TageBuch20061028

28.10.2006: Der Exorzismus der Judith F. + Halloween im Para-GiO-Universum


Das leise Beten der beiden Ordensschwestern, die am Kopfende des massiven Eichentischs knien, wird beinahe übertönt vom Rascheln der Gewänder der beiden Priester, die gemessenen Schrittes den schwach beleuchteten Raum betreten. Mit ernsten Mienen betrachten sie die bleiche Frau, die, in eine schwarze Robe gehüllt, auf den Tisch gefesselt wurde. Mit ihrer rechten Hand umklammert sie einen silbernen Rosenkranz, während sie flehentlich zu dem älteren der beiden Priester aufsieht. "Rette mich, Vater!" flüstert sie. Mit beruhigender Geste legt Pater Andreas Jessen ihr eine Hand segnend auf die Stirn, während Bruder Jürgen, sein Beibeter, die notwendigen Utensilien für den bevorstehenden Exorzismus bereitlegt.

Nachdem Pater Andreas die Anwesenden gesegnet hat, beginnt der qualvolle Exorzismus. Vier Tage lang war Judith Freye, die junge Vampirjägerin, in der Gewalt der Verdammten gewesen und hatte das unheilige Blut der Kreaturen getrunken. Der Dämon war in sie gefahren und verdarb sie aus ihrem Innersten. Um ihre Seele zu retten, hatte Judith Pater Andreas gebeten, den Exorzismus an ihr durchzuführen. Ein starkes Schmerzmittel betäubt das linke gebrochene Knie, so daß Judith keinen Schmerz spürt, als sie sich in religiöser Raserei windet.

Der Exorzismus ist hart und langwierig. Die Lust nach dem Blut des Teufels läßt sich nicht aus dem Körper der jungen Frau vertreiben, trotz der gemeinschaftlichen Bemühungen der beiden Pater und der Ordensschwestern. In höchster Verzweiflung fleht Judith "Liberate me, Pater!" Pater Andreas, voller Zorn über die Beharrlichkeit des Dämons und Mitleid mit Judith, verliert schließlich die Beherrschung. Erst als Judiths Blick bricht und ihr Herz seinen letzten Schlag tut, löst der Pater die Hände vom Hals der jungen Frau.

Es war der Wille Gottes, daß Judith auf diese Art und Weise von dem Dämon der Blutlust befreit wird. Es war der Wille der Camarilla, daß nur Minuten später ein Sondereinsatzkommando der Berliner Polizei in Begleitung eines Paparazzo den Raum stürmt, um die beiden Pater noch im Gebet für die Seele der Verstorbenen zu sehen. Pater Andreas, der im Reflex nach einem Ritualmesser greift, stirbt noch an Ort und Stelle, von Kugeln durchsiebt. Bruder Jürgen überlebt schwer verletzt. Die beiden Ordensschwestern werden unverletzt und ohne Gegenwehr verhaftet. Der Notarzt kann nur noch den Tod der Fotografin Judith Freye feststellen. Sie war 26 Jahre alt geworden.

Zur gleichen Zeit, aber weit entfernt vom Ort des Exorzismus, leuchtet ein Freudenfeuer der Emotionen in die Kälte und Dunkelheit der Welt jenseits des Todes. Leandra Feodora Lilienfein, Gangrelneonatin, sitzt friedlich mit einem Ghul in dessen Wohnung und legt sich - oder anderen? - die Karten, als sie plötzlich die Anwesenheit Fremder bemerkt.

Wie aus dem Nichts waren sie erschienen und hatten es auch nicht eilig, auf Leandras zornige Worte hin wieder zu gehen. Im Gegenteil, sie machten es sich bequem und erfreuten sich am Unbehagen der Gangrel und ihres Ghuls. Da war Jenny, die erst kürzlich von Leandra und ihrem geliebten Aristide Gillette ermordete Caitiff. Da war Nikolas Beeltz, der heldenhafte Brujah, der für die Camarilla im Kampf gegen das Rudel der Tugenden gefallen war. Da war Leandras lieber alter Freund Rochus Veit, der entspannt von Verrat und Verrätern sprach. Elin von Raussendorf, die Ventrue-Anarchin, die nun, nach ihrem gewaltsamen Tod, ihren Sadismus aus vollem Herzen genießen kann. Ein weiterer Besucher war Vincent, ein bemitleidenswerter Gangrel, für den der Tod eine Erlösung war aus einem Sklavendasein als Bestie. Und, wie immer zu Halloween, der Schnitter der Legion des Zorns, [weiß der Geier, wie Bens Charakter sich schreibt], immer ein Gentleman und ruhender Pol im Maelstrom aus Emotionen, Gier und Tod ...
 

Kategorien: Sessionbericht
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