Klischees

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Klischees und Vorurteile


Rollenspieler sind Satanisten, trinken echtes Blut, schänden Friedhöfe und Jungfrauen (bevorzugt gleichzeitig), quälen Katzen und kleine Kinder ...

Solchen Vorurteilen begegnet man fast überall, wo die Sprache auf Rollenspiel und Vampire-Live kommt. Es ist mühsam, immer wieder von vorne zu erzählen, daß der durchschnittliche Rollenspieler Jura- oder Psychologiestudent ist, ein geregeltes Einkommen hat (oder Eltern mit einem solchen), eine Wohnung, einen Freundeskreis, Familie -- kurzum, ein völlig normaler Mensch ist.

Auch die Frage "Und was macht ihr da?" wird oft gestellt. Die meisten erklären Live-Rollenspiel mit "Improvisationstheater", was es ja genaugenommen auch ist (wenn auch mit etwas ungewöhnlichen Regieanweisungen).

Die SL bei GiO ist nicht nur für die Bewilligung von Charakteren zuständig, sondern auch für eine gewisse Vorauswahl potentieller Spieler. Es ist wohl eher unwahrscheinlich, daß ein Hardcoregrufti mit satanistischen Anwandlungen bei uns überhaupt über das erste Gespräch mit der SL hinauskommt. Keiner der zur Zeit aktiven Spieler hat bisher die Neigung zu Blasphemie, Schändung oder Sadismus erkennen lassen.

Nein, wir trinken kein echtes Blut. Sollte jemand auf den Gedanken kommen, einen Mitspieler willkürlich zu verletzen, dann wird dieser Jemand nicht nur keine weitere Session bei GiO erleben, ein Gespräch mit der Polizei ist mindestens auch noch drin. IT ist zwar alles, was ein Vampircharakter trinkt, per definitionem Blut (außer, der Spieler sagt deutlich, daß dem nicht so ist), OT ist es aber Kirsch- oder Traubensaft, Rotwein oder ähnliches.

Keine GiO-Session fand jemals auf einem Friedhof statt und wird es auch nie, schon allein, um Polizeieinsätze wegen Störung der Totenruhe o.ä. zu verhindern. Abgesehen von diesem äußerst pragmatischen Grund gibt es auch genug Spieler, die sich schlichtweg aus Pietät oder Unrechtsbewußtsein weigern werden, auf Friedhöfen oder abgesperrten Grundstücken zu spielen. Wo unsere Sessions üblicherweise stattfinden, kann man unter "Spielorte" sehen.

Kurzum: die o.g. Klischees sind nichts als Vorurteile, die durch die Presse regelmäßig entweder geschürt (v.a. durch Nennung der Verbindung "Rollenspieler - Satanisten - Mörder") oder ins Lächerliche gezogen (Obertussielfen beim Camping im Grunewald) werden. Mit der Zeit entwickeln wohl die meisten Rollenspieler eine gewisse Hemmschwelle, Fremden von ihrem Hobby zu erzählen, so lange diese nicht zumindest potentielle Neuspieler sind. "Ich bin in so einer Gruppe für Improvisationstheater" ist wohl dann die häufigste Antwort auf Fragen nach Hobby und Zeitvertreib.
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