BuchDerGhule

Das Buch der Ghule


Neuspieler, vor allem wenn sie keine Rollenspielerfahrung haben, bekommen bei GiO üblicherweise für ein paar Sessions einen Ghul, mit dem sie aus (meistens) sicherer Entfernung das Spiel beobachten können. Daher hier einfach mal ein paar Gedankensplitter und Spieltips für Ghule, z.T. aus dem White-Wolf-Buch "Ghouls - Fatal Addiction" entnommen:

Ghule sind Menschen, die regelmäßig von einem oder mehreren Vampiren mit Vitae gefüttert werden. Dies führt dazu, daß sie körperlich stärker werden (Potence 1) und in der Lage sind, nichttödliche Verletzungen zu heilen (abhängig von der Schwere der Verletzung: eine kleine Schnittwunde geht schneller als ein Lungenschuß). Auch wird ihr Alterungsprozess weitgehend aufgehalten. Gleichzeitig können Ghule bei Tag agieren und auch weiterhin alles, was Menschen können (allerdings verlieren manche ihre Fähigkeit zur Fortpflanzung; bei anderen werden die Kinder bereits als blutgebundene Ghule des Domitors geboren). Ghule sind auch in der Lage, andere Disziplinen zu erlernen, und werden oft zu hochgeschätzten Handlangern und Stellvertretern ihrer Besitzer. Nach einer evtl. Erschaffung verlieren sie aber schnell die Fähigkeit, möglicherweise erlernte, jetzt aber clansfremde Disziplinen anzuwenden, sofern sie diese nicht mit einem Lehrer, der diese Disziplinen beherrscht, weiter üben.

Klingt gut? Falsch.

Ghule sind Dreck. Sie sind Sklaven desjenigen, von dem sie die Vitae bekommen, er ist ihr Dealer, Gott und Eigentümer. Durch ihre Abhängigkeit von seiner Vitae sind sie in kürzester Zeit an ihn gebunden und werden immer tiefer in die Sklaverei und Abhängigkeit hinabgezogen. Viele nehmen Drogen, probieren die perversesten Sexualpraktiken aus, suchen sich immer extremere Kicks, aber nichts kommt auch nur annähernd an das ran, was ihnen die Vitae ihres "Domitors" gibt. Deshalb werden sie immer wieder zu ihm zurückkommen, sie werden alles tun, um ihm zu gefallen, er ist das Zentrum ihres Lebens geworden!

In der vampirischen Gesellschaft sind Ghule selten mehr als reine Gegenstände, die wenigsten halten sich länger als ein paar Monate oder Jahre, ehe sie eines gewaltsamen Todes sterben. Es gibt in Berlin nur sehr wenige alte Ghule, zum Beispiel gehören sie zu Ahnen wie Hans Kohlhase oder Arcangelo Diachiami. Je älter ein Ghul ist, desto abhängiger ist er vom Blut seines Besitzers, um dem Alterungsprozess zu entgehen: braucht ein junger Ghul vielleicht einmal im Monat Blut, muß er spätestens nach zwei Jahrzehnten wöchentlich und noch einige Jahrzehnte später täglich trinken, um nicht binnen kürzester Zeit zu altern und zu sterben.

Die Vitae ruft oft unvorhersehbare Nebenwirkungen hervor. Meistens ist dies ein extrem gesteigerter Sexualtrieb, extreme Gefühlsschwankungen, aber auch Geistesstörungen und Mißbildungen (v.a. bei Nosferatu-Ghulen) sind verbreitet. Auch maßlose Selbstüberschätzung kommt vor, nicht wenige dieser Ghule enden allerdings dann doch als Leiche, wenn sie versuchen, es ihrem Besitzer gleichzutun und sich schutzlos in einen Kugelhagel stellen.
Ghule, die oft und regelmäßig gefüttert werden, entwickeln im Lauf der Jahrzehnte oft Eigenarten, die an die Clansnachteile erinnern: Nosferatughule werden häßlich und entstellt, Brujahghule reizbarer, Ventrueghule wählerisch bezüglich ihrer Ernährungsweise.

Ein Ghul ist auf Gedeih und Verderb seinem Besitzer ausgeliefert. Dieser kann ihn am Leben lassen, foltern, verstümmeln, töten, ganz nach Belieben. Ein Vampir, der einen ihm gehörenden Ghul tötet, bricht keinerlei Gesetze und nicht einmal das Elysium. Er kann seinen Ghul quälen, indem er ihm das Blut vorenthält oder ihm sadistische Aufträge gibt, um sich seine nächtliche Ration zu verdienen. Beim Sabbat, wo Ghule generell seltener sind als in der Camarilla, ist es recht weit verbreitet, einem Ghul den Befehl zu geben, seine eigene Familie zu ermorden, um seinen Willen zu brechen.

Ein Ghul, dem zu lange Vitae vorenthalten wird oder dessen Domitor tot oder anderweitig verhindert ist, wird versuchen, sich seine Droge selbst zu beschaffen. Er wird Vampire angreifen, von denen er weiß oder mit denen er im Auftrag seines Domitors Kontakt hatte, und wenn er nicht an Vampire rankommt, wird er Menschen töten und deren Blut trinken - kein Ersatz für Vitae, aber in der Raserei des Entzugs das Einzige, was der Ghul noch tun kann. Kommt er trotz aller Versuche nicht mehr an Vitae heran, wird ihn - je nach Alter des Ghuls - wenige Tage bis Monate später die Zeit einholen und er wird binnen Stunden auf sein natürliches Alter voraltern - und möglicherweise daran sterben.

Ghule sind ihrem Besitzer völlig ergeben. Zwar ist ihnen irgendwie bewußt, daß sie abhängig sind von seiner Vitae und seinem guten Willen, aber trotzdem ist er alles, was sie sich im Leben erträumt haben. Sie beten ihn an und werden alles tun, um positiv aufzufallen - ein einziges freundliches Wort kann sie für Tage glücklich machen. Aber wehe, es gibt mehr als einen Ghul! Das Konkurrenzdenken zwischen Ghulen ist unvergleichbar. Zwar wird kein Ghul dem Eigentum seines Besitzers (in diesem Fall dem anderen Ghul) größeren Schaden zufügen, aber alles, was den Konkurrenten schlechter dastehen läßt, ist willkommen: Lügen, Diebstahl, Verleumdung, Manipulation, Intrigen - so lange es dem geliebten Blutgeber nicht schadet, etwa indem Geschäfte gestört werden, wird es angewandt. Toreador, Ventrue und auch Tremere nutzen diese Rivalität oft aus, um ihre Ghule einschätzen zu können oder sie in oft blutigen Ghulkämpfen zu verheizen.

Diese Rivalität kann sich auch gegen Childer im Haushalt des Besitzers richten, was für diese manchmal fatale Folgen hat - denn dem Ghul fällt es leicht, einfach mal tagsüber in einen Schlafraum zu spazieren und die Fensterläden zu öffnen!

Ghule im Sabbat


Die obenstehenden Ausführungen beschäftigen sich mit der Situation der Ghule in der Camarilla. Schon da sieht es für einen Ghul nicht rosig aus, richtig finster wird es für ihn aber im Sabbat. Der Sabbat hält wenig von Ghulen. Für die meisten Sabbatianer ist es reinste Blasphemie, Kains Blut an einen wertlosen Menschen zu verschwenden, ohne ihn zu erschaffen. Deshalb können Camarillaghule auch nicht gerade auf Nachsicht hoffen, wenn sie vom Sabbat gefangengenommen werden - wenn sie Glück haben, sterben sie schnell, nachdem ihnen alles, was sie über ihren Domitor und die Camarillagesellschaft wissen, rausgepreßt wurde. Wenn sie Pech haben... naja.

Lasombra und Tzimisce halten sich manchmal Ghule zu ihren ganz eigenen Zwecken und haben keinerlei Skrupel, sich fremde Ghule unter den Nagel zu reißen. So manchem Streiter für die Camarilla ist sein abhanden gekommener Bediensteter schon als Kriegsghul der Tzimisce wieder entgegengekommen, oder gleich als frischerschaffener Schaufelkopf im Dienste des heiligen Sabbat...

Spieltips für Ghulspieler


Da Ghule bei GiO selten über einen längeren Zeitraum gespielt werden, reicht es, mit dem Spieler des besitzenden Vampirs eine vernünftige Hintergrundgeschichte zu überlegen und sich Fragen wie "wie stehen die beiden zueinander, wann/wie/wo haben sie sich kennengelernt, wie behandelt der Vampir seinen Ghul, wie viel weiß der Ghul, was sind seine Aufgaben/Befehle?" zu beantworten. Da Ghule schon an sich einen Bruch der 1. Tradition bedeuten, sollten die Spieler sehr, sehr vorsichtig sein, was Andeutungen von Erpressung oder Veröffentlichung der Geheimnisse ihres Besitzers angeht! Kein Ghul ist unersetzlich, und ein nasses Grab in der Spree hat bisher noch alle daran gehindert, ihr Wissen für ihre eigenen Zwecke einzusetzen.

Bei normalen Sessions agieren Ghule als Saftschubsen, Zigarettenanzünder, Mantelträger und prinzipiell als Mädchen für alles, was Handlangerdienste und niedere Tätigkeiten angeht. Sie werden in den allermeisten Fällen nicht als Blutpuppe benutzt, da sich unter den Blutsverwandten das Gerücht hält, daß jemand, der von einem Ghul trinkt, ein Blutsband mit dessen Besitzer eingeht.

Bei Kampfsessions sind Ghule äußerst selten, da sie einfach nicht viel aushalten - einen Kopfschuß kann auch der älteste Ghul nicht heilen. Auch haben nur wenige Vampire wirklich kampfstarke Ghule, die dann aber auch mit großer Freude (und immerhin einer Kevlarweste) in die vorderste Reihe geschickt werden. Bestes Beispiel für einen solchen Ghul ist Richard Otto von Trutzfeld, jetzt Neonat des Clans Ventrue. Er hat sich seine Erschaffung weidlich im Kampf um Berlin verdient. Manchmal dienen Ghule bei Gefechten auch als mobile Tankstelle. Ausgerüstet mit einer möglichst großen Tasche voller Blutbeutel besteht ihre Aufgabe darin, die kämpfenden Vampire mit Blut zu versorgen. Doch wehe, solch ein Ghul fällt dem Feind in die Hände! Auch wird ihn sein treuer Dienst nicht davor schützen, im Notfall selbst leergetrunken zu werden - denn Ghule sind, egal wie nützlich und nett sie sein mögen, letzten Endes doch nur Gebrauchsgegenstände.
 

Kategorien: Spieltipps
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