CamarillaStatus

Camarilla-Status


Das Spiel mit dem Status in der Camarilla hat Auswirkungen in vielen weiteren Bereichen des Spiels an sich. Sicher kann man mit einfacheren Konzepten spielen, mindert das jedoch den gesellschaftlichen Druck auf das Individuum im Spiel. Sich vollständig auf das Konzept einzulassen, bedeutet auch für die Spielleitung ein erhöhtes Maß an Arbeit, da für ein sinnvolles Ständespiel die Verbindungen zwischen den Vampiren 'kompakter' gestaltet werden müssen. Eine hohe Fluktuation an Vampiren 'verdünnt' das Verbindungsnetz, das die Spielleitung aufzubauen gedenkt -- verantwortungsvoller Umgang mit dem eigenen Charakter und den Charakteren der anderen Spieler ist also geboten. Sogenanntes 'konsequentes Spiel' ist oftmals eigentlich eher weniger konsequent, gerade wenn 'konsequentes Spiel' die Vernichtung eines Vampirs herbeiführt: Vampire sind Feiglinge und hängen an ihrem Unleben, allein der Überlebensinstinkt sorgt schon dafür (s.a. Vampir-Instinkte) -- konsequent ist Spiel dann, wenn ein Vampir jede Erniedrigung inkaufnimmt, um seine Existenz zu erhalten.

Von ihren Anlagen her sind Vampire also wunderbar geeignet, in einer alten, verstaubten und unbeweglichen Gesellschaft zu enden, da ihre Gewalttätigkeit und Brutalität sich seltener gegen ihre Artgenossen richtet als vielmehr gegen Sterbliche -- vielleicht ist das sogar eine Art Kompensation, daß ein Vampir seine Aggressionen nicht ohne weiteres an seinen Artgenossen auslassen kann ("Ich mußte etwas Schönes kaputt machen!"). Einzig bei einer asymmetrischen Konfliktlage, wo eine Partei nicht nur bedeutend stärker als die andere, sondern gar die Stärkste im aktuellen Herrschaftsgebiet ist, wird der Stärkere seine Überlegenheit gegenüber den Schwächeren ausnutzen. Es ist schlichtweg Paranoia und das Trauma aus Anarchenrevolte und anschließender Inquisition, die dafür sorgen, daß die Aggressionen unter den Artgenossen sich aufstauen und bei mehr oder minder geeigneter Gelegenheit entladen. Und eine Gesellschaft, die von Vertretern lange vergangener Epochen dominiert wird, bietet viel Potential zum Aufstauen von Aggressionen und Frust.

Der Camarilla-Status eines Vampirs hängt mittelbar mit dem Renommée der mit diesem Charakter verbundenen Charaktere zusammen. In der feudal organisierten Gesellschaft der Camarilla ist das Prinzip der persönlichen Rechenschaft noch immer sehr lebendig. Einen Vampir eines bestimmten Status zu spielen, stellt an den Spieler hohe Anforderungen. Denn derjenige, der entschieden hat, diesen Vampir in diesen Stand zu erheben, muß mit seinem Urteilsvermögen einstehen -- hier greift die Rechenschaft in dem Sinne, daß das eigene Ansehen leidet, erwählt man jemanden zu einem Stande, für den der Charakter nicht bereit war.

Relevant ist demnach eigentlich immer diejenige Person, die den Vampir in den aktuellen Stand erhoben hat, allein Ahnen stehen außen vor, da einen Vampir als Ahnen anzuerkennen eine gemeinschaftliche 'Entscheidung' ist.

Wenn der Herr eines Vampirs diesen für ausreichend ausgebildet hält, so hat er die Möglichkeit, seinen Auszubildenden beim lokalen Souverän vorzustellen, um ihn zu legitimieren, in der Gesellschaft der Artgenossen unbeaufsichtigt wandeln zu dürfen. In einem Spiel mit funktionierendem Lehenssystem kann ein sehr fein abgestufter Vorgang der Legitimierung stattfinden, je nach den persönlichen Verhältnissen zwischen den Lehensnehmern und dem Herrn des jungen Knappen. So kann ein Lehensnehmer einem Vampir Legitimation zusprechen, die für sein Lehen und nur dort gilt -- für die gesamte Domäne kann nur der Souverän oder dessen autorisierter Stellvertreter dieses tun.

Wie sieht das aber aus, wenn jemand in eine andere Domäne reist, in das Reich eines anderen Souveräns? Das Wort, das Urteilsvermögen eines anderen, möglicherweise unbekannten Artgenossen kann hier nichts oder nicht viel gelten. Hier greift jedoch die oftmals persönliche Bekanntschaft zwischen Vampiren (zumindest in der Theorie -- die Spielleitung sollte dafür Sorge tragen, daß keine Souveräne ins Spiel kommen, die keinen oder kaum Kontakt in den Rest der Welt der Dunkelheit haben), wodurch ein Souverän entscheiden kann, ob er dem Urteilsvermögen seines Artgenossen trauen kann oder nicht. Kennt ein Souverän die Referenz seines Neuankömmlings nicht, dann muß er in seiner Sicht wie ein Illegitimer behandelt werden -- erzählen kann man viel und Vampire lügen dazu auch noch wie gedruckt.

Auch wenn es in Bezug auf Vampire paradox erscheinen mag, aber auf diese Art und Weise entsteht ein Netz von Vertrauen zwischen den Artgenossen. Oder vielleicht eher ein Netz der Anerkennung des Urteilsvermögens. Sicherlich spielen auch andere Gründe mit rein, z.B. wird man einen mächtigen Souverän nicht dadurch verärgern wollen, daß man jemanden von den eigenen Toren abweist, den besagter mächtiger Souverän freigesprochen hat -- dafür gibt es andere Lösungen, oder man setzt das sogar ganz bewußt als Provokation ein, wenn man glaubt, etwas dadurch gewinnen zu können.

Ein Freispruch ist aber mehr als nur eine Formalität in der Gesellschaft der Camarilla. Zeigt sich nämlich im Nachhinein die Uneignung des Freigesprochenen für die Gesellschaft, so zeugt das von schlechtem Urteilsvermögen des Souveräns -- und zerstört seine Autorität. Andererseits kann er keine allzu strengen Maßstäbe anlegen, denn er sprach die Erlaubnis einer Erschaffung aus. Er kann wohl schlecht zugeben, daß seine großzügige Erlaubnis an jemanden ging, der nicht zur Ausbildung geeignet ist. Und so wird er einen Mittelweg gehen und Genehmigungen bevorzugt denen erteilen, denen er eine Ausbildung zutraut, wohingegen er allen anderen es nur dann genehmigt, wenn es sich partout nicht mehr vermeiden läßt. Dennoch: Ein Neugeborener kann der Reputation dessen schaden, der ihn legitimierte.

Ähnliches läßt sich auch bei Ancillae beobachten. Abgesehen von der potentiellen Gefahr, die von einem mächtigen Neugeborenen ausgeht, müssen Ahnen auch berücksichtigen, ob sie mit der Erhebung dieses Neugeborenen zum Ancilla nicht ihrem eigenen Ruf schaden -- es kann nicht schaden, den Aspiranten zuvor ordentlich in die Schuld getrieben zu haben, auf daß man die Leine auch möglichst kurz fassen kann, wenn Bedarf besteht.

Verantwortung


Stände innerhalb der Camarilla sind eine Verkettung von Anerkennung des Urteilsvermögens unter Artgenossen. Damit geht einher, daß man nur diejenigen in einen Stand erhebt, von denen man annehmen kann, daß sie einem keine Schande bereiten. Umgekehrt verpflichtet man sich durch eine Erhebung in einen höheren Stand, dem Gönner nicht zu übel zuzusetzen. Eigensinn und Egoismus werden natürlich nicht durch Dankbarkeit ausgehebelt -- man sollte nur im Hinterkopf behalten, ob man demjenigen schaden möchte, der die Macht hatte, einen zu befördern.

Kinder (Knappen)


Als Kind ist man in der Camarilla-Gesellschaft nicht nur unmündig sondern auch zu beaufsichtigen. Da man nicht anerkannt oder freigesprochen ist, gilt man nur in Begleitung seines Herren etwas -- ansonsten gilt man gesellschaftlich als so wertvoll wie ein Mensch und kann jederzeit durch jeden straffrei vernichtet werden. Diese Verletzlichkeit ist es, die nahezu alle Vampire dazu bringt, ihre Schüler vor der Gesellschaft zu verbergen oder nur ausgewählten Verbündeten zu präsentieren, bevor sie zu ihrem offiziellen Debüt vor dem Souverän der Domäne geführt werden.

Neugeborene


Als Neugeborener hat man gegenüber seinem vorigen Stand exakt zwei Vorteile: Die Tradition der Vernichtung gilt für einen, man steht also unter ihrem Schutz und darf nicht mehr ohne weiteres vernichtet werden. Und man darf sich frei und unbeaufsichtigt bewegen. Tatsächlich bietet die Camarilla noch einen weiteren Vorteil: Durch die Anerkennung gilt die eigene Stimme bei Konklaven. Allerdings ist dieser Vorteil im Neugeborenen-Alltag eher vernachlässigbar.

Die persönliche Freiheit ist es schon eher, die diesen Stand ausmacht. Erst als Neugeborener hat man die Möglichkeit, sich frei unter Sterblichen und Unsterblichen zu bewegen und eigenen Geschäften nachzugehen. Seitens des eigenen Herren und des lokalen Souveräns wurde man für verantwortungsvoll und selbständig genug befunden, ohne Aufsicht Teil der Gesellschaft zu sein. "Teil der Gesellschaft" ist aber so zu verstehen, wie vorpubertäre Kinder Teil der Gesellschaft sind: Nicht ernstzunehmen, einzeln nicht gefährlich und schon gar nicht mit verantwortungsvollen Aufgaben zu betrauen.

Ancillae (Knechte)

Wenn ein Neugeborener durch Zuverlässigkeit und Befähigung auffällt, kann er in die Dienste eines Ahnen berufen werden, wo er Aufgaben geringerer Verantwortung übertragen bekommen kann. Durch die Berufung wird der Gesellschaft das Signal gesetzt, daß es sich bei dem Vampir um jemanden handelt, dem ein vollmündiges Mitglied der Gesellschaft, ein Ahn, von dem Zeitpunkt der Berufung an zutraut, Verantwortung für die Gesellschaft der Camarilla als Ganzes zu übernehmen. Er hat sich in seinem eigenen Handeln als umsichtig und gewitzt gezeigt, aber vielleicht auch schon den jüngeren Vampiren das eine oder andere Mal unter die Arme gegriffen und unter ihnen eine gewisse Reputation erlangt, sowie den Ahnen damit Arbeit abgenommen.

Ancillae werden von einem Ahnen berufen, dem sie zuarbeiten und der sie auch fordert. Ihre gesellschaftliche Position leitet sich damit aus ihrem Ahnen ab. Es gibt Interpretationen, wonach Neugeborene von Ahnen einfach zu Ancillae ernannt werden, ohne weitere Verpflichtungen daraus aufgebürdet zu bekommen, doch mangelt es diesen Interpretationen zumeist an Überlegungen über den gesellschaftlichen Aufbau der Camarilla und verführen zu einem Spiel, wo die gesellschaftliche Legitimation dieses Standes in den Hintergrund gerät, wobei gerade diese Legitimation eine Menge an Spiel zwischen den Charakteren hervorbringen kann. Aus dem Spannungsfeld zwischen Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft im kleinen Maßstab, gegenüber dem Ahnsherren und dessen Agenda und dem Verständnis für die Fehlbarkeit der jüngeren Artgenossen resultiert eine prekäre Situation für den Ancilla, wo er teils konträre Positionen miteinander vereinbaren können muß.

Bevor der Eindruck entsteht, Ancillae seien die wohlwollenden Hüter des Neugeborenengartens, sollte der Blick darauf gelenkt werden, daß es sich bei Vampiren, gerade den Älteren, sehr häufig um verbitterte und desillusionierte Wesen handelt, deren grundsätzliche Motivation aus Überleben und einem größeren Stück vom gesellschaftlichen Kuchen besteht. Sie sind paranoid und ängstlich, sich der Fragilität ihrer Existenz sehr genau bewußt und nicht willens, ihre Existenz für die Dummheiten und den Leichtsinn verantwortungsloserer und unerfahrenerer Vampire aufs Spiel zu setzen. Ancillae arbeiten weniger aus Idealismus bezüglich ihrer verantwortungsvollen Position als vielmehr aus purem Eigennutz.

Ahnen


Auch wenn die Anhänger der Camarilla zu großen Teilen aus Neugeborenen besteht und formal allen Vampiren gleichen Wert zuweist, so sind die Ahnen doch die politischen Schwergewichte, die nur ihresgleichen als angemessen finden, mit ihnen über Dinge von Wichtigkeit zu verhandeln. Es waren die Ahnen gewesen, die die Traditionen abseits der Maskerade der Camarilla ins Gründungsmanifest geschrieben haben, um ihre Macht zu erhalten. Die Ahnen sichern mit ihrer persönlichen Macht, ihrem Einfluß in der sterblichen und in der unsterblichen Welt und ihrer Jahrhunderte umfassenden Erfahrung den Fortbestand der Art als Ganzes sowie ihre eigene privilegierte Stellung in der Gesellschaft.

Auf der anderen Seite sind es auch die Ahnen, deren Ansprüche so übermäßig sind, die im stillen Kampf um ein größeres Stück vom Kuchen verstrickt. Das Ego eines Vampirs muß sehr fest sein, um über Jahrhunderte die eigene Existenz aufrechtzuerhalten, und so wundert es wenig, daß ein starkes Ego auch starke Eigenheiten entwickelt und eine geringe Toleranz für Abweichungen von den eigenen Ansprüchen. Ahnen haben alles gesehen, alles erlebt, alles gehört; sie haben sich Frechheiten bieten lassen, Demütigungen, Drohungen, Erpressungen -- und sie sind nicht mehr bereit, irgendetwas dahingehend hinzunehmen, was auch nur annähernd den Verdacht aufkommen lassen könnte, sie würden nicht respektiert. Ahnen haben einen langen und anstrengenden Weg hinter sich, um dahin zu kommen, wo sie jetzt sind; sie haben Opfer gebracht, die die jüngeren Vampire nicht ermessen können. Jeder einzelne hat sich aber auch der Verantwortung für den Arterhalt gestellt, er hat sich als Gegner erwiesen, den man achten und fürchen muß -- die etablierten Ahnen hatten also gar keine andere Wahl, als den Artgenossen als einen der ihren zu akzeptieren.

Ahnen stellen effektiv die Patriarchen der Camarilla dar. Sie machen die Politik der Artgenossen, sie treffen die Entscheidungen. Im Vergleich zu den Jugendlichen der Neugeborenen und Ancillae nehmen sie die Rolle der Familienväter ein, sie geringschätzen die Neugeborenen und Ancillae als viel zu verantwortungslos und unerfahren, um in der Gesellschaft wichtige Positionen einzunehmen, wobei Ancillae Potential zeigten, das Ahnen in die rechten Bahnen zu lenken beabsichtigen, indem sie sie mit Aufgaben geringerer Verantwortung betrauen.

Etikette


Bei der Vorstellung interessiert nicht die Abstammung, wenn auch einzelne Familien darauf großen Wert legen. Wichtiger ist, wer für den eigenen gesellschaftlichen Stand bürge. Damit ist klar, daß nur der letzte in der Kette eine relevante Information darstellt. In den Fällen, wo der Vampir nach seinem ersten Freispruch umgezogen ist (was eigentlich eine Ausnahme darstellen sollte), kann er sich als Untertan seines Souveräns vorstellen, andernfalls steht es dem Neugeborenen frei zu sagen, er sei freigesprochen durch den Souverän oder ein Untertan ebendessen. Und so geht es dann auch mit dem Stand der Ancillae weiter: Weder Erschaffer noch 'Freisprecher' interessieren, sondern derjenige, der einen für geeignet hielt, Aufgaben von geringerer Verantwortung zu übernehmen.

 

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