Dschihad

Dschihad


Dschihad, جهاد, arab. für "Anstrengung aller Kräfte" gemeinhin als "heiliger Krieg" übersetzt, heilige Bemühungen. Auch: Jihad, Jyhad, Djihad

Der Dschihad, der mythologische Kampf zwischen den Ältesten der Vampire unter Einflusnahme auf alle und Manipulation aller, die nach ihnen kamen. Es ist wie die Frage nach der Henne oder dem Ei, es gibt keine eindeutige Antwort, ob Vampire einfach nur verflucht sind, Übel zu verbreiten, und deswegen intrigant, tückisch und boshaft wurden, oder ob Bosheit und Verkommenheit der Vampire letztlich zu einem Fluch wurden, der ihre Art über Jahrtausende verfolgte und nicht von ihnen abließ.

Der Ewige Dschihad ist die Fortführung der Streitigkeiten und Zwiste der Vorsintflutlichen durch die Nachgeborenen. Vor Ewigkeiten haben sich diese ältesten aller Vampire derart zerstritten, dass sie einander nichts mehr gönnten, und erwarten, irgendwann in ihrer unendlichen Existenz einmal die Oberhand zu gewinnen.

Für Spielleitungen ist es ein leichtes, Wandlungen im Verhalten, Brüche in der Charakter- oder Spielweltlogik mit Einflussnahmen der Methusala, der uralten Vampire der 4. und 5. Generation, in der Rückschau zu erklären. White Wolf sieht sogar explizit vor, dass diese Vampire derartigen Einfluss ausüben und seitens des Spielleiters dafür benutzt werden können.

Im Vampire-Live käme dadurch aber nur eine Eskalationsspirale in Gang. Es ist auch oftmals nicht notwendig, irgendwelche wie auch immer geartete übernatürliche Einflussnahme zu postulieren, um den Fortgang des Dschihads mit seinem fatalen Hang zur sozialen Zersetzung zu gewährleisten.

Missgunst, Neid, Unnachgiebigkeit, ein langes Gedächtnis und Selbstbezogenheit allein reichen vollkommen aus. Sogar noch besser: Der Dschihad erschafft sich seine eigene Basis, indem Vampire sich in einer vom Dschihad geprägten Gesellschaft lernen müssen sich zu behaupten und selber zu den egozentrischen und missgünstigen Kreaturen werden, gegen die sie sich behaupten mussten. Versuche, diesem Teufelskreis zu entkommen, werden regelmäßig vom Dschihad selber zerstört -- nicht mal bewusst und absichtlich, allein durch geringste Kontakte, wo der freie Geist vergiftet wird, und dieses Gift über einen langen, langen Zeitraum von Jahren und Jahrzehnten wirken kann.

Das Ergebnis ist jedenfalls das gleiche: Einst junge und ehrgeizige Wesen sahen die Gabe der Unsterblichkeit als Chance zur Verfolgung hoher ideeller Werte. Dann gerieten sie in die Zwistigkeiten, die Konkurrenz zwischen denen, die zu dem Zeitpunkt schon alt waren. Die Jungen wurden instrumentalisiert, ihrer Ideale beraubt und zu verbitterten Abbildern ihrer selbst. Es ist kein Wunder, dass sie eines Nachts den Entschluss fassten, sich zu nehmen, was ihnen in den Intrigen, Ränken und Kabalen genommen wurde, und so wurden wie die, die sie zu dem gemacht hatten. Diese Vampire sind heute alt und verfahren mit den Jungen, wie einst mit ihnen verfahren wurde.

Alle Macht geht vom Volke aus


Der Dschihad erfuhr einen kräftigen Dämpfer, als junge Vampire sich nicht länger instrumentalisieren lassen wollten und sich gegen die Unterdrückung durch die Alten zur Wehr setzten. Die Anarchenrevolte war der erste und wirkungsvollste Versuch, die Vorherrschaft des Alters zu brechen. Die Anarchen hätten mit Sicherheit Erfolg gehabt, wenn nicht die Sterblichen angefangen hätten, die untoten Kreaturen zu verfolgen und zu vernichten.

Zumindest teilweisen Erfolg hätten sie gehabt, denn in einem Punkt scheiterten bislang alle Versuche, an der Gesellschaft der Kinder Kains etwas zu ändern: Ihre Verderbtheit machte sie stets wieder zu dem, was sie einst bekämpft hatten. Und so wiederholte sich die Geschichte immer wieder.

Der Sabbat entstand wie die Camarilla aus dieser größten Niederlage, die den Vampiren durch den Eingriff der Sterblichen zugefügt wurde, und doch trägt er auch den Fluch weiter mit sich herum, untereinander beständig Streit mit allen Mitteln zu suchen, den Ewigen Dschihad. Selbst das Bewusstsein, Opfer, Figur oder Marionette im Dschihad sein zu können, schützt nicht davor, es zu werden. Die Paranoia davor selbst ist es, die einen Vampir ständig wieder in die Wirren dieses jahrtausendealten Zwistes führt, wo nur die Protagonisten beständig ausgetauscht, von Opfern zu Tätern werden, und doch die gleichen Taten vollführen.

So verlogen und intrigant das Unleben in der Camarilla auch sein mag, sie gibt sich nicht den Anschein, gerecht und fair und wahrhaftig zu sein.

Manipulation


Es erfordert keinen Kain, der über die Macht des Fluches das Schicksal seiner Nachkommenschaft manipuliert, nicht einmal die sagenhaften Vorsintflutlichen oder andere schlafende Ungetümer -- allein die Präsenz alter Vampire, die jetzt, wo sie selbst alt und mächtig sind, Rechnungen begleichen wollen aus Zeiten, wo sie gezwungen wurden, Stellung zu beziehen, sich in Schuldverhältnisse begaben und für ihre Entscheidungen abgestraft wurden, reicht dafür aus. Wichtig dafür ist jedoch, dass das Verhältnis zwischen diesen Monstern ausgearbeitet ist, wie Konkurrenz zwischen aktiven alten Charakteren aussehen könnte. Wichtiger also als ein geniales, persönliches Konzept ist immer, Möglichkeiten Platz einzuräumen, wie Charaktere zueinander stehen können.

Überleben


Die Goldene Regel lautet: Es gibt keine unbeschriebenen Blätter unter den Vampiren.

Selbst Neonaten sind mindestens durch ihre Abstammung, besser jedoch noch durch Händel, die ihnen einst den Start ins Unleben ermöglichten, in dieses Spiel eingebunden. Das Unleben ist kein Zuckerschlecken, es ist grausam, dadurch verstärkt, dass alle, die einem gleichen, erbitterste Konkurrenten um die knappen Ressourcen wie Anerkennung oder Blut sind. Oder -- Unauffälligkeit in der sterblichen Welt. Hinzu kommt, dass Vampire feige sind -- nur die, die an ihrem Unleben fast bis zur Selbsaufgabe hängen, können in diesem Spiel länger bestehen, der Rest wird das Sonnenlicht suchen. Leben gilt unter Vampiren als das höchste Gut schlechthin. Einen Vampir zu töten, ist eine ihrer größten Sünden, die keiner leichtfertig begeht, um die eigenen Feinde nicht zu ermutigen, selbst derart vorzugehen -- es würde in einem furchtbaren Blutvergießen enden. Ein Unsterblicher hat im Gegensatz zu einem Menschen sehr viel mehr zu verlieren als ein kurzes Menschenleben, nämlich die Ewigkeit. Der Tod als ultima ratio ist ein vorsichtig einzusetzendes Mittel, das dann aber auch entsprechend zelebriert werden muss, um dem genannten Wert in der Welt der Dunkelheit gerecht zu werden.
 

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