GiO20070831

31.08.2007: "Glaubensbekenntnis"


Einladungstext


Sehr geehrte Damen und Herren,

John F. Kennedy, der große US-amerikanische Präsident, dessen Todestag sich in diesem November zum 44. mal jährt, hat mit einem seiner wohl berühmtesten Bon Mots, das auch als Epitaph sein Grab ziert, einst eine aufrüttelnde Aufforderung an die Bevölkerung seines Landes gerichtet:

"Fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann, fragt was Ihr für Euer Land tun könnt."

Fragen wir uns also, was wir tun können, wenn unser "Land" Hilfe braucht, ... denn das tut es. Denn in den vergangenen Wochen wurde unser Lebensraum, unsere Seinsphilosophie, unser ganzes Existenzkonzept immer und immer wieder auf eklatante Art und Weise in Frage gestellt, durch Halsstarrigkeit, durch Dummheit, durch Dreistigkeit, die sich als attraktive Nonchalance mißversteht.

Wie einige dieser Hitzköpfe und Demagogen, mag ich vieles an diesem System auch nicht, würde mir oft sehr viel mehr noch Luft machen wollen, als dies in fehlgeleiter und grundweg eitler Rebellion getan wurde.

Aber ich muss sie nicht mögen, um an sie zu glauben.

Ich glaube daran, dass der Frieden einen Preis hat. Das unsere fortgesetzte Existenz einen Preis hat. Das die relative Sicherheit der Menschen im Großen und Ganzen unter unserer Aegide, anders als in sagen wir einmal alternativen Gesellschaftsentwürfen, nur durch kontinuierliche Opferbereitschaft gewährleistet ist. Die Camarilla, dass sind wir, dass ist unser Wunsch, bei aller Niedertracht, doch mehr zu sein, als nur unser bestialischer Impuls.

Es geht schief. Es läuft falsch. Ja, natürlich. Die inneren Vorgänge unserer Nachtgesellschaft, Räder in Rädern, sind alles, was man ihnen vorwirft, und Schlimmeres. Aber jede Nacht, die wir leben, die wir in Ruhe unserem Sein fröhnen können, ist ein stiller Beweis, dafür, dass das Konzept bewährt ist und funktioniert. Das es wert ist, den Preis zu zahlen und manchmal über den immensen Schatten des eigenen Egos zu springen.

Leider ist der Preis des Friedens oft viel deutlicher, als das Wohl, dass durch den Frieden gestiftet wird. Wie oft lästert man über das System, indem man lebt, zudem man beiträgt, ohne zu realisieren, dass man ohne das kritisierte System wahrscheinlich gar nicht erst an einem Tisch sitzen wurde? Wie oft schweigt man und schaut weg oder lacht gar, wenn durch scheinbar harmlose Gesten und Worte, deren gesellschaftliche Tragweite oft zu spät ins Bewußtsein kommt, an den Grundfesten unseres Lebens gerüttelt wird?

Ich weiß, ich tue es, immer und immer wieder.

Aber ich bin ein Vampir und würde, wie einst, jederzeit das Leben über den Tod wählen. Ich bin ein Anhänger der Camarilla und würde, wie einst, immer wieder die Camarilla jedem anderen Konzept vorziehen.

Ich möchte jeden Ancilla und Neonaten dieser Domäne, der sich ähnlich fühlt, der sich zu unserem geliebt-verhassten kleineren Übel bekennen kann und will, der den Preis bezahlt hat und immer wieder bezahlen wird, dazu aufrufen, sich mit mir an diesem Freitag abend ab Sonnenuntergang auf dem Wasserturm im Prenzlauerberg gemeinsam zu bekennen. Zeugnis abzulegen. Mahnwache zu halten. Mahnwache klingt pathetisch, aber in schwierigen Zeiten, sollte man sich von nötigen großen Worten nicht schrecken lassen.

Denn so pathetisch, wie das Wort ist, so schwierig sind die Zeiten. Dessen sind wir uns alle bewußt. Wir, die kleinen Lichter, die schweigende Masse, müssen ein Zeichen setzen, nicht durch Strafen, nicht durch Ächtung, ja selbst nicht durch große Reden (wie diese ironischerweise natürlich versucht, eine zu sein). Wir müssen zusammenkommen und durch bloße Anwesenheit, denen, die durch Leichtsinn wohlinszenierte Demagogie oder geplante Gewalt unsere Freiheit, unseren Frieden auslöschen wollen, demonstrieren: Wie sind hier. Wir sehen nicht weg. An uns kommt Ihr nicht vorbei. Die Masse schweigt nicht länger.

Glauben Sie nicht an die Macht der Symbole, so können Sie immer noch hoffen, einfach einen schönen Abend mit ihren Artverwandten zu erleben. Glauben Sie an Symbole, dann wissen Sie, dass selbst die belangloseste Konversation wertvoll ist, wenn sie zwischen Individuen stattfindet, die aus einem gemeinsamen Motiv gekommen sind.

Ich glaube an die Macht der Symbole. Ich glaube daran, dass Zeichen die Welt besser und nachhaltiger verwenden können, als jede Kugel, wenn Individuen mit Herz und Hand dahinter stehen. Ich hoffe darum, dass tatsächlich einige von Ihnen kommen; immerhin sind wir alle Nutznießer der Gesellschaft, die gerade mit Füßen getreten wird.

Im Notfall stehe ich dort auch eine ganze Nacht lang alleine.

Aber das glaube ich nicht.
Denn ich glaube an Sie.
Denn ich glaube an die Camarilla.
Und das tun Sie doch auch.

Mit Winston Churchills Worten,

"Der Preis des Friedens ist die ewige Wachsamkeit",

Ihnen eine gute Nacht,

Aristide Gillette,
Neonate des Clans der Gelehrten.

 

Kategorien: Sessionankündigung
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