TageBuch20060729

29.7.2006: Domäne


So, nun bin ich wieder in meinen eigenen vier Wänden, die Sonne geht bald auf, aber ich muss das heute Geschehene noch niederschreiben. Es wirkt alles noch so unwirklich:

Wie besprochen, traf ich mich heute Nacht mit Viktor Gideon Alburn, um zum Gestüt des Fürsten zu fahren und über dessen Lieblinge zu wachen. Als wir am Tor ankamen, hielt Viktor Gideon Alburn neben einem Wachmann... was sie besprachen, bekam ich nicht mit. Aber es ging nicht weiter. Schließlich stellte sich heraus, dass diese tausendfach verfluchten Ghule nichts davon wußten, dass wir kommen. Ich glaube das nicht, als wenn es nicht schon schwierig genug war, die Leute alle zusammenzutrommeln, um die Koppel zu schützen. Dieser Dreckskerl von 'Traditionskiller' ... er muss den Wachmann manipuliert haben! Jedenfalls wollte der uns einfach nicht auf die Koppel lassen. Nicht mit Bitten, nicht nach einem weiteren Nachschauen, ob Kohlhase uns nicht doch angemeldet hatte. So kann doch keiner arbeiten!

Ein Funkgerät meldete sich. Es war Aristide Gillette, der die letzten Nächte damit verbracht hatte, uns freies Geleit durch Gangrelterritorium zu verschaffen. Er fragte, warum wir so ewig vor dem Tor rumstehen. Der hat gut reden ... kurze Erklärung. Nun gut, uns blieb nichts anderes übrig. Alburn drehte um und wir machten uns dran, zu Fuß Aristide Gillette zu treffen und einen anderen Weg zu finden. Mit den uns bekannten fünf Wachleuten können die nicht die gesamte Koppel schützen... Noch bevor wir eine nette Stelle zum Überklettern des Zauns gefunden hatten, meldete sich plötzlich und sehr drängend Leandra über Funkgerät: Der Gesuchte war bereits im Stall und hatte schon eines der Pferde erwischt!

Okay, das war\'s wohl mit der Vorsicht, ab durch die Mitte... Aristide Gillette und Viktor Gideon Alburn rannten zur einen Seite des Stalls, Simon Lion und Vera Corrêa zur anderen Seite. Shabana Kanduri sollte den Stall von außen überwachen. Irgendwo war Leandra, nicht zu sehen, aber vielleicht bereits im Gebäude. Also, nichts wie hinterher. Während Aristide und Alburn sich vorsichtig durch eine angelehnte Tür in den Stall pirschten, machte auf der anderen Seite Simon kurzen Prozeß und Kleinholz aus der Tür.

Plötzlich schrie jemand hinter uns "Stehen bleiben". Scheinbar war einer der Ghule aus dem Wirtschaftshaus gekommen und hatte uns bemerkt. Mist. Die Aufforderung verhallte und der erste Schuss fiel. Großartig! Jetzt waren auch alle anderen, einschließlich unseres Traditionskiller, alarmiert. Drei weitere Wächter kamen aus dem Gebäude, alle mit Waffen, einer sogar mit einer schweren. Gerade bevor eine Salve neben uns einschlug, fanden wir Deckung im Stall, wo Vera erst mal für alle, die nicht so gut im Dunkeln sehen konnten, das Licht einschaltete. Es blieb leider nicht bei Warnschüssen. Kanduri hatte scheinbar ihre Waffe gefunden und lieferte sich ein Feuergefecht, damit die anderen erst einmal weitermachen konnten.

Im Stall jedoch fanden wir leider nur noch das Werk des Täters -den leblosen Körper eines großen Kaltblutpferdes mit den blutigen Buchstaben DOMÄNE- sowie seinen Fluchtweg: direkt oberhalb des toten Pferdes stand ein Fenster offen. Alle bis auf Vera sprangen ohne langes Zögern durchs Fenster. Draußen gab es weder Spuren noch sonstige Hinweise auf den Täter, nur plötzliches Kreuzfeuer durch die fünf Wachleute des Fürsten. So langsam gewann ich den Eindruck, dass alles nur schiefgehen konnte...

Aber anderes war wichtiger. Ich gehe jetzt mal nicht weiter auf diesen Kampf ein, genausowenig auf das seltsame Verhalten von Aristide -- ich möchte nur erwähnen, dass es gut ist, einen Brujah wie Simon Lion auf unserer Seite zu wissen statt auf der Gegenseite. Jedenfalls hatten wir, nachdem das Hindernis der Ghule gelöst war (die meisten überlebten sogar) noch ein richtiges Problem: Der Täter war weg! Aber er konnte noch nicht weit gekommen sein; seit der Nachricht von Leandra waren nur wenige Minuten vergangen.

Eine Prüfung der Situation zeigte, dass Aristide verletzt in Richtung der auf den Boden liegenden Ghule eilte, Viktor Gideon Alburn im Wohngebäude den tobenden Wachhund erschoß und Shabana noch immer in Deckung hockte. Den Rest konnte ich nicht sehen. Was dann folgte, verfestigte meinen genannten Eindruck. Lion stellte sich Aristide in den Weg. Dieser machte sich jedoch den Weg frei. Als Simon Lion sich wieder gefangen hatte, ergriff die Bestie von ihm Besitz --als ob wir nicht schon genug Schwierigkeiten hatten-- und er hätte sich wohl auf Aristide Gillette gestürzt, ...

... wenn nicht in dem Augenblick ein Schuss im Stall gefallen wäre. Das lenkte seine und unsere Aufmerksamkeit von de Lesseps ab. Was war das? Wer ist noch im Stall? Vera!

Es stellte sich später heraus, dass sich der Traditionskiller wohl nicht aus dem Staub gemacht hatte, sondern nur auf eine gute Gelegenheit für einen Überfall gewartet hatte. Während Vera sich auf das tote Pferd konzentrierte, um dem Kadaver vielleicht ein paar Informationen zu entreißen, hatte der Killer sie zu seinem nächsten Opfer bestimmt. Er ließ sich vom Dachgebälk auf Vera fallen, als diese sich gerade auf den Weg nach draußen zu den anderen machte. Sie war Gott sei Dank geistesgegenwärtig genug, ihre Waffe hochzureißen und den Schuss auf ihn abzugeben, bevor er einen Pflock in ihre Brust stieß. Der Pflock berührte zwar Veras Herz, durchdrang es aber nicht - zähes kleines Biest!

Nun rannte alles in Richtung Stall. Es waren nur wenige Meter und kurz bevor Simon den Typen erreichte, stürzte ein riesiger Falke an ihm vorbei und grub seine Klauen in den Nacken des Täters. Simon hob sein Schwert und... nein er griff nicht den Traditionskiller an. Er schlug inmitten seiner Raserei zu und der Falke wurde einmal komplett über die Breite des Stalls geschleudert, wo er schwer verletzt liegen blieb ... friendly fire ist was schönes, oder?

Erst dann fiel Lion über den Täter her.

Eine gute Nachricht gibt es, er hat ihn besiegt. Der Falke lebt noch ... und wir hatten eine Einladung zu Ahnsherr Corelli gewonnen. Die Nacht war also noch nicht vorbei, auch wenn es ein wenig dauerte, bis der Aufräumtrupp des Fürsten kam, um sich um die Toten und Verletzten zu kümmern. Die Ghule waren übrigens tatsächlich nicht informiert worden, wie die Begutachtung eines Protokollbuchs durch Vera im Wachhaus ergab. Auch der Ahnherr Corelli, der im Geiste die Koppel besuchte und die Ghule überprüfte, bestätigte diese Information. Leider wirft das nur mehr Fragen auf, als es tatsächlich löst - warum waren die Ghule des Fürsten nicht über die Ankunft der Verstärkung informiert worden? Hätten wir das Pferd retten können, wenn der Wachmann uns sofort eingelassen hätte?

Kaum bei Ahnsherr Corelli eingetroffen, begann das Verhör des Traditionskillers, der von Simon in den Kalten Schlaf und an den Rand der endgültigen Vernichtung geprügelt worden war. Die Einzelheiten des ganz und gar unappetitlichen Verhörs erspare ich euch.

Das Resultat?

Der Traditionskiller ist nur eine verirrte Seele, ohne Erziehung hat er sich ein System zurechtgelegt, das ihn zur Erleuchtung führen sollte. Den Abschluss musste der Tod eines der unsrigen sein. Die Schritte dazwischen waren egal.

Nicht Rache war das Motiv, kein großartiger Plan steckte hinter alledem. Nur Einsamkeit und ein kranker Geist.

Doch ob das die Wut des Fürsten besänftigen wird?

 

Kategorien: Sessionbericht
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