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01.12.2007: Die große Traurigkeit


In einer kalten Winternacht lädt Julian Jascheroff von Calenberg dazu ein, einen Moment mit ihm zu verweilen und zu schweren Klängen der großen Traurigkeit Tribut zu zollen ...

Einladungstext

Die Krähen schrei'n,
und ziehen schwirrenden Flugs zur Stadt.
Bald wird es schnei'n;
weh' dem, der keine Heimat hat!
--Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900)


Werte Bürger der Domäne Berlin-Potsdams,
Stadt und Land des Hans Kohlhase,

so wie die Nächte immer länger werden, wird die Luft immer kühler und der grimme Nordwind weht die goldbunte Pracht des Herbstes von den Bäumen. Das Leben selbst scheint finstrer und kälter zu werden und die Sterblichen ziehen sich mehr und mehr in ihre behaglichen Refugien zurück, um dem Schneid des Winters zu entgehen. Bald schon erstrahlen die Fenster in hellem Glanze und leuchten ein Licht in die Nacht und mahnen einen jeden einsamen Wanderer sich zu wappnen und schnell auch das heimische Feuer aufzusuchen. Wohl dem, der eine Heimat hat!

Gewiß, unsere Art ist von der Kälte unberührt, man mag sie als unangenehm empfinden, körperlich schaden tut sie uns jedoch nicht. Und doch, sind wir nicht genauso Sklave des Winters und seiner Kälte? Gilt es nicht den glimmenden Funken des Herzens sicher durch das dunkle Tal der langen Monate zu tragen? Bedrückt uns die Schwermut, die Einsamkeit in der Kälte nicht ebenso wie die Sterblichen?

Sicher gibt es den ein oder anderen eisernen Monsieur, eine kristallgefrorene Dame, die sich dieser Unterstellung heftigst zu erwehren weiß und diese Dinge den Sterblichen vorbehält. Jene Individuen ohne offensichtliches Gefühl, kalt und hart und starr geworden durch die Eigenarten unserer Art, sind zu bemitleiden, haben sie sich doch letztlich selbst aufgegeben. Die anderen Gestalten unserer Gesellschaft, deren Herzensflamme hell erstrahlt von ihrer Leidenschaft, die sind's die ich mir gern zu meinen Gästen für den kommenden Samstag, den 1. Dezember erwählen möchte.

Kommen Sie ab 20:30 Uhr in die von mir gemieteten Räumlichkeiten des Jugendklub Koca Tagungszentrums und lauschen Sie mit mir den schwermütigen Tönen des Winters, begeben wir uns auf eine musikalische Reise voller Tiefsinn, es mag bedrückend werden, die Mediziner unter Ihnen mögen sagen depressiv, aber auch die große Traurigkeit, welcher wir an diesem Abend huldigen wollen, ist ein Teil unserer Existenz, des Lebens selbst und nur, wer sie nicht fürchtet sondern ihr den nötigen Respekt erweist, wird sie meistern können.

Ich bitte Sie also, suchen Sie sich einige Ihrer schönsten Platten für die Winternächte aus ihren Schränken, ergreifendes, schwermütiges, pathetisches Machwerk! Und wenn Ihnen die Verzweifelung und die Trauer nicht liegen, Sie sie noch fürchten, so bringen Sie halt die Platte, welche es Ihnen ermöglicht aus der finsteren Falle des Winters zu entkommen und wieder frohen Mut zu schöpfen!

Reden wir! Trinken wir! Lauschen wir! Tanzen wir! Lassen Sie uns, ganz ähnlich den Sterblichen, gemeinsam an ein Kaminfeuer rücken und den Winter einläuten und durch unsere Gesellschaft erträglich machen! Um Ihnen meinen guten Willen zu zeigen, werde ich einige meiner wertvollsten Schätze mit Ihnen teilen!

Ich bin neu in die Stadt gezogen gekommen und habe noch kaum Gelegenheit gehabt, einen jeden von Ihnen kennenzulernen. Dies will ich mit dieser Invitation gerne nachholen. Ich bin nicht gern in einer Stadt, die meine neue Heimat sein soll, ohne jemanden zu kennen. Ich nehm es mit Nietzsche: 'Weh' dem, der keine Heimat hat!'

So verbleibe ich in der Hoffnung, Sie möglichst zahlreich als meine Gäste begrüßen zu dürfen!


Amans amens!

Julian
aus dem Clan der Gelehrten

 

Kategorien: Sessionankündigung
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