TageBuch20060210

10.2.2006: Uneingeladene Anarchisten und Panik in Marzahn


Vera Corrêa hatte ins G 8/2 geladen, das schon seit Jahren in Brujahhand war und uns bisher immer ein willkommenes Fleckchen bot, an dem wir die Maskerade mal nicht so ernst nehmen mußten. Leider hat sich das seit dem Weggang von McGregor deutlich geändert. Aus der Kneipe, in der niemand Fragen stellt, wenn mal eine Pistole auf dem Tisch liegt, ist ein Treffpunkt für menschliche Anarchisten und Linksgedrehte geworden. Wir saßen äußerst unbehaglich herum und spürten unwillkommene Blicke, wo wir gingen und standen. Besonders irritierend muß es für Aristide Gillette gewesen sein, der nicht nur von einem anarchistischen Radiosender, sondern auch heftigem Liebeskummer wegen Beate Güldenberg geplagt wurde. Zwar war es wohl kein Glück, aber immerhin eine willkommene Ausrede, als ein Anruf kam, der Ruben Alexander Carrol, Alara Cunningham und Aristide an ihre Pflichten als Häscher erinnerte und Vera einen Anlaß gab, sich wieder erfreulicheren Dingen zuzuwenden.

Zeitungsmeldungen


Schon interessant, was die Zeitungen so zu berichten wissen ...

Wahnsinn in Marzahn?

Berlin, 10.Februar. In der Nacht von Freitag auf Samstag liefen die Drähte bei der Feuerwehr und der Polizei in Marzahn heiß. Ungewöhnlich viele Anwohner meldeten Selbstmordversuche, Herzrasen und -infarkte sowie Panikattacken. Zwei junge haben gar aus bislang nicht geklärten Motiven heraus den Sprung von Hochhäusern gewagt. Jede Hilfe für die beiden kam zu spät.

Drei weitere Selbstmordversuche konnten jedoch verhindert werden. Die betroffenen Personen konnten durch beherztes Eingreifen von Verwandten, Freunden und schlußendlich auch der Polizei von ihrem Vorhaben abgebracht werden. Sie wurden noch in der gleichen Nacht zur psychologischen Betreuung in das Unfallkrankenhaus Marzahn gebracht, wo sie bis zu der Vernehmung durch die Polizei untersucht werden.

Aber auch die Feuerwehr hatte mit diversen Einsätzen zu kämpfen, daß Fahrzeuge und Personal von benachbarten Bezirken zur Verstärkung herangezogen werden mußten. Es gab insgesamt 13 Fälle von Kreislaufproblemen, davon 7 sogar Infarkte, und drei Dutzend Anrufe wegen Panikanfällen, die durch die Angehörigen der Betroffenen gemeldet wurden. In allen Fällen konnte die Feuerwehr helfend eingreifen, die drei Infarktpatienten wurden in die Notaufnahme gebracht.

Aufgrund der Häufung dieser Zwischenfälle vermutet die Polizei eine Absicht und damit einen Täter. Bislang ist jedoch unklar, wie es dazu kommen konnte. Eine sofort anberaunte Untersuchung des Leitungswassers und des naheliegenden Wasserwerks ergab jedoch keine Hinweise. Zur Zeit wird vermutet, daß es sich entweder um den Mißbrauch einer neu auf den Markt befindlichen psychoaktiven Droge wie LSD oder den sogenannten Magic Mushrooms handelt oder um einen Fall von verdorbenen Lebensmitteln.


Mehr Angst

Berlin, 11.Februar. Nach den gestrigen Meldungen über die Polizeieinsätze haben sich Dutzende weiterer Menschen bei den Behörden gemeldet, die über ähnliche Symptome klagten, wie sie Polizei und Feuerwehr bereits in der vorletzten Nacht gemeldet wurden.

Noch immer ist nicht klar, was dazu geführt hat. Die Polizei hat für die Aufnahme diesbezüglicher Meldungen eine Hotline eingerichtet: 46 64 64 46.


Gesundheitsamt schlägt zu

Berlin, 12. Februar. Der Fall um den in Marzahn grassierenden Wahnsinn scheint gelöst. Wie Beamte des Gesundheitsamtes gestern meldeten, hat ein russischer Einzelhandel mit Getreideprodukten gehandelt, die von Mutterkorn verseucht waren. Die Verantwortlichen wurden von der Polizei festgenommen, ihnen wird schwere Körperverletzung und fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Das Gesundheitsamt hat nach den schweren Vorfällen in der Freitagnacht alle Einzelhandel in der näheren Umgebung untersucht und dabei nicht ordentlich eingeführte Waren bei besagtem Einzelhandel entdeckt. Es wird befürchtet, daß noch weitere Geschäfte solche Produkte in den Regalen stehen haben. Deswegen werden alle Läden dieser Kette auf die fraglichen Produkte hin durchsucht.

Einer der beiden Toten jedoch scheint in keinem Zusammenhang zu der Lebensmittelvergiftung zu stehen. Polizeisprecher Gerhard dazu: "Personen aus seinem Umfeld sprachen davon, daß der Tote schon seit einiger Zeit immer zurückgezogener lebte und Depressionen zeigte. Niemand scheint die Warnsignale gesehen oder als solche bemerkt zu haben. Ein menschliche Tragödie, wir fühlen mit den Angehörigen."

Mutterkorn ist ein Pilz, der vorzugsweise Getreide befällt. Er entwickelt ein Gift, das Halluzinationen auslöst, die zu schweren Depressionen und Angstzuständen führen können, und eng mit LSD verwandt ist. Mutterkorn wurde in früheren Jahrhunderten häufig benutzt, um ungewollte Schwangerschaften abzubrechen -- oftmals mit tödlichen Ausgang auch für die Mutter.


Mord an Häftling

Berlin, 20. Februar. Der im Zuge des Skandals um verdorbene Getreideprodukte verhaftete Juri L. wurde in der gestrigen Nacht offensichtlich vergiftet. Das Gift befand sich in einer Praline, die er tags zuvor zusammen mit anderen von seiner Mutter erhalten hat. Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen scheint die Pralinenschachtel unter falschem Absender geliefert worden zu sein, da seine Mutter vergangenen Herbst in seiner russischen Heimat St.Petersburg verstorben ist. Es wird vermutet, daß die Russen-Mafia hinter dem Mord steckt.
 

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