BuchDerVentrue

Das Buch der Herrscher: Die Familie Ventrue


Die herrschende Familie der Camarilla, die "Familie der Herrscher", wird auch als Ventrue bezeichnet, das französische Wort für dickbäuchig, schmerbäuchig. Die Familie besteht zu großen Teilen aus Vertretern der Aristokratie.
Traditionelles Wappen des Clans Ventrue
Die Ursprünge der Familien sind den meisten Vampiren heute nicht mehr geläufig – zu sehr sind sie in die Tagespolitik und ihre eigenen kleinen Streitereien verwickelt, als daß sie sich um so etwas wie Ahnenforschung kümmern könnten. Einzige rühmliche Ausnahme sind wohl diese Aristokraten der Vampire, denen Abstammung alles bedeutet – oder besser bedeutete, solange sie als Nachwuchs noch Aristokraten, Fürsten und Adlige aus den sterblichen Reihen rekrutierten. Mit dem Aufkommen des Geldadels, dem Abstammung wenig bedeutet, ging auch das Verhältnis zur eigenen Ahnenlinie verloren. Dennoch werden die Vampire, die sich wirklich den Blaublütigen angehörig fühlen, auch heute noch mit Stolz ihre Ahnen verkünden, wenn sie sich vorstellen: Wichtiger als die Person ist die Familie, die Abstammung, denn sie zeugt von wahrer Größe.

Tradition ist das bestimmende Element des Familiencharakters, um sie dreht sich alles. Was mit dem Namen beginnt, hört noch lange nicht bei dem Anspruch die Führung zu übernehmen auf – nicht um der Macht willen sondern allein, weil es niemanden gibt, der dieser verantwortungsvolle Aufgabe besser gewachsen wäre. Aus der Tradition der Familie leiten sie eine größere Erfahrung und größere Weitsicht ab. Und tatsächlich sind die meisten Ventrue umsichtige Herrscher und Führungspersönlichkeiten, die die Interessen der einzelnen Untertanen und Untergebenen geschickt gegeneinander auszuspielen wissen, immer um der Stabilität und des Friedens willen.

So hat sich neben der konservativen Grundhaltung auch der Führungsanspruch als Element des Familiencharakters etabliert. Und auch wenn Ventrue sich als fähige Herrscher erweisen, die die Geschicke ganzer Domänen durch die Widrigkeiten vieler Jahrhunderte durchmanövriert haben, so mangelt es ihnen an dem Einfühlungsvermögen für einzelne Wesen.

Wie unser Pionier des Vampire-Live-Spiels, Andreas Schroth, schon ganz richtig erkannte, hat jeder Clan etwas zutiefst eigenes, etwas, was ihn von allen anderen Clanen unterscheidet. Oftmals läßt sich durch eine Beschreibung des Wahrnehmbaren eines Clans leicht erkennen, wie das Konzept zu verstehen sei. Wohl nirgendwo wie bei den Ventrue jedoch sollte man sich nicht an Äußerlich- und Oberflächlichkeiten orientieren. Ventrue erscheinen oft als arrogant, selbstherrlich und mit übersteigerten Führungsanspruch, wenn das Konzept des Clans Ventrue falsch verstanden wird.
Neuzeitliches Symbol des Clans Ventrue: das Zepter
Als erstes muß man verstehen, daß Ventrue Aristokraten sind --sicherlich vom Schicksal oder auch nur einem großen und weisen Herren auserwählt--, denen die Ansprüche an sich selbst weitaus wichtiger sind als die Ansprüche an andere: Sie sind mit sich selbst immer weitaus strenger als mit anderen, denn sie wissen, wer nicht sein eigener Herr ist, kann es niemandem anders sein. Ihr Führungsanspruch rührt nicht daher, daß sie Ventrue sind, sondern daher, daß sie es als eine Verpflichtung allen anderen gegenüber verstehen, daß der Beste, der Geeignetste das Ruder in der Hand hält. Sie legitimieren ihre Herrschaft damit, daß andere ihnen folgen, und nicht die Gefolgschaft damit, daß sie die Herren seien!

Ein weiterer weit verbreiteter Irrtum ist es, daß die Toreador die Ursache für Etikette und höfisch-höfliches Benehmen, gemeinhin Manieren sein. Vielmehr sind die Ventrue diejenigen, die sagen, wo es langgeht -- die Toreador biedern sich zumeist nur allzu bereit als diejenigen an, die die Wünsche umsetzen. Die Toreador treiben ein Spiel damit, sie perfektionieren, was die Ventrue vorgeben, um es dann genüßlich dazu zu benutzen, was es eigentlich verhindern sollte. Ventrue einerseits mögen nicht die Bösartigkeit mitbringen, um das Werkzeug der Etikette so meisterlich zu mißbrauchen, andererseits sind sie nicht so dumm oder gesellschaftlich unbedarft, daß sie es nicht erkennen, wenn es geschieht -- und doch lassen sie sich nicht zur Ermahnung herab, erweisen sich doch an dieser Stelle die Toreador als wahrhaft nützlich. Als leuchtende Vorbilder zeigen sie allein dadurch, daß sie es leben, wie sie sich den Umgang miteinander vorstellen.

Ein anderer Aspekt des Clanscharakters ist die Konservativität. Dabei ist die Motivation der Ventrue nicht unbedingt, an allem Alten festzuhalten. Vielmehr haben sie im Laufe ihres Unlebens schon sehr oft gesehen, wie etwas Neues, vermeintlich Großartiges doch nur gnadenlos scheiterte und alles schlimmer machte, als es zuvor war. Der Initiator solcher Innovationen jedoch drückte sich, die Verantwortung zu übernehmen. Die Ventrue wissen, daß sie ihre Schutzbefohlenen nicht mit den Konsequenzen einer überhasteten Tat allein lassen können, daß sie für ihre Taten in der Verantwortung stehen. Ihre Skepsis Neuem gegenüber besteht allein in einer Bedachtsamkeit, einem Abwägen der Vor- und Nachteile -- ein Prozeß, der einem Vampir schon langsam vorkommt, einem Sterblichen wohl aber gar als geistige Unbeweglichkeit. Die wichtigste Frage für einen Ventrue während der Abwägung lautet: Warum sollte ich etwas Funktionierendes ersetzen durch etwas, wovon ich nicht weiß, daß es tatsächlich besser funktioniert?

Eine weitere Auswirkung ihres hohen Anspruchs an sich selbst betrifft ihre Ernährung, die derart obsessiv ist, daß kaum einer sie zu verstehen in der Lage ist. Ein Ventrue trinkt nicht von allem! Jeder einzelne hat seine spezielle Sorte Blut, an der er sich labt und nur von ihr, einzig und allein weil in seinen Augen diese Sorte Blut das Beste ist, das Einzige, was einem wie ihm würdig ist -- und mit weniger gibt er sich nicht zufrieden. Tatsächlich sind Ventrue überhaupt nicht in der Lage, sich von anderem Blut als "ihrer Sorte" zu ernähren. Natürlich gibt es Blut, das noch besser ist -- doch so mutig, so verwegen sind allerhöchstens die Ältesten der Alten. Diese ernähren sich nur noch von dem Blut der Vampire und fürchten auch nicht die Bande des Blutes, da sie niemanden übriglassen, an den sie gebunden sein könnten.

 

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