TageBuch20061014

14.10.2006: Kampf dem Sabbat


Es ist eigentlich nicht Leandras Art, Dinge, die nur Blutsverwandte betreffen, inmitten menschlichen Getümmels zur Sprache zu bringen. Aber die Furcht vor der angeblich in Berlin befindlichen Inquisition treibt die Blutsverwandten der Domäne fort von ihren üblichen Treffpunkten. So kam es, daß sich Vera Corrêa auf Wunsch (Bitte? Anordnung? Wer kann das bei einem Kind gegenüber einer Neonatin schon so genau sagen?) Leandras mit dieser im Dunkin\' Donuts am Alexanderplatz traf. Leandra hatte nicht viel durchblicken lassen, nur daß es um Veras alte Flamme Peter Love III. und sein Verschwinden geht.

Was Leandra dann tatsächlich aus dem zerknitterten Umschlag zog, den Peter Love III. in einem Flughafenschließfach für Vera versteckt hatte, waren detaillierte Aufzeichnungen über ein Sabbatrudel in Neukölln -- Namen, Stärken und Schwächen, Verhältnisse zueinander, Ort und Sicherung der Rudelzuflucht. Allem Anschein nach war Peter Love ein Camarillaspion in den Reihen des Sabbat gewesen und hatte, nachdem er enttarnt wurde, in letzter Sekunde seine wertvollen Aufzeichnungen Vera zugesteckt.

So ganz überzeugt war Vera nicht, daß die Daten alle der Wahrheit entsprachen. Aber Leandra berichtete von Erkundungen in dem Waldstück in Neukölln, wo sie tatsächlich auf Sabbatianer stieß und möglicherweise von diesen entdeckt wurde. Die Zeit drängte also. Die beiden Frauen machten sich bald auf den Weg zum Neptunbrunnen, wo Neshaid Hakim Al-Assam wenige Minuten später zu ihnen stieß und über die Situation informiert wurde. Zufällig kam auch noch Alara Cunningham vorbei, die wie immer bereit war zu helfen. Als dann noch Viktor Gideon Alburn und Peter Hoffmann zu der Gruppe stießen, war klar, daß es nicht mehr Blutsverwandte würden, die Leandras Einladung folgten.

Nachdem Peter Hoffmann den Wunsch geäußert hatte, das Gespräch an einem etwas dunkleren Ort fortzusetzen, fanden sich die Blutsverwandten wenig später gegenüber dem Berliner Dom am Spreeufer. Schnell wurde die Gruppe uneins: Während Alburn auf einen sofortigen Angriff der Sabbatianer noch in der gleichen Nacht drängte, hielten Hoffmann, Hakim und Alara es für notwendig, erst einmal mehr Informationen über die Gruppe zu sammeln. Von Leandra, die diese Versammlung einberufen hatte und bis vor Alburns Eintreffen immer nur von einem Planungstreffen sprach, ist gegenüber Alburn kein Widerspruch zu hören. Für sie macht es wohl keinen Unterschied, ob heute oder morgen. Naja, und wenn die Sabbatianer Leandra wirklich gesehen haben, ist es wohl auch besser, so schnell wie möglich loszuschlagen. Vera, die ohne ihren Sire erschienen war, versuchte mehrfach, Leandra davon zu überzeugen, daß für einen Kampf gegen den Sabbat Simons Anwesenheit mehr als hilfreich sein könnte.

Kurze Aufregung zum Schlechteren gab es, als Vera einen unvorsichtigen fremden Nosferatu enttarnte, der sich verborgen in der Nähe der Gruppe herumtrieb. Nur Peter Hoffmanns Fürsprache war es zu verdanken, daß "Leo" nicht augenblicklich Bekanntschaft mit den härteren Seiten der Geißel Berlins machte.

Schließlich wurde entschieden, den Sabbat auf der Grundlage von Peter Loves Aufzeichnungen sofort anzugreifen. Alara konnte noch Thor alarmieren, der sich sofort au f den Weg nach Berlin machte, die Stadt aber nicht mehr rechtzeitig erreichte. Leandra informierte Richard Otto von Trutzfeld und erhielt von diesem zwei voll ausgerüstete SWAT-Teams mit je sieben Mann, darunter Sprengstoffexperten und Scharfschützen. Andererseits weigerten sich die beiden Nosferatu und Hakim unter Hinweis auf die Unsicherheit der Informationen, an dem Feldzug teilzunehmen. Auch Vera zögerte, wollte sie doch nicht ohne Simons Erlaubnis mitkommen. Nachdem sie ein paar Minuten mit sich gerungen hatte, stieg sie dann doch wortlos mit den anderen in Alburns Wagen, der die Impromptu-Truppe zum Flughafen Tempelhof brachte.

Nachdem dort noch Stanislav Pjotronov und die 14 Mann der Ventrue hinzugestoßen waren und Alara Cunningham eine Notreserve Blutkonserven verteilt hatte, machte sich der Konvoi auf den Weg nach Neukölln (aus den Aufzeichnungen gingen noch einige Schwächen der Sabbatianer hervor, die vielleicht nützlich waren - also wurden auch ein Kuscheltier und ein Kreuz zu den Waffen gepackt). Dank Leandras früherer Suche konnte der Sabbat schnell lokalisiert werden. Die Scharfschützen bezogen Position, der Kleinbus des Rudels wurde fahruntüchtig gemacht. Zwei Experten der SWAT-Teams sprengten die Eingangstür zu dem alten Bunker, in dem sich der Sabbat verschanzt hatte. Nur Sekunden später zersplitterten Molotow-Cocktails in der Dunkelheit der Zuflucht.

Nichts geschah.

Die Blutsverwandten hatten erwartet, sich sofort gegen ein kampflustiges Rudel verteidigen zu müssen. Das Fehlen jeder Reaktion war entnervend. Schließlich schickte Leandra eines ihre Käuzchen in den Bunker, um zu erfahren, was dort vor sich ging - nur um Sekunden später einen zerfetzten blutigen Körper zu sehen, der mit abgerissenen Flügeln in hohem Bogen aus dem Bunker geworfen wurde.

Dann erschien die Katze. Es war keine Katze, nichts Niedliches, nichts Natürliches. Lefzenleckend setzte sich das Monstrum vor die Tür des Bunkers. Die Schüsse der Scharfschützen schlugen harmlos in der Mauer hinter der Bestie ein - es war nur ein Trugbild, das sich dann auch vor den Augen der Angreifer auflöste. Nun begannen die Schreie, das vor Todesangst hysterische Kreischen einer gequälten Frau. Ihr Körper wurde von unsichtbaren Händen vor den Bunker geworfen, lag zuckend und zerfleischt im Dreck. Als sich Leandra dem Körper näherte, wurde sie plötzlich von einer undurchdringlichen Finsternis umhüllt - wieder ein Trugbild, diesmal, um die Camarilla in die Nähe des Lasombra zu locken! Zum Glück hatte Leandra kein Problem mit der Dunkelheit und konnte dieser entkommen, ohne in Panik zu geraten. Das Trugbild der gefolterten Frau war schon wieder verschwunden.

Nun reichte es Vera Corrêa. In Begleitung ihrer zwei SWAT-Leute schlich sie zum Eingang des Bunkers und über die verbrannten, glasscherbenübersäten Steinstufen nach unten. Sie bemerkte Alburn nicht, der ihr im Verborgenen folgte. Der Hauptraum des Bunkers war vollgestellt mit Gerümpel und mehr als mangelhaft erleuchtet. Ein hervorragender Platz für einen Hinterhalt. Kaum hatten Vera und ihre Begleiter den Raum erreicht, legte sich alles erstickende Finsternis um die schwerbewaffneten Männer. Während es Alburn noch gelang, einen der Männer aus der Dunkelheit zu ziehen und der andere Mann tot zu Boden sank, ging Vera in Deckung. Doch der überlebende SWAT-Mann starb nur Sekunden später durch einen gezielten Kopfschuß, der aus der Dunkelheit auf ihn abgegeben wurde.

Dann brach in dem vollgestellten, dunklen Raum die Hölle los. Pjotronov raste mit unglaublicher Geschwindigkeit die Treppe herunter, einen Baseballschläger hoch erhoben, und schleuderte eine mit einem Gewehr bewaffnete Sabbatianerin quer durch den Raum. Drei weitere Sabbatianer, einer davon ein Gangrel, erschienen und stürzten sich auf Alburn, der als einziger ungedeckt inmitten des Raumes stand. Leandra und Stanislav kämpften mit allem, was ihnen zu Gebote stand. Vera, in Raserei, fiel nacheinander erst einen Sabbatianer, dann Stanislav Pjotronov und schlußendlich eine Sabbatianerin an, deren Tod endlich ihre Raserei beendete. Währenddessen vernichteten Alburn, Leandra und Stanislav drei der anderen Sabbatianer, während zwei von ihnen sich in einem Schattenfeld versteckten.

Draußen, wo die Scharfschützen weiter auf Posten waren, bemerkte währenddessen Alara Cunningham eine Bewegung hinter einem der Scharfschützen. Zu spät - die Klauen des Gangrel zerfetzten die Kehle des Mannes. Der Schuß, den Alara daraufhin aus einer Schrotflinte auf den Sabbatianer abgab, ging fehl, so daß sie erst einmal ihre ärztlichen Kenntnisse einsetzen und einen verletzten Scharfschützen versorgen mußte, ehe sie den anderen in den Kampf im Bunker folgen konnte. Sie kam gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie ein weiterer Gangrel auf Viktor Alburn einhieb, der zu Boden gegangen war und reglos in seinem Blut lag. Leandras Klauen bereiteten dem ein Ende, doch nicht, ehe Alburn noch einen letzten brutalen Hieb eingesteckt hatte.

Nun waren fünf Sabbatianer tot, ein weiterer bewegte sich in einem schützenden Feld völliger Dunkelheit einen Gang entlang zu einem Fluchtort. Der letzte war nirgendwo zu sehen. Stanislav Pjotronov und Viktor Alburn lagen regungslos am Boden, zerfetzt von Klauen, Kugeln und Fausthieben. Vera und Alara feuerten auf den fliehenden Sabbatianer in der Dunkelheit, doch entweder trafen sie nicht oder nicht gut genug - sie konnten seine Flucht nicht aufhalten. Dies gelang erst Leandra, die sich der Dunkelheit in den Weg stellte und den Sabbatianer mit ihren Klauen vernichtete.

Nachdem Vera und Alara Stanislav mit Hilfe von Alaras Blutkonserven wieder halbwegs auf die Beine gebracht hatten, wurde der Körper von Viktor Alburn sichergestellt und das Aufräumkommando – welches über Herrn von Wenden gerufen wurden - in den Bunker geschickt, um die Überreste der Sabbatianer und die Spuren des Kampfes zu beseitigen. Eines war inzwischen sicher: die Aufzeichnungen von Peter Love III. waren bestenfalls ein Irrtum, mit weitaus größerer Wahrscheinlichkeit aber eine leider erfolgreiche Falle, um eine eigentlich vorbereitete Kampftruppe der Camarilla möglichst gründlich zu vernichten. Nur Leandras Klauen und Pjotronovs Stärke und Geschwindigkeit war es zu verdanken, daß der Plan des Sabbats nicht aufgegangen war.

Und dann blieb nur noch, die Toten -- drei Männer der Sicherheitsteams und scheinbar Victor Gideon Alburn - und die Verwundeten in die Stadt zurückzubringen und sich dem zu stellen, was da kommen möge ...
 

Kategorien: Sessionbericht
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