die Glorie des Reiches ein Scheingebilde, gewoben aus dem feige erschlagenen Blut der Familien, die man als minderwertig erachtete.
Keine Quelle aus jenen Tagen kenne ich, der ich trauen würde, und daher will ich zu ihnen allen schweigen. Aber in jene Tage fällt es, daß – wie in Trutmunia – die ventrueschen Königshöfe in Deutschland entstehen. Das Land ist noch immer weit und leer, und die Kontrolle der Wampir-Besetzer endet am Stadttor der weit verstreuten Siedlungen, in denen sie sich als Regenten, Fürsten, Grafen, Barone und Könige ausrufen lassen. Jeder für sich, nur wenige mit Lehenseid, unter den Ventrue aber viele mit Bluteid an den Erschaffer gekettet – und der ist direkt oder indirekt den meisten Saulus »der Starke«.
Woher er gekommen, ich weiß es nicht. Eine Macht im Grand Court? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen heißen ihn jener Tage einen arroganten Emporkömmling, andere ihn einen größenwahnsinnigen Narren, wieder andere – eine wachsende Gruppe – einen Visionär, der die gewaltgebärenden germanischen Weiten zwischen Elbe und Rhein zu einem großen, einigen Reich schmieden will.9
Im Schatten des Zerfalls jener Jahre, des Ringens der Wampire um das Machtvakuum, das der Grand Court hinterlassen hat, erschaffen sich die Hexer des Tremerehauses fast unbemerkt. Und es soll noch lange dauern, ehe sie von den mit Verfaultheit beschäftigten Wampiren der europäischen Höfe zur Kenntnis genommen werden.
Zwischen 1130 und 1140 ist es, da ihr Name durch die europäischen Elysien rollt, denn sie haben einen Altvorderen vernichtet und durch sein geraubtes Blut das Recht erstritten, sich Familie zu heißen.
Um das Jahr weht uns geisterhaft der Name eines Brujah entgegen, Ysteyn Ori, der Lübeck niederbrennt und in Besitz nimmt. Andere sagen, daß Ysteyn Ori (oder Eistein Juri und Eystein Yori) es war, der Lübeck begründete und lange dort herrschte, und der große Brand 1157 durch die Ventrue gelegt wurde, um ihn und seine Brut zu ermorden.
Die Anarchenrevolte

Es ist eine Zeit ohne Gesetz. Ohne Ehrfurcht. Was nicht an Rom verdorrt ist, was nicht am Grand Court schon faulte, schwärt nun vor Korruption. Kinder werden von ihren Erschaffern um ihre Eitelkeit sinnlos verheizt, ganze Bruten erschaffen, um dem ein oder anderen lokalen Wampirfürsten entgegengeworfen zu werden.
Und so entsteht sie: Die Saat der Rebellion.
Der Ruf nach Freiheit.
Die wuchernde Verweigerung in den Herzen derer, die nicht für Fürsten mit hohlen, schwarzen, leeren Seelen sterben mögen. Im 13. Jahrhundert entsteht sie, aber nicht, wie es die anderen Familien sagen, aus unseren Reihen, sondern aus den Reihen derjenigen Familien, deren Fürsten so grausam mit ihren Kindern umgehen, daß diese keine andere Wahl als den Aufstand mehr haben:
Die Rebellion wächst aus den Kindern der Lasombra. Aus den Bruten der vornehmen Ventrue. Aus den versklavten Horden der slawischen Tzimisce.
Der Altvordere der Lasombra ist ihr erstes Opfer. Denn Clan Lasombra ist es, der in jenen frühen Nächten des 13. Jahrhunderts über Deutschland herrscht. Über Spanien. Über Italien. Über die Kirche.
Sie, die Anarchen, brauchen Verbündete. Und wahrhaft, wir helfen ihnen gerne. An unseren wenigen Höfen sammeln sich die Fliehenden, und bringen Kunde vom Gegner. Stellungen. Pläne. Verstecke. Grausam wütet unsere Rache!
Hecktor schlägt von der Grafschaft Schaumburg aus gegen Holstein los, und entringt es 1227 dem geifernd-schwarzen Griff der Malkavianer von Dänemark.10 11
Überall in den Ländern schließen sich Brujah mit den Revoltierenden zu kleinen und größeren Rudeln zusammen, und mit wandelnden Bündnissen fällt man über die schwarzen Fürsten her. Vertilgt die Lasombra. Berennt die Burgen der Tzimisce. Schleudert Brand und Pest gegen die Ventrue. Und erobern die Schweizer Waldstätten in einem tollkühnen Handstreich – die brujahdominierte Schweizer Eidgenossenschaft ist geboren!
Aber unsere Feinde sind nicht tatenlos, stürmen und erobern die Sigiburg und vertreiben den Brujah, der dort lebt. Um 1320 erobert der Ventrue Bernhardt von Westhofen den Thron von Hagen, Herdecke und Wetter.12
Um 1350 töten die erstarkenden Anarchen den Familiengründer der Tzimisce.
1385 vernichten die Brujah der Schweizer Eidgenossenschaft ein österreichisches Ritterheer und den Herzog von Österreich, Vasall des Rheinhardt von Trotta.
In all den Jahren sind die Tyrannen die Guten, ihre Gegner – ob rebellierende Bruten, Brujah oder Gangrel – die »Anarchen«, der Abschaum, der Feind. Lügen machen die Runde. Geschichten unbeschreiblicher Greuel, und die ewige Lüge des Amaranth.
Oh, der Amaranth. Diese ewiglich vorgeschobene Begründung, alles und jeden ohne moralische Skrupel angreifen und grausamst vernichten zu dürfen. Wer sind sie denn, daß sie so hoffärtig über den Amaranth schimpfen. Seht euch doch um: An der Spitze jedes Ahnenhauses, auf dem Thron jedes Blutfürsten sitzt einer, der sich durch den Amaranth seinen Titel und seine Macht angesoffen hat – und genau WEIL sie von der Verzückung des Blutraubes und seiner Macht wissen, dämonisieren sie die Tat vor ihren Bruten.13 14 15
Was soll daran unheilig sein, wenn die Geknechteten sich erheben und das Blut ihrer Schöpfer verzehren? Ja, es ist Unrecht. Es ist Unrecht, sich gegen den Ahn zu erheben, wohl, aber wenn dieser doch das Recht und Gesetz bricht, Fäulnis und Verderbtheit zelebriert und über seine Länder bringt, verwirkt er nicht dort Recht und Titel? Ist es da nicht gar heilige Pflicht, daß man ihm sein Blut, seine Macht nimmt, um sie hinkünftig, das heilige Blut Kains, zum Besseren zu verwenden?
Und wenn nicht: So hat doch ein jeder der Ahnen jener Tage den schlimmsten Tod verdient, denn jeder von ihnen ist dieses Verbrechens des Amaranthes schuldig gewesen, und also wurde kein Verbrechen gegen sie verübt, sondern im Gegenteil Recht wieder hergestellt.16 17 18
Der Aufstieg der Brujah

Unsere Macht wächst im 13. und 14. Jahrhundert. Einige sagen, weil die Familiezusammenfindet und seine eigenen Höfe bildet. Andere sagen, weil die Ventrue sich untereinander befehden. Ich aber sage: Weil wir Anarchen sind. Weil wir mit ihnen reiten. Weil zornige Wampire in diesen Nächten die Feinde der Brujah stürzen und an das Antlitz der Sonne werfen, und weil nur wir alleine – und die Gangrel, und die Nosferati – uns nicht gegen unsere Bruten versündigt haben.19
Viele vergessen es heute, wollen es aus der Geschichte tilgen: Aber die Familie Brujah war eine Familie von Anarchen und die Kraft hinter der Revolte, und daß der größere Teil der Familie heute bei der Kamarilla steht, ist nicht Ergebnis freier Entscheidung, sondern Bedingung unserer Kapitulation gewesen! Im Osten verbünden wir uns mit den Gangrel und einer Gruppe anarchischer slawischer Ventrue, vereinigen so Polen und Litauen.20
Im Brandenburger Land wütet die Anarchenrevolte, und mit ihr der junge Gustav Breidenstein, der sich gegen seinen Lehensherren Ferdinand von Hohenzollern erhebt. Gemeinsam mit den Anarchen, gemeinsam auch mit Clan Brujah vernichtet er die Vögte des von Hohenzollern im Brandenburger Land, des Zollernschen Kinder Kristin und Wilhelm von Hohenzollern.21
Weiter fegt der Anarchensturm durchs Land, und Gustav fällt über seinen Erschaffer, die Tyrannin Ilse Reinegger her und trinkt sie leer. Ha! Er, der später so eilfertig gegen die Anarchen wettern soll, ist doch im Herzen selber einer, egal, wie sehr er es später umschreiben und mit Lügen besingen soll!22
Besingen indes muß man wohl sein kaltes Herz und seine Unverfrorenheit, denn als dann die Stunde der Kamarilla naht, ist er es, der sich ihr mit zuerst anschließt, und so vollzieht er den Wechsel vom Muttermörder und Anarchen zum gerechten Herrscher und Verteidiger der Kamarilla!
Sehr gelegen dürfte die Kamarilla ihm in der Tat gekommen sein – ohne die Politik der Masquerade, in deren Zuge auch der offene Krieg beendet werden sollte, und ohne das scharfe Auge der Justikare, die den inneren Frieden in der Kamarilla überwachten – hätte Gustav sicherlich grausame Rache der Saulusier erdulden müssen und einen langsamen, schmutzigen Tod gefunden.
Ventrue! Ha! Man zeige mir ein falscheres Blut als dieses.23
Geburt der Kamarilla

Ab 1484, dem Jahr der Hexenbulle von Papst Innozenz VIII., geht alles sehr schnell. Die Kriege im Inneren spielen plötzlich keine Rolle mehr, als die Inquisition nun mit voller Gewalt durch das Land fährt, eine Bresche flammender Scheiterhaufen hinter sich her ziehend.
Unterdessen die Ahnen sich tiefer zurückziehen und erneut ihre Bruten vorschicken, statt ihrer den Tod auf dem Scheiterhaufen zu erleiden, sind es just die Anarchen, welche die leichteste Beute für die wahnsinnigen Priester darstellen – und so verschiebt sich einmal mehr das Gefüge der Macht.
Ja, die Lasombra waren die treibende Kraft hinter der Inquisition, richteten sie gegen ihre rebellierenden Kinder – und verbrannten doch selbst an dem Feuer, das sie entfacht hatten.
Da die Balance der Kraft die Ahnen begünstigt, schlägt die 1486 frischgegründete Kamarilla auf breiter Front gegen die von den Inquisitionsfeuern bedrängten Anarchen los. Viele Anarchen, viele der Nutznießer, alle Mitläufer, wie auch Gustav Breidenstein, vollziehen den Wechsel zur Kamarilla, werden zu den glühendsten Verteidigern der jungen Sekte.
So doppelt gestärkt, werden die wahrhaftigen Anarchen überrollt. In allen Anarchenrudeln sind es die Brujah, welche die heuchlerisch-verlockenden Angebote der Begnadigung ablehnen – so daß es unsere Familie ist, der am Ende der Kämpfe nahezu alleine dasteht, und kapitulieren muß.
Was von den Anarchen bleibt, flieht meist in Richtung der Neuen Welt. Allen voran die Anarchen der geköpften Familien Lasombra und Tzimisce, die keine Kapitulation zur Option haben, auf die keine Gnade warten wird. Und aus denen das Herz des Sabbat entstanden ist. Was in der Alten Welt verbleibt, fristet ein Dasein als Unterworfener, oder stirbt begnadigt, aber schreiend in unterirdisch verborgenen Folterkavernen der Sieger.
Nur wenige Refugien bleiben uns. Refugien, in denen wir zu stark sind, um unterworfen und heimlich hingerichtet zu werden. Refugien, die der Kamarilla beitreten und – da endlich die Justikare wenigstens ein gewisses Recht etablieren – auch zur Gänze als gleichwertiger Teil der Kamarilla anerkannt werden müssen.
In Polen herrschen wir. Und in der Schweiz. Und in Griechenland. Und über einzelne Gebiete in Spanien und Italien.24 25
Dann kommt der Dreißigjährige Krieg. Polen ist katholisch und bleibt es, konzentriert sich alleine unter den vielen europäischen Mächten ganz auf die Sarazenen, kämpft und siegt 1620 gegen sie bei Cecora, 1621 bei Chocim, muß sich ab 1627 gegen Schweden verteidigen, das eine Chance für den Überfall sieht.26 27 28
Polen

Die Geschichte Polens ist eine Geschichte des Verrates an einem braven, stolzen Volk. Ein Volk, das das Unglück hatte, in einem Land der Brujah zu leben – denn unsere Familie kennt nur Feinde unter den anderen.
Am Wirken der anderen Familien wurde Polen von einer der prächtigsten und mächtigsten europäischen Nationen, dem Herz für Bildung, Lehre, Kultur, zu einem Land der Autodiebe degradiert. Die völkische Lüge, die über die Polen verbreitet wird, ist so allumfassend, daß sie einen jeden nur mit kaltem Entsetzen erfüllen kann.
Dies sage ich nicht nur als Pole. Betrachte ich in diesen Tagen die Schulbücher und sehe ich, was über die Hintergründe der Teilungen dort verbreitet wird, erfüllt sich mein Herz mit Ekel.
Aber dies ist ein eigenes Thema, das ich in diesen Schreiben nicht vertiefen möchte.29 30
1795 endet die Hohe Zeit Polens, mit der dritten Teilung, die endgültig vernichtet, was an Tradition und Volkskultur noch übrig ist.
Polen ist kein Königreich mehr - der polnische König muß abdanken und wird nach St. Petersburg verbracht, wo er 1798 stirbt. Mit dem Leben unseres letzten großen Vasallen erlischt auch der Einfluss der Brujah in Polen.
Die Ventrue von Österreich und Ungarn, von Brandenburg und Preußen, von Russland – die alle haben sich verschworen, Polen zu zerschlagen. Und gesiegt.
Die Ruheorte der Brujah-»Rädelsführer« werden überfallen, die Brujah erschlagen, wo man sie findet. Zehntausende Polen werden nach Sibirien verbracht, aber mit der Hilfe von Ghulen und Jüngeren unseres Blutes entkommen Tausende und fliehen über Südosteuropa nach Nordafrika und von dort nach Italien. 2 Jahre dauert ihr Marsch.
Der Bund von Rosen und Dornen

In Italien gründen sie die polnische Legion unter General Henryk Dabrowski, die an Napoleons Seite kämpft, um Polen zu befreien. Er ist nicht nur für die polnischen Menschen, sondern auch für die polnische Brujah die letzte Hoffnung, und als Polen sind wir – ob Seths- oder Kainskind – Brüder, wie uns die Legenden von Karthago künden. Wampire und Menschen – vereint unter einem Banner, ohne sich zu fürchten voreinander.
Das Motto der polnischen Legion: »Alle Freien Männer sind Brüder«. Ein nobleres Motto hat es nie gegeben!
Die Legion marschiert zu einem Lied von Jozef Wybicki: »Jeszcze Polska nie zginiela bugy my zyjemy, Co nam obca przemoc wziela, szabla odbierzemy. Marsz marsz, Dabrowski, z ziemi Wloskiej do Polski! Za twoim przewodem zlaczym sie z narodem.«31 32
Die Polen kämpfen für Bonaparte an allen Fronten. Unter den Truppen der Toreador, die wenn auch aus ganz anderen Gründen, aber genau wie wir gegen die übermächtig gewordenen Ventrue streiten, allen voran Gustav Breidenstein, den Großfürst von Preußen.
Mit unseren Alliierten, den Toreador, erreichen wir deutschen Boden, und halten gierige Rache.
1803 besetzen wir an der Seite der französisch-toreadorischen Truppen das Kurfürstentum Hannover und seine Residenzstadt für ein Jahrzehnt. Hannoversche Soldaten fliehen nach England und kämpfen dort in der King's German Legion gegen Napoleon. Sie tragen 1815 in der Schlacht bei Waterloo entscheidend zum Sieg gegen Napoleon bei.
Im selben Jahr rollt eine Welle der Entrüstung durch Europa – Napoleon soll eine Puppe des Sabbat sein, haben die Ventrue verbreitet. Und viele glauben ihnen, wollen ihnen glauben.
Aber unser Sturm ist nicht aufzuhalten!
Am 27. Oktober 1806 marschieren polnische Soldaten an Napoleons Seite in Berlin ein. Polnische Brujah flankieren den Auftritt der Toreador-Eroberer im Elysium in der folgenden Nacht. Überall hin begleiten wir die Toreador, in Berlin, in Lübeck (1806-1813), in Dortmund (1808/1809).
Wir sind Zeuge, als Gustav Breidenstein zur Besänftigung der Toreador und als Entschuldigung für seine Verbrechen 3 seiner eigenen Kinder öffentlich und durch eigene Hand vernichten muß. Nicht irgendwelche, beileibe nein! – Seine 3 Ersterschaffenen sind es, die er opfern muß, seine Thronerben.33
So geschlagen und gedemütigt, zieht er sich zurück, und übergibt viele Geschäfte an Wilhelm Waldburg. Andere Familien können nun in Berlin siedeln – und ab 1848 herrscht im Prinzip Waldburg alleine über Berlin und knüpft Verbindungen zu allen Clanen, darunter auch und gerade den Toreador und den Brujah.34 35
Indessen sammelt Breidenstein außenpolitischen Einfluss bei den Ventrue, die sich von Breidenstein gegen die Toreador und Tremere aufwiegeln und zur Schaffung eines großdeutschen Reiches gewinnen lassen. Mehr, Nacht um Nacht.
Wir, die Brujah von Polen, sind zu blind, es zu sehen. Zu euphorisch über unseren Sieg. Napoleon, die Toreador, halten Wort. 1815 wird das polnische Königreich, das Großherzogtum Posen (Preußen) und die Krakower Republik beim Wiener Kongress gegründet.
15 Jahre haben wir unsere Ruhe in Polen. Streiten uns untereinander, wie wir es immer tun. Diskutieren. Denken. Auch mit unseren Brüdern in Russland, denen wir durch die frz. Nationaleinheit als Kongress-Russland und Kongress-Polen nun näher sind. Sind begeistert über die Schnelligkeit, mit der Polen wieder zur richtungsweisenden geistigen Nation Europas hochschießt. Weitere Universitäten entstehen. Demokratische Gedanken werden gedacht. Reformen im Wind.
Am 29. November 1830 beschließt die Marionette der russischen Ventrue, Zar Nicholas I., Aktivitäten gegen die Demokratiebewegung im Westen zu unternehmen. Dabei will er die polnische Armee als Vorhut verwenden. In der Nacht des 29.11. versuchen die Kadetten der Warschauer Militärakademie einen Aufstand, der sich schnell ausbreitet. Die Polen kämpfen tapfer gegen eine Übermacht in den ehemaligen polnischen Territorien von Wilno, Volhynia und entlang den Grenzen von Österreich und Preußen. Schließlich breitet sich der Aufstand in Richtung Litauen aus, wo eine Frau den Aufstand führt: Emilia Plater. Nachdem die Bewegung kurzfristig den Sieg in greifbare Nähe bekommt, die Rädelsführer aber uneinig über das weitere Vorgehen bleiben – wie es unter uns immer ist - wird der Aufstand zerschlagen. In der Folge werden die Aufständischen entsetzlich verfolgt, 25.000 werden nach Sibirien verschleppt, tausende andere fliehen nach Westen, vor allem nach Paris.36
Der Umsturz in Deutschland

Nicht zuletzt durch den Zerfall der Macht der polnischen Brujah sind die deutschen Ventrue nun wieder stark genug, den Gegenschlag gegen die französisch-toreadorische Herrschaft zu führen. Während Polen im Krieg mit Russland liegt, besetzen in den 1830ern preußische Husaren Dortmund und schlagen die Franzosen. Der Fürst - Gisbert de Rombourg - wird während der Besetzung getötet und noch in selbiger Nacht ruft sich Bernhardt von Westhofen, Ventrue, zum Fürsten aus.
Es hätte wieder alles so verlaufen können, wie das Rad der Geschichte in Zentraleuropa es vielmals vorgelebt hat. Doch 1848 verändert sich der ewige Kreis des Jyhad, als Karl Marx und Friedrich Engels ihr Manifest schreiben und mit diesem inspirierenden Werk nicht nur Brujah und junge Kainiten anderer Familien über alle Grenzen hinweg gedanklich einen, ihnen Richtung und Sinn geben, sondern auch Millionen von Menschen tief berühren.37
1848 wird das Jahr der Revolutionen. Nicht alle freilich wegen dem Manifest. Oft ist es nur der Auslöser eines lange aufgestauten Zwistes, andernorts hat die Revolution nichts mit den Gedanken an die Unterdrückung der Arbeiterklasse und die korrupte Macht des Kapitals zu tun.
In Berlin versuchen Anarchen und der Sabbat die aufgepeitschte Stimmung im Volk für einen Umsturz zu nutzen, werden aber von Truppen unter Wilhelm Waldburgs direkten Befehl zerschlagen. Dies, diese Tat der Treue ist es, dieser Verdienst, der dazu führt, daß Breidenstein endgültig Waldburg ohne weitere Kontrolle walten lässt. Und ob er in den Aufstand und den leichten Sieg verstrickt ist oder nicht – seine Herrschaft bedeutete für uns eine Weile lang noch Anerkennung und Macht.38 39
Blenden tut Waldburg viele – auch uns. Denn während er in Berlin uns eine offene Hand bietet, beginnt auf preußischen Befehl in Polen die ”Verdeutschung”, die kulturelle Vernichtung Polens in Kirche und Bildung. 1886 kommt der preußische Kolonisierungsplan hinzu, in dem deutschen Siedlern billig enteignetes Land in Polen verkauft wird.
Es entstehen Spannungen in Polen und Russland. Spannungen, die sich in Arbeiteraufständen niederschlagen. Die von unserer Familie unterstützt werden: 1904, 1905, 1906, 1907 – Jedes Jahr in Polen, und gekrönt in Russland 1905 durch die Revolution.40
In Polen erwächst aus der Unzufriedenheit eine bewaffnete Bewegung. Mit Hilfe unserer Familie reorganisiert Pilsudski die polnischen Gewehrsportgruppen entlang militärischer Leitlinien. Bis 1914 hat er 12.000 Männer unter Waffen.
Wir sind bereit, Polen zurück in unsere Kontrolle zu bringen. Gemeinsam mit dem Brujah Zentralkomittee in Russland, das eben die Ventrue hinter den Zaren stürzt.
Unsere beste Gelegenheit kommt am Ende des Ersten Weltkrieges. 1917 hat sich die polnische Armee in Frankreich gegründet, in Polen haben die Bewaffneten unter Pilsudski weite Teile des zaristischen und preußischen Machtnetzes zerschlagen, und des Nachts sind wir über die Ventrue-Lakaien hergefallen.41
Am 11.11.1918 feiert Polen seine Unabhängigkeit, kein Jahr später versuchen wir zusammen mit deutschen und russischen Clanbrüdern den Sturz der Fürstenfamilie in Berlin, werden aber vom vorgewarnten Gustav Breidenstein überraschend geschlagen. Ebenfalls völlig überraschend wird Russland uns zum Feind. 1920 kämpfen Russen und Polen in Warschau.42
Ich weiß nicht, wie die Stunde, die unser größter Sieg hätte sein können, so plötzlich zur Stunde unseres drohenden Untergangs hatte werden können. Aber überall in Europa, wie durch ein unsichtbares Band aneinandergeschmiedet, wuchs der Griff der Ventrue.
Mit Hilfe der Nazis dehnt von Westhofen 1935 seinen Einfluß als Fürst von Dortmund auf umliegende Domänen aus, die "Protektorate" mit Kindern des Fürsten als Regenten werden.
In Spanien wird Franco zur Marionette der Ventrue, und unsere Familie wird auf breiter Front angegriffen, schlägt verzweifelt zurück. Jeder Brujah, der nicht freiwillig sein Haupt vor den Ventrue senkt, wird zum Anarchen deklariert und erbarmungslos gehetzt – mit Schützenhilfe der ganzen Kamarilla, die über die wahren Zusammenhänge getäuscht wird, sich angegriffen durch aufständische Brujah-Anarchen wähnt.
Mit Stalin wird den Brujah von Russland die Macht entrissen. Wieder herrschen die Ventrue, und wieder versuchen sie, das »Brujah-Geschwür« in »ihrem Reich« auszumerzen.43 44
Die Nazis

1939. England versichert Polen Hilfe gegen Nazideutschland. Die Ventrue im Hintergrund sehen das anders. Als Deutschland Polen überfällt, tut England nichts zur Unterstützung. Zur gleichen Zeit überfallen die Sowjets Polen von Osten her. Nach 1 Monat des Kampfes fällt Polen. Und wird erneut geteilt.45 46
Posen wird von Dtl. besetzt und in Reichsgau Wartheland umbenannt. Die ersten KZs entstehen auf polnischem Boden. Tausende Soldaten der polnischen Armee werden 1940 durch Sowjets hingerichtet. Wie es immer ist, spiegeln die Taten des Tages die Vorgänge in den Nächten wieder. Brujah werden gejagt und vernichtet. In Öfen verbrannt. Geköpft. Ventrue und andere Familien kommen mit SS, SA und Wehrmacht nach Polen. Gründen Protektorate. Tragen die Uniformen der Nazis. Reden wie sie. Bewegen sich wie sie. Denken wie sie.
Die Polen – und Brujah, und andere polnische Kainiten – wehren sich tapfer. 1943 – Aufstand im Warschauer Ghetto. 1944 – Warschauer Aufstand. Dazwischen ungezählte Überfälle. Erneut heißt man uns Anarchen. Behandelt uns nicht länger als Mitglieder der Kamarilla, es sei denn, wir fügen uns in unsere Bestimmung, zu einem minderwertigen Clan zu gehören.47
< In den Aufständen kämpfen ein letztes Mal Polen und Juden Seite an Seite. Das setzt sich auch in die russische Besatzungszeit fort, in der man 1968 in altem russisch-orthodoxen Judenhass schnell dabei ist, die Aufstände in Polen mit den Zionisten in Verbindung zu bringen. Hier ist er also, der von Krämer so zynisch vermisste Kampf “aller freien Brüder”. >
Die Alten, die wahrhaft alten Ventrue, reden so nicht. Aber die jungerschaffenen Ventrue sind voll von der Propaganda, wähnen in Hitler einen Sendboten Ventrues, in Breidenstein seinen Sohn, und in Westhofen möglicherweise seinen heiligen Geist. Gib den Ventrue etwas, was sie dazu veranlasst, eine Entschuldigung für Unterdrückung und Vernichtung zu haben, und sie plappern es begierig nach.
Wisset dies: daß die Ventrue immer Dinge haben, die sie als ”heilig” bezeichnen. Und was immer es gerade sein mag, was ”heilig” ist, die Verteidigung dieser heiligen Sache gibt ihnen die Legitimation, jede nur vorstellbare Greueltat zu begehen. Ohne Schuld zu empfinden.
Ventrue. Ha! Man zeige mir einen Clan mit mehr Falschheit.
Boshaftigkeit und grenzenlose Grausamkeit, verbunden mit dem festen Glauben, edel zu sein.48 49
Die rote und die weiße Rose

Unter all dem ist unsere Familie nicht nur in Frankreich, England und Polen, sondern auch tief in Nazideutschland am Kämpfen. In Berlin gründen wir die Rote Rose als vorgeschobene Beobachter und Spione – ein Vorhaben, das von den Nosferati der Stadt mitgetragen wird. Später schließt sich dann auch die später berühmt gewordene Gangrel Danielle Diron an – schon damals ein Dorn in unserer Seite, deren wirren Pläne und undurchdachte Aktionen vielen unserer Brüder in der Roten Rose den Tod brachte.50 51
Trotz der Spannungen, die Danielle hervorruft, und trotzdem sie unablässig darum bemüht ist, zusammen mit ihrem Gefolge und den Kindern, die sie sich erschafft, die Rose zu zerspalten, setzt die Rote Rose ihre Arbeit fort. Wertvolle Informationen über Truppenbewegungen, Munitionstransporte und anstehende Militäroperationen finden ihren Weg zum polnischen Netzwerk, und von dort über die Verbindungen von Clan Brujah zu den Befehlsständen der Alliierten, seien es britische Ventrue, französische Toreador oder polnische und russische Brujah.52 53
Interner Zwist führt zur endgültigen Trennung der Rose in eine rote und eine schwarze. Dies ist am 15. September 1945. Die schwarze, unter Diron und Alexej, geht in die westlichen Besatzungszonen, unterdessen die rote Rose unter Führung des Nosferatu Sergej Razhd ihre Aktivität auf die russische Besatzungszone konzentriert, wo unsere Familie sie aufnimmt, unterstützt und vor allem: vollständig rehabilitiert.
Am 1. Mai 1947 treffen sich Rote und Schwarze Rose ein letztes Mal, aber der angestrebte Vermittlungsversuch scheitert.54
Die Nachkriegszeit

Nicht nur die Siegermächte verhandeln, auch die Kainiten. Nicht weniger als 10 Kongresse finden zwischen 1944 und 1948 statt, die größten davon in Paris, in Potsdam und in Wien. Auch 3 (!) Konklaven beschäftigen sich mit dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen, diskutieren die Brüche der Konventionen der Kamarilla, die offene Manipulation aller involvierten Großmächte durch die Familien. Gerne würde man Clan Brujah für die offene Unterstützung des Umsturzes in Russland und die Aktionen des Clanes gegen die Nazi-Fürsten verurteilen, aber jeder Clan hat in diesem Krieg weit genug Dreck am Stecken, so daß faktisch alle Parteien froh sind, die Sache schnell abwickeln und zu den Akten legen zu können.
Deutschland liegt brach. Überall gibt es verlassene Städte. Die Feuersbrunst der Bombardements hat die Kainiten fliehen lassen, zahllose andere liegen unter Trümmern in Starre – und zerfallen bei den Aufräumarbeiten am Licht des Tages zu Staub.
Wer heute behauptet, die Teilung Deutschlands sei von den Kainiten vorgenommen worden, verkennt die Realität jener Tage: Die Menschen machten ihre Politik, und die Kainiten folgten dem Lauf der Geschichte – sie diktierten sie nicht länger.
Wie immer im Krieg, waren auch diesmal viele Kainiten erschaffen worden. Abgeschnitten von ihren Erschaffern, viele ohne Wissen um ihre Fähigkeiten und unsere Gesellschaft. In den Ostgebieten konnte Clan Brujah für die seinen sorgen, sie in den Schoß des Clanes holen – aber im Westen wurden wir nun erst Recht zu einem Clan ”non grata” – und dort bildeten sich Banden marodierender und einander befehdender Kainiten aus allen Clanen, die sich Gefechte mit den kommandohaft organisierten, aber kopflosen Ventruebruten lieferten.
Die ganze Aufmerksamkeit aller galt Berlin, sollte sich doch am Schicksal dieser Stadt das Schicksal Deutschlands mit entscheiden. Die vor Gewalt brennenden Städte Westdeutschlands interessierten da wenig, und die Zahl der Domänen, deren Fürst durch die Wirren des Krieges, die Bombardements und die Anarchen- und Sabbatüberfälle an der Macht festhalten konnte, ließ sich an den Fingern einer Hand abzählen.
In Berlin herrscht Unklarheit. Wilhelm Waldburg versucht nun endgültig offen und unverhohlen durch seine Verbündeten, Gustav Breidenstein als Fürst abzusetzen – unterdessen Breidenstein sich weiterhin als Fürsten sieht. Die Toreador versuchen die Ahnin Antoinette auf den Thron zu bringen, unterdessen der Provisorische Rat der Brujah (mit Krauss als Ratsvorsitzendem und Durier als Beisitzer) darum kämpft, daß die Ventrue nicht ein weiteres Mal ungeschoren davonkommen.
Aus der Fraktionierung innerhalb der Stadt entwickelt sich immer mehr ein gefährliches Klima, und Gewalt flackert immer häufiger in den Straßen Berlins auf.55 56
Die Erste Teilung Berlins

Doch wir nehmen den streitenden Parteien die Entscheidung ab: 1948 machen wir durch unsere Verbindungen zur Roten Armee, zum Politbüro und der KPD die russische Besatzungszone dicht und rufen die Geburt eines neuen Deutschland aus.57
Verständlicherweise sind unsere bisherige Alliierten – die britischen Ventrue und französischen Toreador – von diesem Schritt nicht sehr angetan und kündigen uns die Kooperation auf – sehr zum Leidwesen der polnischen Fraktion im Rat, die sehr gerne die gute Zusammenarbeit fortgesetzt hätte, ja, die Thronbesteigung von Antoinette befürwortet hatte.
Da beide – Briten und Franzosen – auf gar keinen Fall Gustavs Regentschaft anerkennen wollen, aber – völlig zu Recht – fürchten, daß der Provisorische Rat unter Krauss versuchen wird, ganz Berlin unter seine Kontrolle zu bekommen, alliieren sich beide Fraktionen offen mit Wilhelm Waldburg.58
Bald nachdem die Allianz hinter Waldburg geschlossen ist, erfolgt der Schlag gegen Gustav Breidenstein. Unweit der Grenze zu Ostberlin – die sich Gustav natürlich verweigert anzuerkennen – bricht ein Kampf zwischen Breidenstein und Vasallen und der Walburgischen Allianz aus. Im Laufe der Kämpfe verlagert sich das Geschehen schrittweise Richtung Museumsinsel, wo der Provisorische Rat hinzustößt.
Auf das Erscheinen der wutentbrannten Brujah bricht der Kampf ab – beide Parteien ziehen sich fluchtartig in verschiedene Richtung (West und Süd) zurück. Während der Waldburger Fraktion die Flucht nach Westen gelingt, wird Gustav – bereits sehr geschwächt - von seinen Vasallen getrennt. In einer Ruine nahe Moritzplatz wird er von den Brujah gestellt, die über ihn herfallen. Alleine der Intervention von Krauss ist es zu »danken« (so man darin etwas Dankenswertes sehen mag), daß der in Starre ruhende Gustav nicht zerstört wird – Krauss will den Leib aufbewahren, um ihn gegen den Preis der Anerkennung Brujahdeutschlands an Gustavs Brut, seine Verbündete oder die Heveller einzutauschen.59
Jahre der Trennung

Mit Abschluss dieser Konfrontation klären sich die Fronten recht schnell: Im Westen wird Waldburg Fürst, mit einem aus Toreador, Ventrue, Tremere, Malkavianer und Nosferatu bestehenden Rat der Erstgeborenen. Im Osten etabliert sich der Provisorische Rat, eine reine Brujah-Regierung, mit Krauss, Durier, Vladov und Jaspard als prominenteste Vertreter.60
Zwei unsichere Jahre vergehen. Jahre, die gekennzeichnet sind von wachsendem Druck der Kamarilla auf die Brujah Ostdeutschlands, von nicht enden wollenden Angriffen durch die in die zerbombten Städte eindringenden Werwölfe, die nun ihre Chance sehen, alle Wampire restlos zu vernichten, und – natürlich – zunehmenden inneren Streitigkeiten im Rat.
Zunächst nur einer der gleichgestellten Räte, dann Ratsvorsteher, dann Ratsfürst und schließlich von einem »konstituierenden Rat« unterstützter Hoher Fürst wird Christoph Durier – die Stärkung seiner Macht- und Entscheidungsbefugnisse eine direkte Folge der Wirrnisse und Werwolfangriffe, die einen parlamentarischen Entscheidungsprozess im Rat unmöglich machen.
Der Rat bleibt dabei im Bild der Brujah das eigentliche Regierungsgremium – das Instrument, mit dem die Zukunft Ostdeutschlands gestaltet werden wird. Fürst Durier im Gegensatz dazu ist lediglich Bewahrer und Verteidiger der Traditionen in Ostberlin – eine lokale Person, die dem ”Konstituierenden Rat der Deutschen Demokratischen Republik” (variierend bezeichnet auch als »Sozialistenrat«, »Roter Rat« und »Fürstenrat der Domäne Ostdeutschland«) zuarbeitet und die Arbeit des Rates ermöglicht.
Als die Werwolfangriffe und die visionären Auseinandersetzungen im Rat zunehmen, tritt eine gustavloyale Delegation vor den Rat mit der Offerte, durch die vereinte Macht der etablierten und gezielt auf Werwolfabwehr trainierten Order die Domäne Ostberlin verteidigen zu können – unter der Voraussetzung, daß ihnen der Leib Gustav Breidensteins übergeben wird, damit er wiedererweckt werden kann.
Man diskutiert 3 Monate mit harten Bandagen, dann wird Krauss durch einen Werwolfangriff in seinem Ruheort vernichtet.
Man ist schockiert. Und lenkt ein. Akzeptiert das Hilfsangebot der Katarina Kornfeld. Gustav wird ausgeliefert, und durch einen Zauberritus des Frederick Werther wiedererweckt. Im Austausch dafür verpflichtet sich die Delegation zur Treue gegenüber Clan Brujah und zur Verteidigung der Stadt Ostberlin. Gustav wird außerdem gegen den Protest seiner Brut blutgebunden, um jeden Putschversuch von vorneherein im Keim zu ersticken.61
1950, ein halbes Jahr später, setzen die Brujah Gustav Breidenstein als logischer Befehlshaber der Anti-Werwolf-Truppen, der Order, Katarina Kornfelds und Albrecht von Magdeburgs als Fürsten in Ostberlin ein. Als dem Roten Rat Ostdeutschlands untertäniger und lehenstreuer Fürst! Durier nimmt den Wechsel auf Verfügung von Moskau unter scharfem Protest hin und verlässt Ostberlin Richtung Potsdam.62 63 64 65 66
Zur weiteren Kontrolle der Aktivitäten des Breidenstein und um dem Vorwurf zu begegnen, die Brujah würden keinen anderen Camarillaclan an der Macht teilhaben lassen, verfügt der Rote Rat die Gründung einer Art lokalen ”Unterkammer”, die man zunächst das ”Parlament” und dann, um seine (nichtvorhandene) Wichtigkeit zu heben, ”Rat der Erstgeborenen” nennt (ab 1961).
In diesem sitzen
Wolodja Kruzow (Brujah Ancilla), Ratsvorsitzender, Enkel von Christoph Durier.67
Simone Jaspard (Brujah Ancilla), Erschafferin von Friedrich Krauss
Thomas De Lutrius (Toreador Neonate)
Sergej Razhd (Nosferatu Neonate)
Frederick Werther (Tremere Neonate)68
Edward Hyde (Malkavianer Ahn)
wobei Kruzow und Jaspard zugleich Mitglied im Roten Rat sind.69
Breidensteins Usurpation Berlins

In den folgenden Jahren ziehen immer mehr der russischen Brujah zurück in ihre Heimat, dem sehr slawischen Instinkt folgend, der Heimaterde nicht auf ewig fernbleiben zu können. Außerdem sind überall in der Sowjetunion Konflikte entbrannt, und das Zentralkomitee sieht in der Lösung dieser Krisen eine bei weitem höhere Priorität als in der weiteren Präsenz im – zu jener Zeit dank Gustav absolut friedlichen – Osten Deutschlands.
1966 werden der Rat der Erstgeborenen und der Rote Rat zu einem neuen Rat der Erstgeborenen vereint. In diesem haben bei Streitfragen die Brujah je 3 Stimmen, und die Zuständigkeiten des Clanes erstrecken sich – zumindest theoretisch – auf ganz Deutschland.
Faktisch ist der Rat nur ein Befehlsempfänger Moskaus; lediglich in lokalen Angelegenheiten besitzt er ein gewisses Maß an Eigenständigkeit.70
Natürlich kann Gustav Breidenstein weder als Ventrue noch als »Anarche« auf Dauer ertragen, Befehle von einem anderen Clan zu erhalten. Schon gar nicht von Clan Brujah. So ist es nicht verwunderlich, daß er über Marionetten – die er im Bedarfsfall ohne mit der Wimper zu zucken als »Verräter« titulieren und opfern kann – Schritt für Schritt die Führungsspitze der Brujah ausmerzen lässt.
1968 verschwindet Simone Jaspard spurlos.
1970 Wolodja Kruzow.
Erst 1971 erfahren wir davon, daß beide vernichtet wurden. Simone diableriert von Wolf von der Nachten, Kruzow von einer Detonation in seiner Zuflucht zerfetzt. Initiator beider Morde: Der an Gustav Breidenstein blutgebundene Nosferatu-Primogen Sergej Razhd, der wenige Nächte nach der Enthüllung seiner Untaten von Durier und Vladov in der Nähe des "Le Sang" am Nollendorfplatz gestellt und zerstört wird.
Mit Sergejs Vernichtung ist zwar der Tod der beiden gerächt, dennoch zerfallen durch den Tod von Wolodja und Simone die Reste der alten Roten-Rose-Verbindungen zusehends. Danielle rekrutiert schamlos auf Anarchenseite verbliebene Kainiten für die Schwarze Rose und bezeichnet Sergej als Verräter und Nestbeschmutzer, der sich für die Macht prostituiert hat und zum »Hund Breidensteins« geworden ist. Diese Prostitution zur Macht überträgt Danielle kurzerhand von Sergej auf die gesamte Rote Rose, und da ihr niemand entgegentreten und widersprechen kann gelingt es ihr, auch einige der linientreuen Brujah auf die Seite der Schwarzen Rose zu ziehen, die in jenen Tagen in der westberliner Hausbesetzerszene ihre größten Erfolge feiert.
In Ostberlin hat Gustav durch die Zerschlagung der alten Rote-Rose-Kreise, durch Abreise der polnischen und Heimkehr der sowjetischen Brujah faktisch die Macht übernommen. Vom letzten im Ostberliner Erstgeborenenrat verbliebenen Brujah, Rutigar, heißt es schon bald, daß er an Gustav blutgebunden ist – was kaum einen Unt
rschied macht, stand er doch seit jeher den Positionen des Breidenstein sehr aufgeschlossen gegenüber.
Der Rest des Erstgeborenenrates in Ostberlin ist eine ebensolche Farce: Nur zwei Ahnen, Humboldt und Hyde, und ansonsten eine Bagage an Gustav blutgebundener Neonaten verschiedener Familien, die ein intaktes politisches Leben mit wenig Enthusiasmus und Überzeugungskraft vorgaukeln wollten.73 74 75

Zweites Kapitel: Vom Fall der Mauer zum modernen Berlin (1991-2000 n. Chr.)


Von Andrzej Czekan, z.T. nach Texten von Arnim von Grael
Mit dem Jahr 1988 enden die Aufzeichnungen meines Erschaffers Vlad von Stolzenfels. Für die Zeit bis Anfang 1995 mag aber auch ich als Augenzeuge der Ereignisse dienen.
Wie viele andere Brujah in den Achtziger Jahren hatte auch ich Polen verlassen, um außerhalb nach Unterstützung für meine Heimat zu suchen. Von 1984 bis 1995 verblieben ich und meine Brüder Ivan, Romero und Stanislaus de Warsawa in Berlin an der Seite unseres Erschaffers Vlad von Stolzenfels, der ebenso hierher gereist war, um am Hofe Waldburgs Kontakt zu den ehemaligen Alliierten des Großen Krieges aufzunehmen und dann – nach 1991 – das Schicksal der Stadt mitzugestalten.
1995 ging ich nach Amerika, unterdessen Vlad und meine Brüder in Westberlin blieben – zum Millenniumswechsel wollten wir uns in Berlin wiedersehen. Wie ich inzwischen weiß, sind sie alle tot, und mein Erschaffer ist spurlos verschwunden.
Ich habe Nachforschungen angestellt und mich dabei mit manchem alteingesessenen Kainiten unterhalten, und neben den entsetzlichen Dingen, die ich erfuhr, schreckt mich doch am allermeisten, daß trotzdem die Schurken und deren Handlanger doch zumeist inzwischen selbst vergangen sind, bezüglich mancher Vorfälle auch weiterhin eine Mauer des Schweigens herrscht.
Wie unser ganzer Clan, so wurde auch meine eigene Familie den Feinden ein leichtes Opfer, da sie innerlich zerspalten war. Zwischen Vlad und meinen Brüdern kam es bald nach dem Mauerfall zum Bruch. Ivan, seit jeher tief in das Geflecht des organisierten Verbrechens verwickelt, suchte sich den Umsturz durch Machtsammlung innerhalb der Russenmafia nutzbar zu machen, unterdessen Stanislaus nicht nur wie früher zur Tarnung, sondern mittlerweile auch im Herzen der Schwarzen Rose unter dem Namen "Ratspike" beigetreten und damit für uns verloren war.
Da ich ab 1995 an der amerikanischen Westküste wohne und wirke, stehen mir für die folgenden Jahre - bis 1999 - kaum gesicherten Informationen zu Verfügung.
Ich werde mich aber bemühen, anhand von Allgemeinwissen, mir mündlich zugetragenen Dingen und auch anhand einzelner Textauszüge aus der Hevellerchronik des Arnim von Grael die fehlenden Ereignisse zu ergänzen, soweit dies aufgrund der Umstände möglich ist.
Da mein Erschaffer Vlad von Stolzenfels noch bis nach 1996 hinein in Berlin wirkte und lebte, hoffe ich, sobald und sofern ich ihn wiedersehe die hier lediglich skizzierten Fragmente ergänzen und verifizieren zu können.
Der Mauerfall

1991 fällt die Mauer. Diesem historischen Ereignis vorangegangen war eine totale Nachrichtensperre von Moskau, gefolgt von einem panischen Ruf des sowjetischen Brujah-Zentralkomitees nach Hilfe. Ob freiwillig oder oft verstärkt durch die Macht der Präsenz, alte Bünde oder die Mächte des Blutes zwischen Erschaffer und Kind reisten zahllose Brujah nach Moskau, und mit ihnen viele Kainiten auch anderer Familien, sogar Ahnen.
Von keinem einzigen von ihnen hat man je wieder gehört.
Heute wissen wir, daß es das Wiedererwachen einer machtvollen Nosferatu-Methusalah, Baba Yaga, war, was die Herrschaft unseres - und jedes anderen - Clanes auf Russland praktisch auf einen Schlag beendete, und noch heute sind die genauen Ereignisse und Entwicklungen ebenso wie die aktuelle Situation in den ehemaligen Sowjetrepubliken völlig unklar - jedenfalls mir.
Wichtig indes für unseren Clan in Preußen war, daß mit dem Ende des Zentralkomitees Gustav nicht länger den Schein der Untergebenheit wahren mußte, sondern wieder frei und offen nach eigenem Gutdünken als Fürst Ostberlins agieren konnte.
Dies bedeutete für den Westteil der Stadt eine weit größere Bedrohung, als man sich vorstellen möchte: Im Schutz der Mauer und jenseits der Intrigen der Westdomänen hatte Westberlin eine Magnetwirkung auf sagen wir "ungewöhnliche" Kainiten aus allen Teilen Europas und allen Clanen gehabt. Kreuzberg gehörte faktisch der Schwarzen Rose, mit Danielle als Fürstin des Bezirks und der Schwarzen Rose als blind ergebene Häscher. Der von meinem Erschaffer so hingebungsvoll gehasste Dieter Kotlar saß im Rat der Erstgeborenen. Ellison Humboldt - der Nosferatu-Erstgeborene - wie man nach dem Fall der Mauer erfuhr in beiden Primogenen, West und Ost.
Nächtens machten Banden marodierender Vampire die Straßen Westberlins unsicher. Neben dem als harmlos geltenden "Zwangsjackentanzclub", der in besagten Jacken durch die nördlichen Bezirke tobte, gab es auch den "Jagdclub", eine Gruppe mit wechselnder Besetzung, deren einziges Ziel die Jagd auf Kainiten mit folgender Diablerie war. Im Laufe der Jahre kam noch manche Splittergruppe und Anarchengang hinzu. Einige - wie die Generation Z, The Edge, die Nachfolgegruppe des Vierten Reiches "Das Schwarze Netz" oder Kains Rache blieben dank schriftlicher Pamphlete und ihren (Un-)taten den Kainiten gut im Gedächtnis. Andere - wie der Midnight Circle, die Schattengeneration oder die Schrecklichen - vergingen in kurzer Zeit und fielen der Vergessenheit anheim (wenngleich es mich schon wundert, wie man den Midnight Circle so vergessen konnte...).
Westberlin war instabil. Regiert von einem Fürsten, der Diener zu vieler Herren war, um einen klaren Kurs fahren zu können, aber sehr darum bemüht, den äußeren Schein der Respektabilität zu wahren - gerade jetzt, wo die Aufmerksamkeit der Kamarilla wieder voll auf die frischgeborene Bundeshauptstadt gerichtet war.
Eine Aufmerksamkeit, von der Gustav, dessen Stadthälfte der Inbegriff tyrannischer Ruhe und Stabilität war, regiert von ihm und seinem bluthörigen Primogen mit eiserner Faust, nur profitieren konnte.
Zu Recht fürchtete die Kamarilla, daß nun, mit dem Fall der Mauer, Sire und Childe ihren erbitterten Streit weiterführen würden, und das in dem Feuer auch Berlin verbrennen könnte.
Hilfe erhoffte man sich darum vom Fürsten zu Potsdam, in jenen Tagen schlicht "Stephan" genannt und deutschlandweit ein recht unbeschriebenes Blatt, dessen Rat aber wohl von Waldburg wie Breidenstein hoch geachtet wurde. Ich entsinne mich noch genau, was damals das einzige war, was über ihn bekannt war: daß er ein sehr alter Ahn aus germanischer Zeit sei, der zu Beginn des Dritten Reiches wiedererwacht war. daß er abgeschieden in Potsdam lebe, umgeben von seinem eigenen Hofstaat und beraten von seinem Magus, Canissim Enkiem, umgarnt von seiner Geliebten, der schönen Fatima, besänftigt durch die liebenswerte Sophia von Habsburg, fürwahr das reizendste Geschöpf, das Clan Ventrue je hervorgebracht hat, und aufgestachelt durch sein Kind Wilhelm von Stornbeck, den er in den Krieg hinein erschuf und der bis über beide Ohren in Nazi-Geschäfte verwickelt war und ebenfalls mit dem Thron Berlins liebäugelte.
Auch erzählte man sich, in Potsdam träfe sich ein Zirkel der verschiedensten Kainiten, um über die Zukunft der Nachbardomäne Berlin zu befinden. Aber hierüber mag man besser Christoph Durier befragen, der Mitglied in jenem rätselhaften "Potsdamer Zirkel" war. Und wie einige mutmaßen: Immer noch ist.
Die Spannung steigt

Bis zum "Schwarzen Krieg" nimmt die Bevölkerung im Westteil der Stadt ständig zu. Waldburg lockt gezielt junge Kainiten nach Westberlin, um bei einer Konfrontation mehr Volk hinter sich zu haben - und andererseits sind auch alle in den Zweiten Weltkrieg involvierten und viele neue Fraktionen daran interessiert, im Kampf um Berlin "mitzumischen". Schicken Emissäre. Beobachter. Sogar Archonten.
Schon in den frühen Neunzigern gehen Gerüchte um, daß sich ein Justikar sehr für Berlin zu interessieren beginnt - später wird dieses Interesse des Tremere-Justikars Karl Schreckt ganz offensichtlich.
Im Osten hingegen: Stille und Leere. Außer Gustav und seiner Brut, dem Primogen und vielleicht 5-6 weiteren Kainiten ist und bleibt die Osthälfte bis zur Vereinigung der Domänen 1996 leer - das Loch, das die abgereisten Brujah hinterlassen haben, wird nicht gefüllt.
Zu den wenigen Einwohnern Ostberlins zähle ich, aber ich halte mich wohlweißlich bedeckt. Nur keine Aufmerksamkeit erregen. Ich rede mit dem '88 erschaffenen Stephan Rutigar, der manchmal in Ostberlin umherirrt, suche nach in Starre ruhenden Leibern von Clansbrüdern. Versuche zu ergründen, was mit den Brujah, die Gustav hätten kontrollieren sollen, passiert ist. Fahre auch durch die ostdeutschen Gebiete auf der Suche nach Überbleibseln unserer Herrschaft. Konferiere fast wöchentlich mit Damien Vladov und seinem Primogen der Schatten.
Wir Brujah sind uneins, wie wir vorgehen wollen. Uns allen ist klar, daß wir uns den dezenten Hinweis darauf, daß Gustav uns zur Lehenstreue verpflichtet ist, in die Haare schmieren können. Rutigars Präsenz auf unseren Treffen und seine Parteinahme für Waldburg, dem er jedes Wort glaubt, widert uns an – und wie Christoph Durier mich aufklären soll, ist dies mehr als ein Zufall:
"Ja, Breidenstein war nicht der einzige Ventrue, der unseren Clan mit den Fesseln des Blutes unterjochte. Auch der vorgeblich so freigeistige Waldburg war einem kleinen Blutbund hie und da nicht abgeneigt, wie er an Stephan Rutigar demonstrierte.
Dennoch – oder gerade wegen jenes Blutes ? - träumte Rutigar von einem blutigen Sieg der Brujah über die ganze Welt unter einem mächtigen Anführer – aber vielleicht tat er dies nur, um Erika zu imponieren, die er liebte wie der arme Irre, der er war – oder zu dem man ihn machte."
Und Marx Corvus bemerkt, durchaus nicht dumm: ”Breidenstein unterjochte die Brujahs mit seinem Blute? Unterjochten die Brujahs nicht auch Breidenstein mit ihrem Blut? Auge um Auge, Zahn um Zahn! Rache ist am süßesten wenn das Blut noch heiß ist...”
Stolzenfels und ich würden am Liebsten Antoinette auf den Thron bringen. Durier hält sich bedeckt und deutet an, daß ”gewisse wichtige Leute” niemals eine Toreador auf dem Thron dulden würden. Die Kanadierin Snakebite lässt ihrem Franzosenhass freien Lauf und echauffiert sich über alle Kainiten mit französischem Namen – und wettert gegen Kotlar, als dieser versucht sie auf seine Seite zu ziehen. Kotlars Schatten Geiger becirct viele jüngere Brujah und stärkt so die Fraktion, die die Vision Kotlars von einer neuen Ära teilen, in der alle Fürsten fallen und ein neuer Führer das Vierte Reich ausrufen wird. Linda, Ratspike und die anderen Brujah der Schwarzen Rose wollen am liebsten auf das Vierte Reich losgehen, doch Durier und Stolzenfels dulden das beim Brujah-Treffen nicht. Ivan hat seine eigenen Pläne. Romero auch.
So herrscht Ringen um Berlin.
Ich möchte die Geschichtsschreibung Herrn von Graels bemühen, zu der ich meine Anmerkungen beistellen werde.
”1992 erwacht ein machtvoller Vampir aus dem Torpor in der Nähe von Glindow, wird aber auf Geheiß Stephans, der eine Gefährdung der Maskerade oder eine Verbündung dieses Vampirs mit einem der Fürsten befürchtet, zurück in den Topor geschickt. Er ruht jetzt in den Tiefen des Kellers von Sanssouci. Alle Kainiten, die sein Erwachen erlebten, wurden mittlerweile beseitigt, Stephan darselbst liegt in Starre, so daß alleine eine Angst zurückbleibt, was passieren könnte, wenn der Schläfer dereinst erwacht.”
Das ist so nicht ganz richtig. Snakebite – eine in die Ereignisse direkt involvierte Clansschwester, habe ich noch 1999 in Boston getroffen. Und Oliver von Steinau, ihr ”Ventrue-Kumpel” und Kind des Wilhelm von Stornbeck, hat sich zwar aus Berlin zurückgezogen, hat aber weiterhin sporadischen Briefkontakt zu Snakebite (die offizielle Version in Berlin ist, er sei von Werwölfen (oder waren es Sabbatianer?) am Falkenseer Platz in Spandau zerrissen worden).
Soweit mir Snakebite erzählt hat, war dieser ”machtvolle Vampir” ein Tzimisce, dessen Sire um 1500 zum Sabbat übergelaufen war und seinen ”Geliebten” (namentlichen Vampir, Laudrance mit Namen) mitnehmen wollte – notfalls mit Gewalt. Auf dessen Weigerung hin wurde er von seinem Erschaffer, der ein sehr mächtiger Hexer gewesen sein muß, mit einem Fluch belegt, daß wo immer er hinginge er nur Leid und Unglück bringen würde und so nun sehe, was er von seiner vielgepriesenen ”Menschlichkeit” habe. Tatsächlich war es so, daß mit dem langsamen Erwachen jenes Vampirs die Gewalttaten in Berlin in die Höhe schnellten, und hierbei besonders jene Fälle grausamer Familienmorde, die immer wieder in Schüben die Geschichte aller Städte zeichnen.
”1994 eröffnet Vladimir - sich als Nosferatu-Elder und einstigen Knappen des Königs Barbarossa ausgebend und geschützt durch seine gewaltigen Obfuscate-Kräfte - allen Vampiren der Stadt seine Präsenz in Berlin...”
Es sollte erwähnt sein, daß Vladimir vorher schon am Potsdamer Hof ein und aus ging, wo auch ich ihn bei einer Einladung der Fatima 1989 traf. Ein seltsamer Mann.
”[...] Im folgenden Monat besucht der Elder der Ventrue Nep-Che-Peru-Ra mit seinem Childe Laudine Berlin [...].”
Nep-Che-Peru-Ra ist der Thronname von Ramses II. ist. Just so you know. Da ich nicht glaube, daß ein ägyptischer Pharao mal eben mit seinem Kind in Berlin vorbeigekommen ist, und die Zaren eigentlich nicht den Namen berühmter Herrscher anlegen, nehme ich an, daß dies wohl eher ein Malkavianer gewesen sein dürfte. Wer weiß – vielleicht Arkadan. Die beiden schienen einander ähnlich zu sein.
< Christoph Durier: “Tatsächlich werden Nep-Che-Peru-Ra und Laudine von einer großen Anzahl Kindred angegriffen. Jeder, der an diesem Anschlag beteiligt war, starb in den nächsten Monaten aus den seltsamsten Gründen.”>
Der Ausrottungsfeldzug gegen die Brujah

”Neben der Schließung des Arcanoas häufen sich im Juni und Juli (1994) diverse Anschläge gegen den Clan der Toreador, von Bombenanschlägen auf Ausstellungen bis hin zu Mord. Die Toreador reagieren sehr aufgebracht, und die Intervention von Paris hängt gleich Damokles' Schwert über der Stadt”
Ich werde auf diese Überfallserie, bei der viele Toreador zu Tode kommen, später noch eingehen. Vorgreifend sei aber bereits angemerkt, daß diese Angriffe auf die Toreador dazu führten, daß viele des Clanes der Rose Berlin verließen aus nackter Angst ums Überleben und die Toreador ihre Pläne, den Thron zu übernehmen, aufzugeben gezwungen waren.
”Hierin mochten manche vielleicht eine (schwache) Entschuldigung für Wilhelm Waldburgs Verhalten sehen, aber mit der Nachsicht der Kamarilla für die an Absurdität grenzende Regierung Waldburgs ist es im August vorbei: Detonationen zerstören ein Gebäude der FU und eine Villa in Dahlem vollständig. Nahezu in Panik wird nach den Schuldigen gesucht, die endlich im September auf Befehl Waldburgs gefaßt und vernichtet werden.”
Jetzt Achtung: ”Doch nach dieser Hexenjagd bleiben Zweifel, ob die Verurteilten wirklich die Urheber des Terroranschlages waren. Zu schnell, zu glatt und hinter verschlossenen Türen fanden Gericht und Exekution statt, und zu häufig schon waren es plötzlich 'Baali' oder 'Sabbat-Kainiten', die sich hinter ehrenhaften Kamarilla-Kainiten verbargen. Eine Ahnung streift die Stadt, wie tief das Intrigenwerk der Fürsten reicht, wie schmutzig der Krieg um den Thron wahrhaftig geführt wird.”
Interessanter Kommentar für einen Zaren – und eine späte Bestätigung der Verdachtsmomente, die wir Brujah 1994 hatten.
Was Clan Brujah seit 1991 bis einschließlich 1995 in Berlin erdulden mußte, war nichts anderes als ein Ausrottungsfeldzug, sowohl physisch als auch politisch, der abwechselnd von den Ventrue und von den Tremere gegen uns geführt wurde – mit dem Ziel, eine geeint durch diese beiden Familien regierte Domäne Berlin zu erzielen – was ihnen ja mittlerweile, 2000, auch vortrefflich gelungen ist.
Man sagt, man soll alte Geschichten ruhen lassen – ich hingegen kann es vor meiner Ehre und auch vor dem Andenken an unsere Clanbrüder nicht hinnehmen, im Laufe jener Jahre nicht weniger als zwanzig Brujah unter verschiedenen gefälschten Anklagen oder ungewöhnlichen Zusammenhängen sterben zu sehen – darunter auch 4 Ahnen unserer Familie!!!
Leicht ist vorstellbar, wie die politische Landschaft in Berlin heute aussehen würde, würden diese unsere Brüder und Schwestern noch leben. Berlin wäre unser! Und mehr noch: Hannover hätte nicht von den Ventrue geraubt werden können. Bremen wäre heute nicht Goldsteins Hand.
Marx Corvus spricht zwar: ”Gedenkt der Toten. Niemand hat es verdient zu sterben, gleich wie grausam seine Taten waren. Wer gibt uns das Recht über Leben und Tod zu entscheiden?” – ich aber sage nur: Es gibt solche, die verdienen nichts anderes als den Tod. Bestimmte Dinge lassen sich nicht mit Handzetteln und passivem Widerstand ändern – tatsächlich gibt es für unsere Art, die Wampire, nicht viel, was wir ohne Gewalt verändern könnten.
Die Abkehr von physischer Gewalt ist sicher modern. Aber nicht vergessen sollten wir, daß die geistige Versklavung durch die Disziplinen der Patrizier, Hexer und Schlangen eben jene Kräfte sind, mit denen sich gewaltlos Gewalt ausüben lässt. Und indem wir auf unsere Kräfte verzichten, indem wir der Narretei anheimfallen, unsere Schlachten nur noch auf einem Feld zu führen, auf dem andere uns überlegen sind, öffnen wir uns unserem eigenen Untergang.
Seid gewarnt, und achtet es gut, denn dies ist die List der Patrizier: Die alten Gedankenmodelle des aufrechten Kampfes, der Geradlinigkeit, der Ehre, sie sind von der modernen Gesellschaft, die sie geschaffen haben, verdorben und beseitigt worden. Unter dem Deckmantel des hohen moralischen Anspruchs des ”Friedens”.
Aber was hat die Verpönung der Ritterlichkeit denn gebracht? Was hat es gebracht, die Gewalt zu tabuisieren, statt sie – wie den Tod - als Teil allen Seins wahrzunehmen, sich mit ihr zu beschäftigen und Regeln für sie aufzustellen?
Doch nur die Moral, daß es legitim ist, zu lügen. Zu betrügen. Doch nur, daß sich ein jeder selbst der nächste ist und es keinen Gott und keine andere höhere Instanz gibt, nach der man sich zu richten hat. Doch nur, daß es keine Ehre braucht, solange der Krieg nur aus dem Drücken von ein paar Knöpfen besteht.
Und mit der Schaffung dieses Denkens, dieser Werte haben sie ihre Disziplinern der geistigen Versklavung gesellschaftsfähig gemacht – alle Politik ist korrupt, und die Menschen lernen es früh, dies zu akzeptieren – unterdessen sie alle Disziplinen des Kampfes – und alle Familien, die jene Macht zum Angriff besitzen – zu Barbaren degradiert und verpönt haben.
Und dies ist ihr Sieg: daß es heute sogar Brujah gibt, die ihre Lügen wiederkäuen und die schwärende Korruptheit der gewaltfreien Elysien dem offenen Wort und dem gerechten Zorne vorziehen, die sich von den schon zu sterblichen Zeiten durch Eltern und Schule genährten Mechanismen unterwerfen und die Tyrannen als Kulturträger feiern, unterdessen sie die Aufrichtigkeit ihrer Clansbrüder verteufeln.
Aber zurück zu der Ausrottung der Brujah in Berlin, und von Anfang an: Noch bis ins Frühjahr 1994 hinein haben wir Brujah den festen Plan, Christoph Durier auf den geeinten Berliner Thron zu bringen. Durier – der nur sehr selten an Rants persönlich teilnimmt, sondern meist einen Sprecher schickt oder uns Briefe zusendet – ist aber durch seine Erfahrungen skeptisch was den Erfolg dieser Unternehmung angeht. Stattdessen rät er an, gemeinsam mit den Brujah-Anarchen der Stadt lediglich zu verhindern, daß der Thron des geeinten Berlin an einen Ventrue oder Tremere fällt – was dann indirekt den Thronkandidaten der Toreador, Lessing, zum Fürsten der Stadt machen würde.
Unserem Streben entgegen stehen neben den Ventrue und den Tremere vor allem die Nosferati – genauer: Die Nosferati um Ellison Humboldt und Vladimir – die so ganz entgegen der Art des Clanes keinesfalls neutral bleiben wollen, sondern die in den Jahren der Mauer gesammelten Gefallen auf beiden Seiten dazu verwenden möchten, eine Fürsten-Puppe auf den Thron zu setzen, die den Nosferati völlig hörig sein soll.
Mitte 1994 reist Lessing überraschend ab. Ob dies in Zusammenhang mit den Übergriffen auf die Treffen der Toreador zusammenhängt (die man natürlich uns anlastet) bleibt offen, aber mit seiner Abreise bekunden die Toreador gleichsam, daß sie von dem Vorhaben Abstand genommen haben, einen Toreador-Fürsten an die Macht bringen zu wollen.
Unsere Strategie gerät ins Wanken. Für einige wenige Monate klammern wir uns erneut und wider besseren Wissens an die Hoffnung, Breidenstein könne doch noch an den Clan blutgebunden sein und wir könnten von seiner Herrschaft profitieren (tatsächlich ist es immer wieder er, der uns in jenen Jahren in Schutz nimmt). Pläne, von denen der Westprimogenus Kotlar und die Danielle Diron hörigen Brujah der Schwarzen Rose nichts wissen wollen.
Zu jener Zeit tut sich ein Ahn unserer Familie namens Rafferty, Kind des Guy Devereux, als leitende Stimme unter den Brujah hervor. Gemeinsam mit seinem Kind und seiner Geliebten Nathalie Goldmann vermag er die verschiedenen Fraktionen der Brujah zumindest soweit zu einen, daß diese dem Angriff der anderen Clans nicht völlig hilflos entgegenstehen.
Die Spannung in der Stadt nimmt zu – und gipfelt vorläufig in zwei Detonationen im Umfeld der Freien Universität in Dahlem und dem Überfall auf die Villa eines Toreador namens Chance. Obgleich beide Vorfälle sehr schnell uns in die Schuhe geschoben werden, sind die Aggressoren gerade im Fall des Villa-Überfalls doch deutlich die Ventrue, die bei jenem Übergriff versuchen, ihr abtrünniges Mitglied Lucretia (Anarche der Schwarzen Rose) zu vernichten. Diese kann jedoch fliehen.
Die Offenheit dieser Gewalt schockiert die Ahnen – einige sicherlich aufrichtig, andere nur zum Schein. Es wird sehr schnell klar, daß die Ahnen einen weiteren Ausbruch dieser Art nicht dulden werden. Unser Ahn Rafferty bemüht sich, den gerechten Zorn der Brujah Westberlins zu beschwichtigen. Und wieder hört man auf ihn.
Wohl erkennen unsere Feinde jetzt, welche Gefahr für ihre Pläne von Rafferty ausgeht. Dann verschwindet Raffertys Geliebte Nathalie spurlos. Rafferty verliert – wie von unseren Gegnern gehofft – alle Selbstbeherrschung. Schreit nach Rache und Gewalt. Und bekommt die Information zugespielt, daß Nathalie von dem Ventrue Void entführt wurde.
Zu Void muß man wissen, daß dieser zwar später als Lasombra des Sabbat enttarnt wird, daß er aber 1994 als Ventrue auftrat und nach den Erkenntnissen von Durier und Rafferty sich bei Wilhelm Waldburg auch als Lasombra (wenn auch der Kamarilla) vorgestellt hatte.
Diese Konstellation im Kopf, ist es nicht damit getan, Voids Taten, die immer gegen Clan Brujah gerichtet waren, als Vorstöße des Sabbat abzutun. Vielmehr scheint sich mir hier die Situation darzustellen, daß Void in den Diensten von Waldburg stand – der ihn zwar für einen Lasombra antitribu gehalten haben mag, der sich aber das Stillschweigen über Voids wahre Clanzugehörigkeit mit Sicherheit durch ”Gefallen” hat bezahlen lassen – und zu diesen zählt meiner Meinung nach auch die Entführung Nathalies.
Die Brujah reagieren genauso kopflos und offen, wie die Ventrue es sich ausgerechnet haben, und laufen damit voll in die Falle: Die Brujah stürmen zusammen mit Ghulen und Verbündeten den Haven des Void und legen ihn in Schutt und Asche. Weder Void noch Nathalie werden gefunden – Void hatte voll mit dieser Reaktion der Brujah gerechnet.
Void bringt die Sache vor die Ahnen und beschuldigt den Sabbat (!) für die Übergriffe auf seinen Haven und auch die anderen Gewalttaten verantwortlich zu sein. Er, ein Priester des Sabbat, bringt die Theorie auf, daß der Sabbat der wahrhaft Schuldige an den Ereignissen der letzten Zeit ist – und liefert damit allen Parteien die ganz bequeme Lösung, Schuldige – oder Verdächtige – oder Unliebsame, denen man die Sache anhexen möchte – einfach als Sabbatianer zu ”enttarnen”.
Die Reaktion kommt schnell und hart. Die Gruppierung des ”Midnight Circle” wird kurzerhand zur Splittergruppe des Sabbat und zum Urheber der Vorfälle deklariert. Deren Anführer – Sergej Atan, Brujah – wird nicht nur als Sabbat-Anführer abgestempelt, sondern von den Tremere durch einen post mortem durchgeführten Bluttest darüber hinaus auch noch zum Baali deklariert. Einmal so ”enttarnt”, wird ”Smiling Satan”, wie er uns auch bekannt war, ein Rattenschwanz unaufgeklärter Morde aus den vergangenen 2 Jahren angehängt, die damit zum Wohlgefallen aller aufgeklärt werden – inklusive aller Toreador-Morde!
Unser Clanbruder Romero, mein Bruder, Kind von Vlad von Stolzenfels, wird als Brujah antitribu ”enttarnt”, gepfählt und zurück nach Mailand überstellt – in den Wirkungsbereich eines Ventrue-Fürsten, der ihn hasst und der seit Jahren begierig darauf ist, Rache zu nehmen.
Mein zweiter Bruder, Ivan Dmitri Fjedorov, wird ebenfalls blutgejagt und stirbt kurz nachdem ich Berlin Richtung USA verlasse im Frühjahr 1995. Von seinem Tod erfahre ich erst bei meiner Rückkehr 1999.
Seine Freunde Ishiro Yamamoto und Rat – beide Brujah – werden zusammen mit ihm gejagt, ihnen wird aber Begnadigung in Aussicht gestellt für den Fall, daß sie sich darauf berufen, von ihrem infernalischen Anführer und Brujah-Ahnen Ivan verführt worden zu sein, in der Annahme, damit dem Willen der Ahnen zu gehorchen.
Natürlich nehmen beide diese geheuchelte Begnadigung an und tragen damit ihren Teil zur Dämonisierung und Verunglimpfung der Brujah – und hier besonders der Familie von Stolzenfels – bei. Wen wundert es – beide stehen der Schwarzen Rose nahe; Rat wird später sogar in absentia von Diron und Alexej Anführer der Rose werden.
Ein besonders paradoxes Detail jener Massenverurteilung: Auch der Toreador Chance wird als Sabbatianer ”enttarnt”, stirbt aber ”bei der Festnahme”. Demzufolge hätte also der Sabbat sich selbst angegriffen, als er die Villa von Chance attackierte.
Das Stigma indes ist uns nun als Clan aufgedrückt: Wir Brujah sind Sabbatianer und Baali, die lediglich noch nicht enttarnt wurden. Wieviele, munkelt man, gehören noch zum Midnight Circle, von denen man noch nichts weiß?
Politisch sind wir so gut wie tot – lediglich Durier kann seinen Ruf erhalten, indem er die Blutjagd auf den Midnight Circle und die anderen ”Erkenntnissen” der Ahnen unterstützt. In der Folgezeit zieht sich Durier noch weiter zurück, wird für Monate von niemandem mehr gesehen.
Besonders fatal für uns: Mit der Schuldsprechung von 5 Brujah sind wir, Clan Brujah, offiziell diejenigen, die Schuld sind am Tod der Toreador, die in den vergangenen Monaten in Berlin ihr Leben ließen: Christian Rose, Jenny Martens, Genoveva von Waldeck, Akim Chalet, Rukh Al Chatreng Ibn Yomar und Michael M. Maiden.
Damit ist unsere Verbindung zu den Toreador zerstört. Selbst die Ahnen, die durch das Netz der Lüge blicken, können uns nur bedauernd mitteilen, daß nach diesen Ereignissen eine wie auch immer geartete Assoziierung mit Clan Brujah gesellschaftlich und politisch nicht zu verantworten ist.
Unsere letzte Hoffnung: daß der noch immer respektierte Rafferty seinen Schmerz über das Verschwinden Nathalies verwinden wird und die Brujah auf dem gesellschaftlichen Parkett verteidigt, gemeinsam mit Vlad von Stolzenfels, der sich angesichts dieses Fiaskos nun offener in der Politik betätigen will.
Am 17. September 1994 löst sich auch diese glimmende Hoffnung in nichts auf. Vlad von Stolzenfels lädt in seinen Haven ein, um die respektable Seite der Brujah zu präsentieren. Ebenfalls anwesend: Rafferty.
Dann kommt Void hinzu, und in seiner Begleitung ist eine völlig veränderte Nathalie. Rafferty durchschaut sofort, daß Nathalie nicht mehr sie selbst ist – ob durch ein Double ersetzt, dominiert oder blutgebunden – es spielt keine Rolle. Er will ihr aus dem Weg gehen, ringt um Beherrschung – sie aber setzt ihm nach – und lockt ihn auf den Balkon der Villa.
Dort kommt es zur Konfrontation – und aus irgend einem Grund verliert Rafferty die Kontrolle, reißt unter Tränen Nathalie den Kopf von den Schultern und stürzt in den Empfangsraum, wo er sofort und ohne Vorwarnung von Void und anderen Gästen mit Automatikfeuer eingedeckt wird, ehe er in Starre zusammenbricht.
Vlad von Stolzenfels bleibt aufgrund der sich bietenden Situation – wieder griff ein Brujah einen ”Ventrue” an – nur eine Wahl und richtet Rafferty auf seinem Grund und Boden, indem er ihm den Kopf abtrennt. Zur Freude der vor Selbstzufriedenheit triefenden Ventrue, allen voran Void.
Sekunden später explodiert der Balkon, vernichtet alle Reste von Nathalies Leiche. Offiziell heißt es, es sei eine Granatenexplosion gewesen, aber wer wirft Granaten auf einen leeren Balkon? Meiner Ansicht nach war der Balkon mit Sprengstoff präpariert gewesen, und Nathalie hätte Rafferty so lange draußen festhalten sollen, bis die Explosion beide vernichtet.
Der Misserfolg dieses Planes spielt aber keine Rolle – wieder haben unsere Feinde bekommen was sie wollten, und wieder mußte einer unserer Ahnen um die Rettung seines Ansehens und des Ansehens des Clanes willen gegen sein Blut handeln.
Und dies erzürnt und entzweit unseren Clan weiter, bis er aufhört zu existieren. Alleine und isoliert verschwinden viele von uns spurlos, darunter Rat, Scharong, Ganjar, Dante.
Clan Brujah ist tot. Und mit ihm jede Hoffnung auf den Thron.
Die Ventrue und Tremere haben gesiegt.
Vlad schickt mich fort, in die USA, um dort, unter den emigrierten Brujah solche zu suchen, die willens sind, nach Berlin zu kommen und den Clan neu zu beleben. 14 Tage nach dem Silvesterfest reise ich ab. Treffe mich am Flughafen Tegel im Geheimen mit meinem blutgejagten Bruder Ivan. Wir versprechen uns, es ihnen zu zeigen. Uns zum Millenniumswechsel in Berlin wiederzusehen.
Keinen Monat später ist er tot.
Das Triumvirat

Der Jahreswechsel 1994/1995 hält zwei gute Nachrichten für uns bereit: Zum einen kommen wenigstens einige wenige neue Brujah in die Stadt – darunter Vergil – zum anderen wird Void als Sabbatianer enttarnt und von der Schwarzen Rose zerstört.
Ich zitiere wieder aus der Hevellerchronik: ”Das neue Jahr 1995 bringt eine wahre Flut von Ansprachen der Elder. Wilde Gerüchte machen die Runde, daß noch in diesem Jahr eine Conclave über Wohl und Weh der Stadt entscheiden soll. Die Ventrue ihrerseits versuchen nunmehr um jeden Preis, Ruhe in die Stadt zu bringen. Andere Fraktionen versuchen dies zu sabotieren, allen voran die vermehrt aus westlichen Gebieten - auch den USA - angereisten Brujah, die bestrebt sind, alte Pfründe innerhalb der Stadt wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen. Als Reaktion auf Terror der Brujah erlassen die Ventrue einen Stapel von "Blutgesetzen", welche die Verfügbarkeit von Blut durch Einschränkung der Jagdrechte stark vermindern.”
Woher von Grael diese Informationen hat, weiß ich nicht. unsere Familie jedenfalls befindet sich im Frühjahr 1995 in keinerlei Position, etwas zu bewegen oder ”mit Terror” (natürlich) irgendwelche ”Pfründe” zu erobern.
Um Vergil bildet sich eine Gruppe von Brujah, die bestrebt sind, den Clan wieder aufleben zu lassen. Mein Erschaffer steht isoliert da, da unsere Familie ihm die Hinrichtung von Rafferty anlastet und seinen Worten, daß ihm keine andere Wahl blieb, keinen Glauben schenkt. Die mir wohlbekannte Schwermut legt sich über Vlad von Stolzenfels, und sein Geist füllt sich mit düsteren Gedanken und einer zynischen Weise, die ihm schon immer ein schlechter Ratgeber war. Ich erhalte sporadisch Briefe von ihm – mit keinem Wort erwähnt er Ivans Tod – und lese es aus seinen Zeilen. Der alte Czekan kommt ihm wieder durch.
Im Frühjahr 1995 lädt einer der neu zugereisten Brujah – Gonzales – in seinen Haven ein. Das leider sehr passende Motto: ”Endzeit”. Von diesem Motto angezogen fühlten sich offenbar nicht nur diverse Kainiten, darunter vor allem Brujah, sondern auch ein Werwolf und ein Kainit namens Barracuda, der wohl den Tremere zuzurechnen ist. Natürlich kommt es zum Kampf mit dem Werwolf – ein ungewöhnlich mächtiges Exemplar, das erst gute 2 Jahre später von Christoph Durier persönlich bezwungen werden muß – was Gonzales neben der Einrichtung auch einen Arm kostet.
Fürst Wilhelm Waldburg entsendet Ghule zur Aufklärung des Herganges, die dann, als sie wegen der Vorfälle jenen Barracuda inhaftieren wollen, von diesem vernichtet werden. Im daraus entstehenden Kampf enthauptet Gonzales Barracuda, und dies wiederum scheint der Auslöser für einen Zauber zu sein, der auf Barracudas Leib liegt und in dessen entsetzlicher Folge umstehende Kainiten und Menschen noch Häuser weiter altern – ein ungeheurer Bruch der Masquerade, der noch für Monate die Kainiten beschäftigt und in den Folgemonaten zu mehreren Übergriffen durch Vampirjäger führt.
Der ob des Vorfalls anreisende Waldburg verurteilt im Schnellverfahren gleich eine ganze Gruppe von Brujah, denen er kollektiv die Schuld an den gesamten Vorgängen anlastet. Anknüpfend an die Vorfälle des letzten Herbstes sucht der Fürst Westberlins den Clan endgültig zum Schuldigen abzustempeln und ihn ein für allemal aus der Stadt zu treiben.
Vergil, Gonzales, Ratspike und die anderen sehen sich mit dem Rücken zur Wand: Und greifen an. Fordern den Fürsten auf, sich für diese Verleumdungen zu entschuldigen, gar das Blut der Brujah zu trinken, andernfalls sie Berlin in Schutt und Asche legen wollen.
Was Wasser auf die Mühlen unserer Feinde und der mittlerweile in Berlin operierenden Archonten des Karl Schreckt ist.
Im Mai erreicht mich ein Umschlag von meinem Erschaffer, der neben dunklen Worten und der Beschreibung des Geschehenen ein Bündel offener Briefe, Abschriften von Ansprachen, einige Tonbänder und dergleichen mehr enthält.
Hier ein Zitat aus Gonzales’ Rundschreiben ”Kindred, Brujah und Floristen”: ”Ich habe mich bis gestern [dem Tag der Fete] ohne weiteres der Kamarilla verschrieben und folgte ihr, ohne zu fragen ‘ob’ und ‘warum’. Doch wenn ich mir Repräsentanten wie Fürst Wilhelm ansehen muß, dann bekomme ich doch arge Zweifel an unseren ‘führenden Köpfen’. Ich erlaube mir zu sagen, daß das Standgericht, welches in meinem Haven gehalten wurde, an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten ist. (...) An dieser Stelle kann ich mich nur dem Brief von Vortex [Anarche der Schwarzen Rose] anschließen: Irgendetwas läuft falsch bei uns. Entwaffnet uns ruhig, euch kann man eure Waffen ja eh nicht abnehmen – es sei denn, man schneidet die gespaltene Zunge aus dem Untier. Und, mein Fürst, always remember: ‘Respect is to be respected’.”
Erneut stellt sich mein Erschaffer Vlad von Stolzenfels nicht hinter seinen Clan, sondern distanziert sich von ihm:
”Ich möchte hiermit kundtun, daß ich die von meinem Clanbrüdern beabsichtigten Proteste und Forderungen in keinster Weise billige. Als Ahn des Clanes der Brujah verbiete ich hiermit allen loyalen Brujah der Kamarilla, die Ordnung der Stadt durch unziemliche Proteste, Ultimaten, Initiierung von Aufruhr und Straßenschlachten oder in sonstiger Form zu gefährden. (...) Wir begingen Fehler, für die wir geradestehen müssen. Die Verurteilungen von Gonzales, Vergil und Ratspike waren gerechtfertigt.”
Keine drei Tage später entlarven die Ventrue Vergil als Urheber einer ganzen Serie von Einbrüchen und Juwelenraube, die – so die Ventrue – den Zweck hatten, die Finanzreserven der Ventrue anzugreifen.
Vergil wird blutgejagt.
Über dies hochmerkwürdige Standgericht – selbst für einen Waldburg ein merkwürdiger Zug – schreibt mir unser Ahn Christoph Durier:
“Lancer, der neben Homicide wahrscheinlich technikverrückteste Brujah, den ich je gesehen habe, erbrachte mittels verschiedener Methoden den Beweis, daß die Bilder, die Vergil bei den Einbrüchen zeigen, offensichtliche Fälschungen waren.
Aber Waldburg hatte mehr Angst vor seinen dunklen Herren, denen er mit hündischer Ergebenheit dienen mußte, als davor, sich vor den Augen aller Kinder Kains als Lügner zu entlarven.
Ich habe ihn mit diesen Beweisen konfrontiert und man stelle sich bitte vor: Wilhelm Waldburg, der sich stets als ehemaliger Streiter wider Breidenstein, als Verteidiger des Friedens und der Gerechtigkeit zu verkaufen trachtete, dieser angebliche gütige und friedsame Herrscher schrie mir entgegen :
“Ich allein bestimme, wer in meiner Domäne Schuld auf sich geladen hat! Und ich vernichte in meiner Stadt, wen immer ich will!"
Laut Durier stieß Waldburg im späteren Verlauf jenes Gespräches noch weit üblere Beleidigungen gegen Clan Brujah aus, so trunken war er von seiner Machtfülle und Herrlichkeit:
"Ich (Durier) möchte unterstreichen, daß dieser Dialog nicht unerheblich dazu beigetragen geführt hat, daß Clan Brujah hinfort die Herrschaft Waldburg über Berlin bis aufs Blut bekämpfte."
Was an Brujah bleibt, schlägt sich auf Seiten der Anarchen – und erfüllen so die Lügen der Ventrue mit Wahrheit. Der Zorn ist groß, das zeigen auch einige ”Weisen”, die aus jenen Tagen überliefert sind:
Lehrsatz:
”Nach dem Trinken sollst Du lecken,
oder Dich ganz schnell verstecken.
Sagst Du zu diesem Lehrsatz ‘nein’
ist’s auch egal – merkt eh’ kein Schwein.”
Trinkspruch:
”Dieser Trunk hier sei geweiht
der hohen Ventrue Herrlichkeit,
die mit ihren Blutgesetzen
uns durch Berlins Straßen hetzen,
die mit ihren fiesen Blicken
dominieren, unterdrücken,
über die in ihrer Pracht
die ganze Welt von Herzen lacht,
die bekanntlich wie ein Rind
träge und verblödet sind,
die uns gar auf allen Wegen
zum eignen Schutz in Ketten legen,
zu denen alle Heuchler rennen,
sie mögen alle bald verbrennen.”
Lied (nach der Melodie von ”Heal the World”)
”Kill the Prince, make this a better place
for you and for me and the entire Kindred race”
Lied (nach ”These boots are made for walking”)
”These laws are made for breaking and that’s just what we’ll do
we brake these laws and then we brake the bones of the Ventrue”
Über Umwege, und teilweise erst um Jahre später, erfahre ich von der Vernichtung des Vierten Reiches, vom Tode Kotlars und Geigers. Ein weiterer Schlag gegen uns, und mir eine Bestätigung, daß es gut war, zu verschwinden – Berlin ist verloren, der Sieg der Ventrue nicht mehr aufzuhalten. Vielleicht könnte man in einigen Jahren einen neuen Anfang wagen – mit Unterstützung aus den Kolonien, oder auch aus anderen deutschen und europäischen Städten.
Krämer bemerkt zu Kotlars Tod: ”Die Vernichtung Kotlars scheint mir zwiespältig, nach meinem Kenntnisstand waren es immer die enormen politischen Differenzen zwischen Kotlar und den restlichen Brujah, die jedes geeinte Handeln unmöglich gemacht haben. Hörte seine Provokation ging so weit, daß er auf einem Rant mit einer Swastika am Arm erschien. Ich denke es ist besser daß er tot ist.”
Ich bemühe erneut die Hevellerchronik, die ich wo nötig kommentiere.
”Langsam beginnt Berlin sich zu wandeln. Unter der Herrschaft des Triumvirates <dem Bund von Fürst Stephan, Fürst Waldburg und Fürst Breidenstein> werden die Truppen der ‘Order’, einer Art Polizei aus Ghulen und Kainiten unter Führung von Albrecht von Magdeburg in Anzahl und Kompetenzen bestärkt. (...) Bei jedem Zusammentreffen stehen die Ghule der Order mit Scharfschützengewehren bereit, Masqueradebrüche um jeden Preis zu verhindern. Gekleidet in schwarze Uniformen, erinnern die Order-Ghule viele Kainiten an die Zeiten der SS - besonders, natürlich, die Anarchen der Rose, die sich gewalttätige Scharmützel mit den Ordnungshütern liefert, dabei aber nur selten Erfolge erzielen können.”
Hier übersieht laut Durier die Hevellerchronik einen wichtigen Punkt – und meines Erachtens ist dies erneut kein Zufall: “Nicht nur in den jüngeren Kainiten werden beim Anblick der Order-Ghule unangenehme Erinnerungen geweckt. Auch einigen Älteren kommt sehr bekannt vor, was dort geschieht. Mein Kind Frank Dragon und ich z.B. bemühen uns nach allen Kräften - sowohl politisch wie auch militärisch - gegen die Order vorzugehen.”
In diese Zeit müsste auch die Ankunft von Samantha X und ihrer Brut fallen. Ich lerne sie in L.A. kennen und kann sie für eine Umsiedelung nach Berlin gewinnen. Indem ich dies Vlad mitteile, erfahre ich nebenbei von ihm, daß nun auch Volker Metzger, einer der wenigen Brujah mit einem offiziellen Amt in der Stadt (Bezirksregent von Marzahn, unter Gustav), und auch Ratspike zerstört wurden.
”Im August zeigt sich die neue Führung Berlins. Bei einem Treffen im Schiller-Park, bei dem camarillaoppositionelle Kräfte Unruhe verbreiten, schlägt die geballte Macht der Order zu: Mit MGs bewaffnet stürmen Order-Ghule das Areal, das den ganzen Abend schon mit Infrarot-Kameras beobachtet worden war. Kainiten ohne bekannte Aufenthaltsgenehmigung werden ohne Diskussion gepfählt und zum Fürsten Waldburg, in dessen Domäne der Park liegt, geschafft, der in dieser einen Nacht ohne Verhandlungen 4 Blutjagden ausruft.”
Ihr dürft raten, auf Vertreter welchen Clanes.
”Nachdem ein Helikopter, der den Ventrue Gabriel Mies, Leiter der Order-West, sowie den Giovanni Nino an Bord hatte, im Dezember im Grunewaldsee zerschellt, rufen die Werwölfe zum Krieg. In dieser kritischen Phase, da das Kriegsheulen der Werwölfe über der Stadt hängt, tut Waldburg etwas, was ihm später (...) als schwerer Fehler vorgeworfen wird:”
Ach ja? Von wem denn bitte?
”Bei einer Anhörung betreffs der kritischen Lage reizt er durch Widerworte, durch Andeutungen und zuletzt durch den Ausspruch einer Einladung gegenüber dem Gangrel Dancer, auf den kurz zuvor seitens Gustav die Blutjagd ausgerufen wurde, seinen Sire so lange, bis dieser aus Protest den Saal verläßt. Woleslav-Stephan, der bis zuletzt den Fortbestand des Triumvirates erhalten will, verurteilt das Verhalten Waldburgs schwer. Auch er verläßt die Versammlung. Nur Wilhelm alleine mochte die Gründe für diesen Akt am Beginn eines Krieges verstehen. Er rief umgehend ein Übergangs-Primogen aus, noch ehe das Ende des Triumvirates offiziell bestätigt worden war - eine weitere Tat, die Stephans und Gustavs Groll erregte.
Ausgelöst durch die Entzweiung des Triumvirates sieht nun auch der Sabbat die Stunde seines Angriffs gekommen. Sabbatrudel rennen durch die Straßen und verbreiten Chaos und Zerstörung. Entsetzliche Riten werden abgehalten, angesehene Kamarilla-Kainiten langsam zu Tode gefoltert. Nichole <Ventrue-Neonate>, Vertraute Waldburgs, wird an ihren Sessel genagelt aufgefunden, Vroenik <Toreador-Ahn> angebunden an Autos gevierteilt, nachdem er dem Tod seiner engsten Vertrauten und Künstlerfreunde beiwohnen mußte. (...)
Im Zentrum Berlins, am Gendarmenmarkt, wütet ein entsetzlicher Kampf verschiedener Fraktionen. Giovanni gegen Ost-Order, West-Order gegen Ost-Order, Schwarze Rose gegen Ost-Order, Schwarze Rose gegen Giovanni - und eine weitere Fraktion gegen die Giovanni, deren Zugehörigkeit nie geklärt werden konnte.”
Ich bitte das genau zu vermerken und sich gut einzuprägen, was im Schwarzen Krieg geschehen ist, was der Hintergrund all dieses Schlachtens und Sterbens ist:
Anfang der Neunziger fällt die Mauer. Es gibt auf den Berliner Thron 4 Anwärter:
Wilhelm Waldburg, Ventrue,
Gustav Breidenstein, Ventrue,
Lessing, Toreador,
Durier, Brujah.
Die Ventrue machen es zu ihrer höchsten Priorität, daß Berlin auf keinen Fall an einen anderen Clan fällt – soviel also zu jener Feindschaft zwischen Waldburg und seinem Erschaffer (HA!).
Zuerst trifft es die Toreador, die binnen des Jahres 1994 7 Mitglieder verlieren und ihre Pläne um Erwerb des Thrones sagen wir ”aus gesundheitlichen Gründen” aufgeben – Lessing reist ab.
Dann trifft es uns, mit doppelter Härte, und immer schwerer, je mehr wir uns festkrallen und uns nicht vertreiben lassen wollen.
Nachdem es den Ventrue gelungen ist, uns zu einer Bande marodierender unbedeutender Anarchen zu degradieren, nachdem sie nun also sicher sind, das gemeinsame Ziel erreicht zu haben, fallen sie wie Hyänen übereinander her.
Jetzt gilt es, welcher Ventrue Fürst des geeinten Berlin wird. Der Auftritt der Schwarzen Rose als willige Lakaien Wilhelms spielt da keine Rolle: Der Schwarze Krieg war ein Vernichtungskrieg unter den Ventrue-Familien (Ost-Order gegen West-Order...), ein Krieg, bei denen es den Ventrue scheißegal war, was mit dem Rest der Domäne geschieht, die entgegen all ihren Reden vom heroischen Kampf gegen den Sabbat nun, da es um ihren Machtgewinn ging, die Domäne und all ihre Bewohner – verbriefte BÜRGER – praktisch schutzlos dem Sabbat auslieferten, ihm zum Fraß vorwarfen.
Das ist die Wahrheit, und nichts anderes.
< Christoph Durier: “Allerdings. Und der Sabbat regierte die Straßen Berlins in dieser Zeit. Ich selbst verlor mein Kind Isa Beck, als wir gegen gleich drei Rudel des Sabbat stritten.” >
Bedenkt das wohl, wenn ihr das nächste Mal einen Ventrue, und besonders einen Breidensteiner von Recht und Ehre und Schild der Kamarilla reden hört, und stellt ihn bloß als das, was er ist:
Ein blutgeiler Tyrann, der jeden, der ihm folgt, ohne einen weiteren Gedanken opfert, wenn es ihm einen Vorteil bringt.
”Am Ende der Nacht sind zahllose Personen tot. Verstorben auch Gustav Breidenstein, der von seinem Childe Kornfeld durch einen geheimen Tunnel in vermeintliche Sicherheit geführt wird. Nach ihrem Plan soll Kleist im Tunnel mit einem Pflock warten, um Gustav vor sich selbst zu schützen - doch Peter Kleist hintergeht seine Schwester und fetzt mit den geraubten Kräften eines Gangrel, den er diableriert hatte, dem einstigen Fürsten Deutschlands den Kopf von den Schultern.”
Das ist ja wohl die platteste Lüge, die ich je gehört habe. Natürlich hat Kornfeld den Mord mit geplant.
”Nach Kriegsende, nachdem sich die Ahnen aus ihren Schlupfwinkeln herauswagen, feiert Wilhelm Waldburg 'seinen' Sieg über Gustav Breidenstein. Das Triumvirat - auf Ostseite vertreten durch Katarina Kornfeld - tritt erneut zusammen, um seine Auflösung zu beschließen. Eine Wahl soll über das Wohl der Stadt erscheinen, eine 'kleine' Conclave statt einer von Justicar Karl Schrekt ausgerufenen großen, die nach diesem Krieg nicht mehr zu verhindern gewesen wäre. Die Wahl kann Wilhelm Waldburg klar mit 5 Clanstimmen gegen eine für Christoph Durier und null für das Paar Kleist-Kornfeld entscheiden. Die Nosferati, die sich während des Krieges im Streit um die Clanhaltung betreffs Baba Yaga beinahe gegenseitig ausgelöscht haben (Insider sprechen von mehr als 30 toten Nosaferati, darunter Humboldt), enthielten sich.”
Auch das vergesse man nicht: Tremere, Toreador, Gangrel, Malkavianer – sie ALLE wählten Wilhelm Waldburg, wieder einen Ventrue. Wir standen ganz alleine hinter Durier, durch den Ausgang der Wahl erneut im grellen Licht der Öffentlichkeit gedemütigt.
Als Augenzeuge weist Krämer auf die grundsätzlich damals andere Situation hin, die sich mit dem heutigen Berlin kaum vergleichen lässt: “Es galt der Leitsatz ‚Wählen wir das kleinere Übel!‘ Und das kleinere Übel war in diesem Falle Waldburg, Durier hätte doch alles verändert, hätte bestehende Strukturen sinnlos werden lassen. Das wollte kein anderer Clan riskieren.”
Durier war ebensowenig wie die meisten vom Ausgang der Wahl überrascht. Die Überraschung setzte erst hinterher ein, als Durier kopfschüttelnd erkannte, wie schnell diejenigen, die Waldburg auf den Thron gewählt hatten, über seine Herrschaft murrten – Dabei hatten sie doch selbst Schuld!
1996

”Die ersten 7 Monate des Jahres 1996 sind in Berlin eine Zeit der Regeneration. Schockiert ob der Ausmaße des Krieges versammeln sich die Kainiten in kleinen Gruppen und versuchen zu ergründen, wie es zu dieser Eskalation hatte kommen können. Verschiedene Ahnen wenden sich mahnend an die jüngeren Kainiten und warnen eindringlich vor der ständigen Gefahr durch externe Kräfte und verborgene Feinde, vor der nur die Einheit und das Engagement der Kamarilla und eines jeden Mitgliedes Schutz bieten kann.”
Welch Hohn! Es waren doch die Ahnen der Kamarilla, die den Schwarzen Krieg über Berlin brachten! Welch Falschheit in ihren verderbten Herzen!
”So hoch die Erwartungen an das neue System auch sind, so enttäuschend stellt sich die "neue Ära" unter Waldburg tatsächlich dar. In der Ära nach dem Schwarzen Krieg zerfällt das politische Geschehen der Stadt zusehends, bis allmählich ein Stadium totaler Handlungsunfähigkeit eintritt. Es darf als Segen erachtet werden, daß der Sabbat diese Schwäche in Berlin nicht auszunutzen wußte, da er anderenorts in Europa zu stark beschäftigt war.”
Bzw. da ihn niemand mehr für das Einschreiten in Berlin bezahlte.
Tatsächlich ist die Folgezeit des Schwarzen Krieges eine Zeit, in der die Ventrue ”aufräumen”. Was noch zu Gustav gehört, wird vertrieben, verschwindet oder wird getötet. Im Falle normaler Kainiten durch Blutjagd unter fingierten Anklagen, im Falle von Ventrue – wie Theodor Vermoldt – durch ”Duell”.
1997

Bemerkung: Zum 1. Januar 1997 ruft sich nach 40 Jahren wechselnder Herrschaften und Anarchenkriege Christian Hohensyburg zum Fürsten von Dortmund aus.
”Im März 1997 wird das Regierungssystem in Berlin reformiert. Waldburg und von Magdeburg bilden ein Diumvirat, dessen Regierungsgewalt fest auf dem vom Bürgerrat gewählten Primogen fußt. Unterstützt wird die neue Regierung von einer verminderten Anzahl handverlesener Bezirksregenten der neuen und größeren berliner Bezirke. Schon in dieser Ära ist der Stern Wilhelms deutlich am sinken - ob nun getroffen durch den Tod seiner Frau <Antoinette, Toreador-Ahn (kein Kommentar) >, wie es offiziell heißt, oder weil er spätestens beim Toreadorball in Zeilitzheim erkennen muß, daß er niemals an die Größe seines Sires heranreichen wird und die westdeutschen Fürsten sich nicht für ihn interessieren, wird niemals endgültig geklärt werden.
Die Harpyien wittern die Schwäche des Fürsten, und unverhohlene Forderungen werden laut: Die Toreador fordern den Distrikt Neu-Dorotheenstadt ein (zu dem auch Teile des Regierungsviertels gehören) und fordern einen Beweis dafür, daß die vielgepriesene Freundschaft des Fürsten zu den Toreador tatsächlich aus mehr besteht denn seiner Ehe zu Antoinette - und der Fürst gibt nach.
Die Gunst der Stunde witternd, tragen zum 1. Mai 1997 viele Fraktionen ihre Konflikte offen in der Stadt aus, und schon ist von einem neuen "Schwarzen Krieg" die Rede. Als Konsequenz der Streitigkeiten wird ein Einreiseverbot für Brujah <!!!!!!!!!!!> verhängt, und da auch die Gangrel öfter und öfter mit dem Fürsten Berlins aneinandergeraten, kündigt sich eine Clan-Allianz zwischen Brujah und Gangrel an.”
1997 muß es sein, da auch Vlad von Stolzenfels Berlin endgültig verlassen hat. Seine Briefe an mich bleiben schon seit einiger Zeit aus, aber laut Durier war Vlad auf jeden Fall noch bis Februar ’97 in der Stadt.
Auch ohne direkte Erkenntnisse und Quellen zu haben, wird durch das Vorspiel zu den laufenden Entwicklungen doch sehr deutlich, was Anfang 1997 in Berlin geschieht: Nachdem die Familien Wilhelm die Zeit gegeben haben, seine Sachen zu ordnen, fühlt man sich nun wieder stark, an Kriegsschulden zu erinnern. Wie schon nach dem Zweiten Weltkrieg wird auch bei seiner Wahl zum Fürsten Wilhelm viele Schulden gemacht haben – zu viele.
Im Ringen seiner Gläubiger um einen Vorteil in Berlin muß seine Regierung scheitern, und da er alle Ventrue seiner Familie verjagt oder vernichtet hat gibt es keinen Ventrue mehr, der hinter ihm steht – was ihn zur Allianz mit Magdeburg veranlasst.
”Wie schon so oft in der Vergangenheit begegnet Waldburg dem wachsenden Widerstand gegen seine Person mit einem Versuch, von sich auf andere abzulenken.”
Nicht unbedingt nur typisch für Wilhelm, hm, VENTRUE?
”Indes, Waldburg erkennt, daß seine Zeit abgelaufen ist. Bei einem Treffen im Schloß Charlottenburg ist von dem einstigen "Führer Westdeutschlands und Schmied der Stadt Berlin", wie er sich hat gerne nennen lassen....”
Ich habe mit vielen gesprochen, und alle erklärten mir völlig übereinstimmend, von dieser Formulierung zum ersten Mal in der Hevellerchronik gehört zu haben. Wilhelm hat sich nie irgendetwas nennen lassen.
”...nicht mehr übrig als ein wimmernder, in Pathos schwelgender Mann, der mit seinem langjährigen Freund Alexej (zu dessen Freundschaft er sich nunmehr offen bekennt, obgleich dieses Geständnis gegenüber einem Ravnos und Anführer einer der einflußreichsten Autarkigruppen Europas sein politisches Aus bedeutet) in Erinnerungen ergeht. Zur Krönung des Affronts gegen die Kamarilla gestattet er Alexej, das "Berliner Manifest der Anarchie" zu verteilen, und deutet an, daß er sich den Autarki anschließen möchte. Bei diesem Treffen ist nach langer Abwesenheit auch erstmals wieder der Vatermörder und Clanlose Peter Kleist anwesend, offensichtlich von Waldburg eingeladen.”
Erklären kann ich mir diesen Sinneswandel nur so, daß Waldburg eingesehen hat, daß er kein Fürst, sondern nur ein Sklave vieler Fürsten ist. Sein Entschluss sieht mir nach einer Tat der Verzweifelung, des Trotzes und der Unüberlegtheit aus, wer weiß, vielleicht gefördert durch Einflüsterungen der Malkavianer?
Auf jeden Fall macht mich doch sehr misstrauisch, daß so zufällig an jenem Abend nach langer Abwesenheit der Gustavtöter Kleist anwesend ist. Der dann ja auch Fürst wird.
Auch Krämer kehrt an jenem bedeutungsschweren Abend nach Berlin zurück:
”Wilhelm Waldburg begrüßte mich leicht beschwipst und sehr amüsiert an seinem Tisch und in der Domäne. Die Leute die dort bei ihm saßen wurden mir erst im Laufe des Abends und durch die Verteilung des Manifestos bekannt. Waldburg verläßt in dieser Nacht die Domäne und nimmt bald ein jähes Ende. Ich verbleibe hier, ein Brujah, der sich viel zu lange aus der Politik herausgehalten hat. Doch Berlin wird mich einiges lehren.”
Und Durier – ebenfalls an jenem Abend zugegen – kommentiert:
“Nicht nur der Vatermörder tauchte an diesem Abend wieder auf - auch Nino Giovanni. Eben dieser Nino Giovanni, der mit Wilhelm einige dunkle Geschäfte betrieben hat. Woher ich das weiß? Ich war auch zugegen, als Wilhelm einige Wochen zuvor Gericht hielt und Nino versuchte - während er verhört wurde! - einige private Worte mit Wilhelm zu wechseln, was dieser ihm verweigerte. (Was das einzige Mal war, daß ich gesehen habe, daß Wilhelm in der Lage war sich wenigstens einem seiner Herren zu widersetzen).”
Eben jener Nino Giovanni ist es im übrigen, der an Bord des Helikopters neben dem Ventrue (!) Gabriel Mies saß, der in den Grunewaldsee stürzte und so den Schwarzen Krieg auslöste. Derselbe Mortifero Nino Angelo Giovanni, dem man eine deutliche Verbindung zum Tod des Tremere-Justikars Karl Schreckt nachsagt, der trotzdem weiterlebt, um dann – für Kleist – den Fürsten zu Potsdam Albrecht von Magdeburg zu töten.
Ich habe zwar gehört, daß Nino bei jener Gelegenheit ebenfalls stirbt, habe da aber so meine Zweifel... Assassine sterben nicht so einfach – nicht, wenn sie aus dem Clan des Todes stammen...
Das Kleist-Reich

”Keine 14 Tage später verschwindet Waldburg zusammen mit dem von ihm blutgejagten Autarki Luther in Richtung Paris, unterdessen in Berlin hinter verschlossenen Türen und in aller Hast Peter Kleist als neuer Fürst (formell korrekt: Statthalter) eingeführt wird. In einem offenen Brief im Mai 1998 wird Albrecht von Magdeburg später zugeben, daß "der Clanentscheid" des Clanes Ventrue, dem Entehrten Kleist wieder die Clanrechte zu geben, tatsächlich nur von Sigmund Striebeck und seiner Person getroffen wurde, und dies alleine vor dem Hintergrund, die Regentschaft Berlins für den Clan Ventrue zu erhalten.”
SIE GEBEN ES JA SELBST ZU!
Sie gestehen offen, so sehr am Machterhalt ihres Clanes festzuhalten, daß sie dafür sogar einen Mörder an einem ihrer Ahnen, einen ausgestoßenen CAITIFF zurück in den Clan holen!
Statt endlich einzugestehen, daß sie des Regierens nicht fähig sind, daß sich gleich einem Fluch, der ihnen von ihrem ermordeten Vorfahren ins Blut gelegt wurde, jedes Regierungsamt in Asche verwandelt, statt endlich Berlin von ihrem verderbten Einfluss zu ERLÖSEN, halten sie weiter fest.
Und erneut wird sich die Geschichte wiederholen: Fürst gegen Fürst, Ventrue gegen Ventrue, und es werden wieder alle anderen sein, die leiden durch ihre närrischen Blutfehden, und es werden wieder BRUJAH und ANARCHEN sein, denen sie die Schuld für ihre Untaten zuschanzen werden!
”Die neue Regierung Kleist beeilt sich mittels mehrerer harter Manöver, jede Regung von Protest oder Opportunistentum seitens der anderen Würdenträger der Stadt im Keim zu ersticken und Waldburg in ganz Europa die Verbindungen zu entziehen: Waldburg wird - welch Ironie des Schicksals - von Peter Kleist, seinem einstigen Leibgardisten, aus dem Clan ausgestoßen und es wird sofort eine Blutjagd eröffnet, während sein Primogen und seine Bezirksregenten binnen einer Woche ihres Postens enthoben werden - und viele verlassen die Stadt.”
Verdammt, die Geschichte zu wiederholen. Wieder ein Ventrue durch einen anderen ersetzt. Verbindungen zerschlagen. Kainiten des Verrates beschuldigt.
Und weiter lassen sie sich führen zur Schlachtbank, mit huldvoll seligem Lächeln im Gesicht.
Denn es ist der Herrscherclan, der sie führt.
Auch uns.
Der Setitenkrieg

Ich werde den in der Hevellerchronik verbreiteten Schwachsinn vom Kampf zweier uralter Setiten-Ahnen in Berlin hier nicht wiedergeben, sondern sage stattdessen, daß ich all dies für eine erbärmliche Lügengeschichte halte, die sehr konvenient dazu dient, von der Unehrenhaftigkeit der Ventrue abzulenken und in bester Tradition die schlimmsten Untaten einer anderen Fraktion in die Schuhe zu schieben. Zweitens soll sie dazu dienen, den Kainiten Angst vor der Großen Weiten Welt da draußen zu machen und sie für die Kamarilla bei der Stange zu halten. Drittens ist diese Lügengeschichte den Tremere ein vortrefflicher Anlass, ihre Funktion aufzuwerten, indem sie zeigen, wie böse Magie in den falschen Händen wirken kann, und wie froh wir sein müssen, daß die Tremere-Hexer in der Kamarilla sind. Gawno!
1998 - Das neue Berlin entsteht

”Die politische Struktur der Kamarilla liegt im Jänner 1998 in Trümmern in Berlin. Über Jahrhunderte gewachsene Clanstrukturen zerstört, wo Ahnen dem Setitenkrieg oder den Fängen der Autarki zum Opfer gefallen sind.”
Merkt ihr? Setiten, Anarchen – Crack, Haschisch – alles dasselbe: Brujah. Hauptsache etwas, was von der WAHRHEIT ablenkt und von den schmutzigen Intrigen der Zaren!
”Magdeburg trifft sich mit den anderen Ahnen - und wo es keine gibt, ersucht er die Familien, sich einen zu bestimmen, der für den Clan sprechen kann, und gemeinsam mit ihnen bespricht er die Berliner Verfassung auf der Basis der im Frühjahr 1997 bekanntgegebenen Berliner Verkündigung. Es soll ein von allen Clanen gemeinsam unterzeichnete Papier werden, auf dem ein allgemeingültiges Rechtsystem aufgebaut werden kann - und auf dem eine geeinte Kamarilla gedeihen kann, die nicht nur für einige wenige, sondern alle ihre Anhänger spricht. Aber wie schon in der Ära Waldburg wird Magdeburg von der Interessenlosigkeit breiter Bevölkerungskreise überrascht.”
Um das Folgende etwas abzukürzen: Magdeburg buhlt um die Gunst der Familien mit dem Verfassungspapier, da er weiß, daß die verschiedenen Fraktionen gegeneinander ausgespielt werden müssen, ehe ein Ventrue als Retter den Thron wieder an sich bringen kann.
Kleist will nicht abdanken und gründet ein Schattenprimogen, in dem auch Marcel Krämer Mitglied ist:
”Das Schattenprimogen (ist) eine Gruppe von Ancilla, die Kleist blind ergeben sein sollen. Schon jetzt rechnet Kleist mit einem weiteren Konflikt mit Loki < Albrecht von Magdeburg >. Im Primogen saßen: Cassandra Valar, Toreador, anfangs alleine, später mit Noah als Begleiter, Claudia de Montclair, Tremere, Thilo Libbert, Nosferatu, William Adams, Gangrel Ahn, und ich.
In dieser Zeit nahm ich Kontakt zu Loki auf, bewusst die Situation ausnutzend, das die Ventrue uneinig waren. Ich versorgte Loki mit dem Wissen, welches Kleist vor ihm geheimhalten wollte. Aus dieser Situation heraus erarbeitete ich schon früh einen Notfallplan für das Primogen, welcher die Regierung der Domäne sichern sollte. Diese Papier stellte ich später einem völlig überforderten Primogen vor. Kern der Sache war, daß das Primogen als Rat die Stadt regieren sollten, zu diesem Zweck wurde die Stadt in 7 Regierungsbezirke aufgeteilt, für den je ein Clan die Kontrolle übernahm. Die Idee scheiterte am Testament des Lokis, welches mich glauben ließ, das ein einziges Mal ein Ventrue gerecht gehandelt hätte. Er gab Berlin in die Hände des Clans der am meisten für diese Stadt geblutet hatte. Clan Brujah hatte endlich gesiegt. Doch Uneinigkeit und Selbstüberschätzung machten alles kaputt.”
Als Folge des Zwistes zwischen den Fürsten sterben schließlich beide, Magdeburg und Kleist. Magdeburg erklärt testamentarisch Eriana zur Fürstn von Potsdam und Marcel Krämer, Brujah, zum Fürsten über Berlin – pro tem, natürlich, bis die Verfassung etabliert ist.
Dies tut er nicht etwa, weil wir so stark sind, sondern im Gegenteil weil Clan Brujah weiterhin der Schwächste aller Familien ist, chancenlos, den Thron gewaltsam an sich zu bringen, und auf das Wohlwollen aller angewiesen. Im Prinzip ist diese Vererbung des Thrones ergo keine Belobigung, sondern ein übler Scherz, ein Spucken in unser Gesicht noch im Tode, was auch Krämer bald erkennen muß:
”Um die Situation von damals nachvollziehen zu können muß man einige Dinge erklären. Berlin war damals noch nicht angeschlossen an die norddeutschen Domänen. Tatsächlich behielt Berlin seinen Inselstatus bis fast 10 Jahre nach dem Ende der DDR bei.
Als ich Fürst dieser Domäne wurde, gab es nicht viele Brujah in Berlin, da waren Karl Friedrichs, Hans Krieger, Thomas McGregor und Katharina Stein-Hommelfhoff, später im Jahr kamen dann Marc und Andrzej dazu.
Doch das ist nicht die ganze Wahrheit, bis kurz vor meiner Ernennung waren wir zahlenmäßig der größte Clan in Berlin.
Doch Uneinigkeiten und Streitereien über Kleinigkeiten brachten uns zu Fall. Viele gingen und ich habe sie seit dem nicht mehr gesehen. Doch als ich Fürst wurde waren wir zu fünft. Ich war in einem Freudentaumel, erst wenige Monate zuvor hatte mich Magdeburg zum Ahnen erhoben und nun sollte ich für den Clan Brujah die Domäne beherrschen. Es war wundervoll.
Doch dieser Freudentaumel hielt nicht lange an, schon bald streckten die gierigen Patrizierclans ihre Finger nach der Macht. Ich hatte mir geschworen den Ventrue und Tremere keinen handbreit zu lassen. Ihre Zeit war vorbei.
Die Toreador, allen voran Noah und Gabrielle Monique de Saint Etienne unterstützen mich in dieser Hinsicht. Doch nicht hohe Ziele trieben sie, sondern Habgier, immer mehr Gefälligkeiten wollten sie sich sichern. Gibt man ihnen den kleinen Finger, dann nehmen sie die ganze Hand. Der Bruch kam, als ich Gabrielle die Erschaffung eines Kindes verweigerte. Von diesem Moment an, setzten die Toreador alles daran mich politisch zu diffamieren.
Heute kann ich es ganz klar erkennen, ich war überfordert. Alleine zu regieren war zu viel für mich, sicher waren Karl und Hans für mich da, doch ihre ewigen Streiterein über die Vergangeheit machten sie nicht gerade zu den zuverlässigsten Partnern.
Ich hatte keinerlei Unterstützung aus Dortmund oder anderen Brujahdomänen, ich war auf mich gestellt und der Druck zerbrach mich. Ich wollte aus dieser Situation heraus, ich merkte wie es mich innerlich zerfraß, wie ich mich entfremdete, mir gegenüber und meinem Umfeld gegenüber.
Ende 1998 machte ich dieser Farce ein Ende, ich fingierte, mit Hilfe einiger Freunde, meinen Tod und übergab die Amtsgeschäfte an Krieger und Friedrichs. Doch selbst zu diesem Zeitpunkt als ich die Segel schon gestrichen hatte, zogen mich die politischen Verwirrungen zurück auf den Thron.
Das Ende kam, als die Ventrue-Ahnin und Fürstn zu Potsdam Eriana de Buckowiz die Tradition der Domäne missachtend in meinen Haven einfiel, im Schlepptau 3 Ahnen und meh
ere andere, bis auf die Zähne bewaffnete Ventrue. Sie forderte den Thron für sich, hätte ich mir in diesem Moment meiner Clanbrüder Friedrichs und Krieger sicher sein können, dann hätte ich sie der Domäne verwiesen.
Doch wir waren wie so oft uneins und so beugte ich das Knie, in der Hoffnung, das Verlorene jemals wiedergewinnen zu können.”
Marcel Krämer regiert vom Frühsommer 1998 bis zum Frühjahr 1999 als Interimsfürst über Berlin. Dann wird die Verfassung ausgerufen und der Toreador Ahn Noah zum Hohen Fürsten gewählt.
Wenig später kehre ich aus den USA zurück. Sehe Berlin unter der Verfassung. Erfahre vom Tode aller Brujah, die ich hier einst kannte. Sehe das Scheitern der Verfassung, den Seperationskrieg. Und dann die Herrschaft des Tremere im Westen und des Toreador im Osten.
Sehe, wie Noah eidbrüchig gegen seine Alliierten bei den Brujah wird und auf Marcel Krämer die Blutjagd eröffnet. Sehe Krämer in den Westen flüchten und sehe ihn den Clan erneut einen, ein Haus begründen, daß unter ihm zum Hohen Haus wird.
Und spüre im Wind, wie die Ventrue des Breidensteingeschlechtes ihre Kräfte in der Stadt sammeln, um sie erneut unter ihre Kontrolle zu bringen – in beiden Hälften.
Am 25. November 2000 stirbt Marcel Krämer.
Die Geschichte darf sich nicht wiederholen. Nicht noch einmal. Und nicht wieder auf unsere Kosten.
Unter allen Ventrue, verderbt und korrupt wie sie sind, ist das Geschlecht Breidenstein das Verderbteste. Wenn hier wieder ein Breidenstein herrscht, werden wieder Brujah brennen. Wird es wieder Einreiseverbote und Ghule in schwarzen Uniformen geben.
An uns wird es liegen, dies zu verhindern. Und den Tod unserer Brüder zu vergelten.
Dixi et salvavi animam meam
Andrzej.

Nachworte


von Christoph Durier

Als sollten sich meine bitteren Worte zu Beginn dieses Werkes gleich einem Fluch bewahrheiten, verlor ich in diesen Tagen ein Kind meiner Linie: Marcel Krämer.
Ein feiger Sprengstoffanschlag löschte seine Existenz aus. Er wurde vernichtet, weil er der treueste Verteidiger der Domäne Preußisch Berlin und ein mächtiger Streiter wider die Unterdrückung war.
Er wurde vernichtet, weil er bei allem, was er getan haben mag, unseren Clan zu einen imstande war, und so anderen Fraktionen im Weg war.
Er wurde vernichtet, weil er den Mut hatte, sich seinen Gegnern zu stellen.
Auch wenn ich, gleich vielen anderen, kein Freund von Marcel war, so lag er mir schon deshalb am Herzen, da er ein Blutsbruder, ein Brujah, war.
Ich bin es leid, meine Kinder sterben zu sehen.
Ich hoffe, damit nicht allein zu stehen.
C.D.
Berlin, Dezember 2000
von Marx Corvus

Wie man an meinen Kommentaren vielleicht bemerkt hat, bin ich nicht der stolzeste Vertreter unserer Familie, geschweige denn ein Patriot.
Vieles von dem was auf diesen Seiten niedergeschrieben wurde halte ich für unsägliche Propaganda. Wir rühmen uns hier Taten, die wir im Namen des Clans begangen haben und schmähen die gleichen Taten der anderen Clans im selben Atemzug.
Ich selber habe keine rühmliche Vergangenheit. Ich selber habe mehr Blut an den Händen als ich in einem Unleben herunterwaschen könnte. Auch geht mit mir beizeiten unser heißes Blut durch und ich begehe von neuen Taten, auf die ich nicht stolz sein kann.
Doch ich bereue wenigstens.
In diesem Schriftstück aber finde ich keine Reue, keine Entschuldigung bei all den unschuldigen Toten die unsere Feldzüge hinterlassen haben.
Doch ich werde dieses nun nachholen. Auch wenn das Geschehene nicht mehr gutzumachen ist und mein Gewissen dadurch nicht beruhigt ist, werde ich es dennoch tun:
Ich entschuldige mich hiermit für den Clan Brujah für all die Greuel die der Kainitenschaft und der Menschheit in unserem Namen angetan worden sind und besonders entschuldige ich mich bei denen, die unter meinen Taten zu leiden hatten.
Marx Corvus, Neonate des Clans Brujah
Hoya, 5. Februar 2001
Abschiedswort an Marcel Krämer von Andrzej Czekan

Ich würde gerne etwas über Marcel Krämer sagen, was ich an ihm gemocht habe.
Aber das kann ich nicht, denn die Heuchelei liegt mir nicht.
Ich würde gerne sagen, daß er ein streitbarer Kainit war, der aber in seinem Wesen immer aufrecht und ehrlich war. Aber das wäre eine Lüge.
Ich würde gerne sagen, daß er unseren Clan inspirierte. Ihn einte. Ihn stärkte. Aber auch das wäre gelogen.
Ich erinnere mich an Marcel Krämer als einen rücksichtslosen Egoisten, der über jede Leiche zu gehen bereit war, wenn es ihm förderlich schien.
Ich erinnere mich an ihn als einen, der seine Reden von der Einheit des Clanes Brujah immer dann schwang, wenn er gerade schwach dastand und ihm seine Feinde zusetzten, und sich ansonsten mit einem Kreis wechselnder Vertrauter umgab, mit denen er seinen Privatclan aufzog.
Ich habe Marcel Krämer nie gemocht. Und manches Mal gehasst.
Das einzige Mal, daß ich und er ein Gefühl der Gemeinsamkeit entwickelten, war im Frühherbst 1999, unmittelbar vor Ausbruch des Separationskrieges, in jenem Musik Cafe 55 im Wedding, als plötzlich Noah samt seinem ganzen Gefolge einritt und uns beide der Sabbatschaft anklagte.
Marcel Krämer sah darin völlig zu Recht ein rein politisches Manöver – alleine schon, daß vom kleinsten Toreador-Wichtel bis zur Elite der anderen Familien wahrhaft alles versammelt war, als er, Noah, den Ex-Fürsten Krämer so vorführte, war ein deutliches Zeichen für die wahrhaftige Motivation.
Umso erstaunter war ich, als ich hörte, daß Marcel Krämer auf Seiten Noahs in den Krieg ritt.
Dies hat Marcel Krämer stets ausgezeichnet: Eine Situation richtig einzuschätzen, um dann mit aller Konsequenz das Falsche zu tun.
Wie damals, als er die Verfassung unterstützte. Wie damals, als er - ebenfalls mit einer Explosion - seinen Tod fingierte. Wie damals, als er - am Hofe Hohensyburgs – so offensichtlich in die Falle seiner Feinde tappte.
Marcel, ich habe in Deinen Handlungen niemals etwas erkennen können.
Sie waren nicht destruktiv genug, um wirklich etwas zu vernichten und so Platz für Neues zu schaffen, und nicht konstruktiv genug, um etwas aufzubauen oder wenigstens zu verändern.
Sie waren nicht geradlinig genug, um zur Utopie zu reifen, und nicht chaotisch genug, um Deine Feinde zu verwirren.
Berechenbarkeit -so unsinnig dies klingen mag- machte jeden Deiner Schritte aus. Und so wurdest Du zu Fall gebracht.
Und dies ist es, was uns dieser Dein Tod - so es denn einer war, und Gnade Dir Troile, wenn auch dies wieder nur ein Witz von Dir ist - lehren muß:
Wie sehr sich jeder von uns im Netz der Lügen und den Manipulationen der anderen verlieren kann.
Ich habe nicht vergessen, wie ich Dich zum ersten Mal sah, viel weniger aber, wie Du mir beschrieben wurdest, als Du in Berlin ankamst.
Unter der Aussicht auf Macht bist Du manchen schmutzigen Deal eingegangen, bis Du erkennen mußtest, daß die Vertragsbedingungen immer nur für die eine Seite gelten.
Du hast in einem Spiel mitgemischt, aus dem Du hättest schon 1998 aussteigen sollen.
Aufrecht und ehrlich warst Du nur in Deinem Zorn. Nur im Kampf. Und dort wäre auch immer Dein Platz gewesen.
Du hingegen bist eingegangen auf das Ränkespiel der Elysien, sicherlich in gutem Glauben oder im Selbstbetrug, es nur für den Clan zu tun, aber all Deine hehren Pläne sind ins Gegenteil verkehrt worden.
Du hast durch Deine Unterstützung der Verfassung dafür gesorgt, daß das Thema demokratisch geführter Domänen vom Tisch ist. Du bist durch Deine Herrschaft als Fürst jedem ein geeignetes Beispiel, warum Brujah unfähig sind zu herrschen.
Du hast durch Deinen fingierten Tod den Argumenten unserer Feinde Vorschub geleistet, daß Clan Brujah zu unernst und wankelmütig ist, um ernsthaft zu herrschen, und an Deiner Blutjagd gedieh noch die Stärke und Herrlichkeit Noahs.
Du bist benutzt worden.
Von Loki. Von Arkadan. Von Eriana. Von Gabrielle. Von Noah. Von Hiob. Von Rabenstein.
Von den Ventrue. Den Toreador. Den Malkavianern. Den Tremere.
Eine ungleiche Partie, die Du niemals gewinnen konntest. Und als Du es erkanntest, Dich zu widersinnigen Schritten trieb, zu verzweifelten Versuchen, dem Netz zu entkommen.
Es fällt mir schwer, meinen Urteilen über Marcel Krämer nun widersprechen zu müssen, aber ich erachte es als nicht unmöglich, sondern sogar recht wahrscheinlich, daß er im Herzen ein aufrechter Kainit und ehrbarer Clanbruder war.
Der am Spiel der anderen scheiterte.
Vielleicht.
Vielleicht hat er, indem er vieles auf sich zog, vom Rest des Clanes mehr Schaden abgehalten, als wir je wissen können.
Wir können Deinen Tod nur hinnehmen. Aus ihm lernen. Für die Zukunft.
Und uns vor denen hüten, in deren Netz Du geraten bist.
Und ihnen zurückgeben, was sie Dir - und uns - angetan haben.
Antun.
Und morgen antun werden.
Leb wohl.
Andrzej.
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Die Struktur der Familie Brujah


Spielen eines Brujah-Charakters


Die Revolution ist wie Saturn,
sie frisst ihre eigenen Kinder
- Georg Büchner (1813-1837)
Die Brujah sind die rebellischste und unsozialste aller Familien. Brujah trachten danach, ihre Individualität auszudrücken. Sie sind Rebellen. Sie sind meist stur, aggressiv, rücksichtslos, leicht zu beleidigen und extrem rachsüchtig.
Sagen wir es deutlich: Die meisten sind echte Arschlöcher, denen man nicht im Dunkeln begegnen möchte. Es sind Skinheads, Rocker, hirnlose Prügler, Freaks, Anarchos, Hooligans – aber einige, besonders hier in Europa, sind auch Gelehrte, Philosophen, Poeten und Denker.
Die Brujah sehen es als ihre heilige Aufgabe, das Establishment anzugreifen und Autoritäten herauszufordern – mit Hetzreden, sozialwissenschaftlichen Abhandlungen oder Protestsongs, wenn sie eher geistig orientiert sind, oder mit Gewalt, Arroganz und markigen Sprüchen, wenn sie eher zur Prügelfraktion gehören.
Was immer sie tun – oder wie sie es tun – sie streben nach Veränderung. Brujah glauben, daß die gesamte Kainitenwelt längst erstarrt wäre in Korruption, wenn sie nicht wären.
Die Brujah sind zerworfen zwischen dem Streben nach ultimativer Freiheit und dem Brüllen ihrer Bestien.
Es gibt verschiedenste Brujah-Typen. Umso wichtiger, den eigenen Brujah klar einem Typus zuzuordnen und diesen dann deutlich durchzuziehen, sei es elitär gebildeter europäischer Denker oder lederkuttetragender Generation-X-Nihilist, sei es aufgedonnerte Asphaltschwalbe oder sozialkritischer Hip-Hop-Gangster.
Brujah streiten sich zwar sehr gerne um Anschauungen und Utopien, Ansätze und Methoden, aber ohne jemals von ihrem eigenen Standpunkt abzurücken. Brujah sind unerschütterlich stur in ihrem Glauben an ihre persönliche »Wahrheit« und was der beste Weg ist.
Die aggressiveren sind fanatische Kreuzritter, blind gegenüber allen Schattierungen von Wahrheit außer der, der sie selbst folgen, unterdessen die intellektuelle Elite der Familie inbrünstig mit anderen Vampiren diskutiert und ihre Thesen erläutert, um dann auszuklinken, wenn man ihrer Argumentation nicht folgen möchte.

Wie spiele ich einen Brujah?


Jede Familie hat sein eigenes »Grundgefühl«, etwas zutiefst »familientypisches«. Auch wenn die Versuchung, etwas ganz und gar Untypisches darzustellen, groß ist, sollte man bedenken, daß ohne das »Familientypische« die Familie zerfällt und letztlich unbedeutend wird.
Vampire lebt von Klischees und Archetypen, und die gesamte Vielfalt der Clansfeindschaften und der daraus entstehenden Intrigen kann nicht funktionieren, wenn nicht jeder Clan so dargestellt wird, wie er ist.
Für dich als Brujah-Spieler bedeutet dies zunächst, daß du dir wirklich Gedanken darum machen solltest, an was dein Brujah glaubt.
Ist er überzeugter Anarchist, der jede Art von Regierung ablehnt? Ist er Fundamentalist irgendeiner religiösen Strömung? Kommunist? Sozialist? Leninist? Marxist? Faschist? Nationalist (nicht unbedingt deutscher)?
Brujah tendieren zu extremen Ansichten – und dein Brujah sollte da keine Ausnahme bilden.
Woran immer er glaubt, er glaubt fest an die Berechtigung seiner innersten Überzeugung, und betrachtet jeden Angriff auf diese seine innere Wahrheit als Angriff auf sich persönlich.
Was für deine Ideologie gilt, gilt auch für deinen Kleidungs- und Schminkstil.
Natürlich können Brujah tragen, was immer ihnen gefällt, aber meist erkennt man schon an der Kleidung des Brujah, welcher Überzeugung er ist. Selbst wenn der Brujah europäischer Idealist sein sollte statt in Jeans und Leder gekleidetes Bandenmitglied, so wird auch dieser zur extremen Darstellung seiner Überzeugung durch die Kleidung neigen: Über die Schultern drapierter Mantel, Zigarettenspitze, Gehstab, gegeltes Haar – alles, um sich von den rumpöbelnden Clansbrüdern abzugrenzen.
Dieses, das Extreme – ist das Herz der Familie, und wenn man einen Brujah spielt, sollte man sich diese zentrale Facette des Charakters nicht nehmen lassen, sondern sie ausleben.

Der Familienvorteil


Der Familienvorteil der Brujah ist der Familienzusammenhalt. Auch die Live-Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, wie wichtig dieser ist: Wo immer die Familie Brujah nicht zueinander stand, zerfiel er völlig, und die anderen Familien holten sich ihre Rache.
Klar: Bei den Brujah treffen harte Meinungen aufeinander: Linksradikale treffen auf Rechtsradikale, Hirnlose Prügler auf Dichter und Denker. Aber die Brujah als solche stehen zusammen, denn sie sind alles, was sie haben.
Die Brujah wissen, daß die anderen Familien (vor allem die Ventrue) nur darauf warten, die Familie Brujah zu zerschlagen. Der größte Teil der Brujah wurde nach dem brutalen Ende der ersten Anarchenrevolte durch den sogenannten Dornenvertrag zur Mitgliedschaft in der Kamarilla erpresst, und den Ventrue wäre es vermutlich lieber gewesen, man hätte damals mit den Brujah Schluss gemacht.
Ja, die Brujah fetzen sich gegenseitig – aber sie respektieren auch, daß der andere Brujah für dessen Meinung eintritt, so, wie man selbst für die eigene Meinung und individuelle Freiheit eintritt. Egal, was die Meinung des Bruders ist – er bleibt Brujah, er bleibt Freidenker, und zur Hölle mit dem Rest der Vampiren, deren Herzen nur voller Korruptheit, Dekadenz und Machtgier sind.
BRUJAH FOREVER!

Der Familiennachteil


Brujah rasten leicht aus. Das stimmt. Dennoch ist es recht öde, wenn Brujah einfach immer ausrasten, und noch dazu alle auf die selbe Art und Weise: »Was hast Du gesagt? Du Sau! (Paff, Bumms, Schepper)«.
Die erhöhte Aggressivität der Familie kann auf vielerlei Wegen gespielt werden. Statt einfach extremer aggressiv zu werden (Ausraster!) kann man auch einfach öfter aggressiv werden.
Indem man sich selbst über Kleinigkeiten aufregt und sich süffisante Bemerkungen einfach nicht gefallen lässt, sondern sofort und am besten verbal ausrastet, kann man seinen Familiennachteil viel besser ausleben, ohne eine Spur stupider Verwüstung hinter sich herzuziehen.
Wenn dich ein anderer Charakter bewusst provoziert, dann warne ihn einmal – aber alles weitere hat er sich dann selbst zuzuschreiben. Die Aggressivität der Brujah ist bekannt – wer sich mit dem Feuer einlässt, soll sich an ihm ruhig die Pfoten verbrennen.

Rollenspieltipps

Ziele


Jeder Charakter hat eindeutige Ziele, die er durchzusetzen versucht. Das ist auch gut so – denn im LARP kommen die Plots von den Charakteren, nicht etwa von der SL.
Im LARP braucht sich niemand zu langweilen. Wenn es eine jener ruhigen Sessions ist, sollte dies jedem Spieler Aufforderung sein, mit seinem Charakter aktiv zu werden – z.B., indem man versucht, seine Ziele zu verfolgen.
Unabhängig von den individuellen Zielen deines Charakters gibt es bestimmte Zielsetzungen, die als “clanstypisch” gelten können und die dein Charakter zusätzlich zu seinen eigenen Zielen verfolgen sollte.
Neonaten

Brujah-Neonaten sind zum größten Teil wahre Anarchen, wenn auch unter dem Dornenvertrag. Sie bekämpfen das Establishment offen und sind die unsozialsten Brujah. Der Schrei der Bestie mischt sich mit dem Anspruch auf Freiheit, dem Blut Brujahs und der Flamme der Jugend zu einem explosiven Gemisch, das jederzeit hochgehen kann. Brujah-Neonaten sammeln sich gerne in Rudeln, weil sie so stärker sind.
Brujah-Neonaten schätzen die Ancillae der Familie für das, was sie geschafft haben, und wegen ihrer Härte, aber die Ancillae sind ihnen oft schon zu angepaßt.
Den Ahnen werfen die Neonaten vor, das Ziel aus den Augen verloren oder selbst Teil des Establishments geworden zu sein. Typische Ziele für Brujah-Neonaten sind:
Ancillae

Die Brujah-Ancillae bilden den schmalen Grad zwischen Establishment und Anarchen. Sie leben meist nach ihrem eigenen Moralkodex, und obgleich sie gelernt haben, Autorität anzuerkennen, ignorieren sie sie oft.
Die Ancillae schätzen die Ahnen, denn sie wissen, daß diese in den Hallen des Elysiums oft Schlimmeres für die Familie abwenden. Dennoch sind sie skeptisch, denn die Ahnen arbeiten mit jenen zusammen, die die Brujah kontrollieren wollen. Ein Spiel mit dem Feuer.
Die Ancillae schätzen die Direktheit und Offenheit der Neonaten, denken aber, daß diese oft zuviel Risiko eingehen und manches Mal Ärger heraufbeschwören, der nichts bringt. Sie versuchen, den Feuereifer der Jugend zu zügeln. Typische Ziele für Brujah-Ancillae sind:
Ahnen

Was diese bewegt, weißt du nicht. Wenn diese sich äußern, so erzählen sie oft irgendeinen Schwachsinn davon, das System von innen zu verändern. Dich nennen sie oft kurzsichtig, und ihre bevormundende Haltung kann einem echt auf den Geist gehen.
Aber du weißt auch, daß sie ihren Einfluss in den Hallen des Elysium nutzen, die Anarchen zu schützen, wenn sie können.
Schließlich sind sie doch Brujah.

Brujah in der Chronik


Deutschland befindet sich im Krieg. Über Jahrhunderte war dieses Land das Herz der Familie des Zepters – aber die ersten Vampire hier waren Gangrel und Brujah. In jüngster Vergangenheit haben die Ventrue einen guten Teil ihres Einflusses aufgeben müssen, und im Ruhrgebiet ist eine mächtige Großdomäne unter dem Brujah-Fürsten Christian Hohensyburg entstanden – der mächtigste Fürst Deutschlands.
Der Norden Deutschlands liegt noch im Schlummer der alten Zeit – dort herrschen noch Ventrue mit eiserner Faust (wie Fürst Gudd in Lübeck) und Toreador schwelgen in der Dekadenz des Vergangenen.
Doch aus Mitteldeutschland, aus dem Ruhrpott, aus Schaumburg und immer mehr auch Hannover wächst die Saat für Clan Brujah. Der Sieg liegt in der Luft!
Im Gegensatz dazu ist rechts der Elbe vom Reich der Brujah – der DDR – fast nichts geblieben. In Berlin-Ost herrscht ein Toreador, und Berlin-West steht unter der Knute eines Ventrue-Lakaien und Tremere-Ahnen, Hiob.

Regeln für die Familie Brujah


Besondere Vorzüge und Makel der Familie Brujah


Machtvoller Ghul (Vorzug: 3 oder 5 Punkte)

Der Charakter hat einen wirklich machtvollen Ghul, der ihm bereits seit vielen Jahren dient. Für diesen Ghul sollte ein Hintergrund erarbeitet werden, als wäre es ein Spielercharakter. Eine Disziplin dieses Ghuls kann eine Stärke von 2 erreichen. Die Punkte des Ghuls entsprechen denen eines Standardspielercharakters (Vampir). Dieser Ghul wird sehr schnell auf andere Bekannte und Allierte des Charakters eifersüchtig. Dieser Vorteil kostet 3 Punkte, wenn der Ghul ein Charakter auf dem Storyboard ist, 5 wenn es ein gespielter Charakter ist. Dieser Vorteil ist auch den beiden anderen „gesellschaftlichen“ Clans, Brujah und Ventrue, zugänglich.
Leidenschaftlich (Vorzug: 4 Punkte)

Der Charakter hat die Seele der alten Kriegerpoeten des Clans. Einmal pro Abend, wenn er Menschlichkeit verlieren würde, kann er einen Willenskraftpunkt ausgeben, um dieses zu verhindern.
Offensichtliches Raubtier (Makel: 2 Punkte)

Dieser Nachteil muß stark ausgespielt werden. Das Biest des Charakters ist außergewöhnlich stark und tritt nach außen. Der Charakter faucht, knurrt, bewegt sich wie ein Panther, der seine Beute umschleicht, Sterbliche reagieren ängstlich auf dieses Verhalten und schrecken zurück. Dieses erschwert die Jagd.
Nicht unter Kontrolle (Makel: 5 Punkte)

Der Zorn der Brujah ist um ein vielfaches stärker in diesem Charakter, als in anderen Brujah. Der Charakter muß immer 4 Willenskraftpunkte ausgeben, um sich gegen eine Raserei zu wehren.

 

Kategorien: Brujah, Spieltipps
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