TageBuch20070313

13.03.2007 Treffen der Brujah


Brujahtreffen


Endlich war es mal wieder soweit -- nein, nicht, daß wir Brujah uns getroffen haben, das meine ich nicht. Wir waren mal wieder zahlenmäßig wer! Mehr als ein halbes Dutzend von uns trifft, auch wenn man den Alten nicht doppeltzählt. Wobei: Zählt man den Alten doppelt, so kann man Stanislav Pjotronov entsprechend geringer werten, der sah wirklich ziemlich übel mitgenommen aus, so ohne seinem linken Arm und in diesem ranzigen Outfit. Wenigsten wurde er nicht müde, die Geschichte von den drei Caitiff zu erzählen, die ihn in Mailand überfallen haben sollen, drei oder vier Mal mußte er es erzählen.

Ermüdend war hingegen das Gespräch über Loyalität zur Camarilla, Anarchentum und daß man den Neuankömmlingen ja nicht wirklich trauen könne -- da half kaum, daß auch Aristide Gillette auf seine Anarchenvergangenheit hinwies, Beate Güldenberg bohrte immer weiter bei Thorben William Maria Jack, Simon Lion und Larissa Fiebig. Und die Hoffnung, daß die Ankunft des Alten zu einem Themenwechsel führen könnte, wurde auch enttäuscht -- na immerhin endete die Diskussion, als das Gespräch sich der Hasenheide, dem Sabbat und, daß man ja ein wenig Action gebrauchen könnte, hinwandte. Furchtbar naive Vorstellungen haben die teilweise, als ob der Sabbat dort auf uns wartete, daß wir sie verprügeln. Stanislav ermunterte die Anwesenden, daß wir uns in der Angelegenheit ja gerne an des Fürsten Grenzwächterin, Leandra Feodora Lilienfein, wenden könnten -- Begeisterung brandete nicht auf, auch wenn einige --und gerade Bea-- das wohl doch machen werden. Sie wird es hassen, zu einer Gangrel, zu dieser Gangrel gehen zu müssen.

Tja, aber erstmal ging sie Tabak holen ...

Kreuzberg


Dimitri Solijanowitsch summte leise vor sich hin und nahm einen weiteren tiefen Zug an seiner Zigarette. Gar nicht so schlecht für eine verdammte Ami-Lulle! Sein Blick wanderte von der Glut den Stängel der Zigarette hinab bis zu den Worten 'Lucky Strike'. Nur vom Mondlicht, welches durch den Rahmen des geöffneten Küchenfensters fiel, beleuchtet, war der Schriftzug der Marke kaum zu lesen, doch Solijanowitschs Augen waren an die Dunkelheit gewöhnt. Noch einmal kontrollierte er den Sitz der Gewinde des Gewehres, welches er in beiden Händen hielt. Perfekt!

Dimitiri war es gewöhnt, gründlich zu arbeiten, und dieser Anspruch an seine eigene Arbeit war auch das, was seine Auftraggeber an ihm schätzten. Und dennoch war dieser Auftrag etwas anderes. Der Anruf kam von gewichtigen Personen; Personen, die genug Geld hatten, um ihren Willen immer und überall auf der Welt durchsetzen zu können. Ein alter Freundschaftsdienst, sagte man ihm. Solijanowitsch konnte nur vermuten, wer die wahren Drahtzieher hinter dieser Operation waren, die ihn heute abend hierher, nach Kreuzberg geführt hatte. Wahrscheinlich war es auch besser, nicht alle Zusammenhänge der Geschichte zu kennen, aber er hasste es, einen solchen Job auszuführen, ohne genau zu wissen, mit wem man sich anlegte und um was es eigentlich ging.

Nun ja, die Instruktionen waren klar und präzise, und die Bezahlung war es wert, keine unnötige Fragen zu stellen. Immer noch summend blickte er auf die Photos der Zielperson, deren Gesichtszüge er mittlerweile auswendig vor seinem geistigen Auge skizzieren konnte.
Ein Blick aus dem Fenster sagte ihm, dass die Lübbener Straße immer noch menschenleer war.

Wie er dieses Warten liebte. Wie ein Raubtier, das Adrenalin spüren, das Ringen um Fassung, der Nervenkitzel ...

Da! Das Aufflackern des Lichtes im Hausflur im Haus gegenüber ließ Dimitri Solijanowitsch aus seinen Gedanken auffahren. Schnell legte er die Waffe mit geübten Handgriffen an und begann auf die Tür zu zielen. Jetzt, da es begann, spürte er die gewohnte Ruhe in ihn zurückkehren. Sein Atem ganz flach, um nichts zu verwackeln.

Die Tür öffnete sich. Er war es. Die Zielperson hatte keinerlei Ahnung, dass sie beobachtet wurde; erst recht nicht, da die Beobachtung durch das Zielfernrohr eines Barrett M82A1 Scharfschützgewehrs geschah. Sie würde niemals wissen, was sie erwischt hatte!

Lucky Strike! schmunzelte Solijanowitsch innerlich und drückte ab.

Keine 90 Sekunden später lief Dimitri über die Straßen zu dem Eingang, in dem zusammengesackt der leblose Körper der Zielperson hockte. Ein Blick nach links und rechts sagte ihm, dass noch immer niemand auf der Straße war. Dank seines Schalldämpfers machte sich der Schütze auch keine allzu großen Sorgen, dass ihn jemand bemerkt haben könnte. Auch die umliegenden Fenster waren fast alle dunkel. Und selbst wenn er gesehen worden war, binnen weniger Stunden würde er Deutschland verlassen haben und in Polen sein Flugzeug in Richtung Osteuropa besteigen. Niemand würde ihn identifizieren können. Ah, endlich! Da war, was er gesucht hatte. Schnell steckte er die Ausweispapiere des Toten zu seinen Füßen ein und stopfte ihm stattdessen die vorbereiteten Plastiktütchen mit Stoff in die Innentaschen seiner Jacke. Schließlich drehte er sich um, und ging summend in Richtung Görlitzer Park. Dort angekommen, zog er das Gewehr unter seinem Mantel hervor, zerlegte die Waffe in ihre Einzelteile und verstaute sie in seinem Rucksack. Der Job war fast zu einfach gewesen, überlegte Dimitri während er den Park durchquerte. Warum zahlte man ihm soviel Geld für einen solch augenscheinlichen Loser? Egal, nur noch einen Anruf und er wäre den Scheiß ein für alle Mal los.

Als er den Park verließ, sah er endlich ein Münztelefon. Zielstrebig ging er in die Zelle, warf einige Münzen ein, und zog den Zettel aus seiner Manteltasche. Normalerweise würde er jetzt einfach nur ganz ruhig und unauffällig abhauen, aber sein Kontaktmann hatte darauf bestanden, die folgenden Schritte auszuführen und so wählte er die aufgeschriebene Nummer.

"Guten Abend, Herr de Lesseps, ich hätte gerne Frau Güldenberg gesprochen. Wer hier ist? Ein Freund, nun machen Sie schon!"

Während er wartete, faltete er die Nachricht, die er zu übermitteln gedachte, auf und konzentrierte sich auf sein müßiges Deutsch. Dann begann er vorzulesen:

"Guten Abend Frau Güldenberg,

wir haben Sie nun schon seit einiger Zeit beobachtet und ihr Treiben zur Kenntnis genommen.

Die ehrenwerte Gesellschaft der Kainiten, die Sie umgeben, ist zu dem Schluss gekommen, dass Ihre Handlungen für uns alle nicht tragbar sind und hat daher beschlossen, Ihnen eine Lektion in Demut zu erteilen. Horchen Sie einmal tief in sich hinein! Ist da nicht etwas? Oder besser: Fehlt Ihnen nicht etwas, was dort, tief in Ihrem Herzen sein sollte?

Sehen Sie, Verhalten wie das Ihre führt früher oder später dazu, dass wir alle das, was wir lieben verlieren werden. Wir hoffen, Sie überdenken nun endlich Ihr inakzeptables Handeln und verhalten sich, wie ein Neonat es tun sollte.

Guten Abend!"


Hastig legte Dimitri auf und verschwand in der dunklen Nacht ...

Brujahtreffen


... mit dem ersten Anruf brach Nervosität auf: Wer ist da? Ein Freund? Warum nennt er nicht seinen Namen? Stanislav kontaktierte seine Leute (bei irgendeinem Mobilfunkunternehmen), daß die eine Fangschaltung legen sollten. Wunderwelt der digitalen Technik! Wie schnell das gehen kann, wenn man die richtigen Leute kennt. Und auf wen ich achten sollte, wenn ich nicht selbst mal auf die Art und Weise überwacht werden will? -- Memo an mich: Ein Telefon, dessen Nummer Stanislav und der Rest der Domäne kennt, ein Telefon für wichtige Geschäfte.

Bea kam so schnell sie konnte zurückgerannt und griff nach dem Telefon. Stumm hörte sie zu, wie der geheimnisvolle 'Freund' seine Botschaft loswurde und dann auflegte. Kurz darauf klingelte Stanislavs Telefon, und sein Kontakt verkündete die Adresse der Telefonzelle, woher der Anruf kam: Skalitzer Straße. Es schien für einen Augenblick alles Leben aus Aristide zu weichen -- sowas sieht bei einem Vampir echt seltsam aus. Wie auch immer, Aristide hatte eine Vorahnung, die sich schon bald darauf bestätigte, als einer seiner Kumpels bei der Polizei anrief und ihm die Nachricht vom Tode Tommys brachte -- geschickt dargestellt als Mord unter Drogendealern.

Wenigstens wußten wir jetzt sicher, daß der Auftrag dazu aus vampirischen Kreisen kam. Doch Bea hatte in dem Moment andere Probleme, der Schreck, die Erkenntnis, daß der junge Mann, der sie solange begleitet hat, solange für sie da war, für den sie selbst eingestanden war, dieser Mann war tot -- und es berührte sie kaum. Der Schreck über diesen Mangel an Gefühlen stand ihr so dermaßen deutlich ins Gesicht geschrieben, daß wir Umstehenden selbst erschüttert waren! (vll. mit Ausnahme von Kohlhase, aber der zählt einfach mal nicht)

tbc

 

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