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Neshaid Hakim Al-Assam


Ich bin ein Kind der Neuzeit, geschaffen einzig und allein, um Haus und Clan um die Fähigkeiten zur Verwendung digitaler Techniken zu bereichern. Mein Vater war integriert, bevor dieses Wort Mode wurde; ich bin demokratisch, liberal, abendländisch erzogen worden, nicht einmal die Sprache meines Vaters spreche ich. Und jetzt muß ich mich in dem wohl reaktionärsten Teil der vampirischen Gesellschaft behaupten. Bislang war ich Haus und Clan nützlich, aber wie lange noch? Trotz allem ist mir diese Existenz mittlerweile zu wertvoll, zu einzigartig; ich habe Dinge gesehen und erlebt, von denen ich niemals geglaubt hätte, daß sie existieren. Warum sollte es mir nicht auch wie allen anderen Tremere gelingen, meinen Platz zu finden, um weiterhin all diese Wunder zu erforschen?

Neshaid Hakim Al-AssamNeshaid Hakim Al-Assam läßt sich immer Hakim rufen; eine Angewohnheit aus Kindertagen, da den deutschen Spielkameraden und deren Eltern 'Hakim' als Name eines arabischstämmigen Kindes einfacher über die Lippen ging. Aufgewachsen ist er im Ruhrpott, Bochum, wo er auch von seinem Erschaffer gefunden wurde.

Hakim ist äußerst jung -- oder äußerst naiv. Seine Sicht auf die Gesellschaft der blutsaugenden Monster erscheint ihm selbst zuweilen unklar und verschwommen, als wollte er keine allzu tiefen Gedanken mit diesem Thema verbringen. In seiner Welt zählen die Emoticons seiner Chat-Partner mehr als die wollüstig zuckenden Lippen der Verführerinnen, denen er sich in vampirischer Gesellschaft ausgesetzt sieht -- ob als Zuschauer oder als Opfer ihrer Begierden. Seine Technik ist ihm oftmals angenehmere Gesellschaft als irgendein Wesen, ob lebend oder unlebend. In den letzten Monaten hat er den Fokus seiner Interessen jedoch von Elektronik hin zu Chemie und Alchimie verschoben und bastelt an einem Vitae-Substitut mit bislang bescheidenen Erfolgen.

Im gesellschaftlichen Umgang ist er immer wieder übermütig, unbeholfen und erfolgreich zugleich. Er glaubt gerne, daß er mit ein wenig social engineering die meisten Situationen schon gemeistert kriegt, ist sich aber nicht der Finesse seiner Artgenossen bewußt. Er leidet recht stark unter dem Mißtrauen, das allen Tremere entgegengebracht wird, was ihn immer wieder zu zynischen Kommentaren verleitet; er wird wohl noch lernen müssen, daß Tremere in der Gesellschaft nicht die Rolle der sympathizer einnehmen.

Hakims Position ist in den heutigen Nächten, wo Computertalente überall und an jeder Ecke zu finden sind, gefährdeter denn je. Seine frühere Einmaligkeit ist zu einer Beliebigkeit verkommen, und er steht vor der Entscheidung, seine Leichtlebigkeit, seine kultivierte Verantwortungslosigkeit einzutauschen gegen Engagement im Clan, Eigeninitiative -- und Unterordnung.



Hakims sterbliche Überreste

Plötzlich. Unerwartet. Endgültig.

Neshaid Hakim Al-Assam fand den endgültigen Tod in den Unruhen nach der Hofhaltung von Fürst Kohlhase am 20.7.2013. Kein Zeuge weiß zu berichten, wie es geschehen sein mag, aber sein übel zertrümmerter Körper wurde im Anschluss aufgefunden.

Mit der Vernichtung von Hakim endet mein Spiel bei GiO, dass ich volle zehn Jahre begleitet und wohl auch maßgeblich beeinflusst habe. Für die Hofhaltung hatte ich mir für Hakim vorgenommen, wahlweise mit einem Thron oder tot zurückzukommen. Da ersteres eher unwahrscheinlich wahr, wollte ich zur Hofhaltung nicht auf Nummer Sicher gehen, sondern eine charakterfatale Situation selbst herbeiführen. Es kam, wie es kommen musste: Ich musste keine solche Situation finden –– sie fand mich. Und da war es vorbei mit Hakim. Gegenüber der Vernichtung vom Gramont verspürte ich hierbei tatsächlich eher Freude und Erleichterung. Hakim habe ich 9 der 10 Jahre von GiO gespielt und mit ihm ca. 120 bis 150 Sessions besucht. Er war ein schnafter Kerl. Ich werde ihn vermissen, aber es war Zeit zu gehen. Mein Dank gilt all den Spielern, mit denen ich in all den Jahren die wechselreiche Geschichte von Hakim bespielen konnte – seine Zeit im Magistrat, sein Jahr im Schweigen, seinen Abend zur Prophetie, seine Rolle als Aufklärer im Kampf gegen Sabbat und Freie Gangrel sowie danach als inoffizieller Doyen der Berliner Gesellschaft, in der er nie wirklich zuhause war. Hakim war ein Anarch, ein Tremere-Anarch.

Und Hakim dankt all denen und lässt sie grüßen, die ihm im Laufe der Jahre auf die eine oder andere Art ans Herz gewachsen waren: Liane, Sophie-Madeleine, Angelique, William, Tzemeck. Richard und Bea. Viktor, Rudolf und Ginger. Luisa, Larissa und Dante. Die Gebrüder Ejov. Igor und Jonathan. Jester und Medea und Fabian. Doro und Cailean. Hakim ist jetzt bei Aristide und Vera, bei Wilhelm und Mathieu, bei Torben und Juri. Und sie prosten den Lebenden zu.
 

Kategorien: Charakter, Tremere, Camarilla
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