TageBuch20090321

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21.03.2009: Theater der Wohltätigkeit




Nachlese


Vicomte Antoine Adrien de Gramont sah mit Zufriedenheit auf seine beiden Blutsklaven, wenn auch das Gesicht wenig davon verriet. Sie zeigten im Moment nicht mal schlecht verdeckte Eifersucht aufeinander. Marie-Florence war ihm eine große Hilfe gewesen, ebenso Christoph, aber Marie-Florence wurde von den Gästen wahrgenommen -- Christoph hatte als Koordinator der Sicherheit weitaus weniger Anerkennung erhalten.

Gut! Sie konnten sich also beherrschen.

Es war schlimm genug gewesen, diese Demütigung durch den närrischen Brujah Simon Lion hinnehmen zu müssen. Auch daß Irene, die Tresenkraft, von diesem wahnsinnigen Walter Freyer niedergeschossen wurde, löst in dem alten Ventrue noch immer Unbehagen aus: Er hatte Gäste, die die Regeln des zivilisierten Beisammenseins ignorierten, die Gastfreundschaft angeboten und zugelassen, daß sie den ganzen Abend über auf seiner Einladung waren. Er fühlte sich beschmutzt und gedemütigt. Er wäre jetzt nicht in der Verfassung gewesen, auch noch die Zwietracht zwischen seinen Ghulen zu ertragen.

Marie-Florence war schon seit einiger Zeit in der Bibliothek bei ihm, wo sie gemeinsam die Ergebnisse der Spendensammlung durchgegangen sind. Fast 1,4 Millionen Euro, davon mehr als zwei Drittel aus den Versteigerungen. Er gestattete sich einen kleinen Augenblick der Verachtung für die demonstrierte Leichtgläubigkeit seiner Gäste. Dann rief er sich wieder zur Ordnung. Gerade bei den Auktionen konnte man doch sehr gut beobachten, wer sich wem gutstellen wollte. Geradezu obszöne Beträge wurden für wertlosen Plunder hinausgeschleudert, allein um die Gunst der Stifter der Objekte zu erregen. Nun, der Druck besaß vielleicht wirklich ein wenig Wert, das Ei hingegen war vermutlich eine Fälschung. Aber AnnabelMagnis hatte wenigstens eine abenteuerliche Geschichte mit verkauft. Das Ei wird vermutlich noch für ein wenig Aufmerksamkeit sorgen; er sollte jemanden in der Nähe des Comte Matthieu Marie de Montluçon haben, der sein Schicksal weiter beobachtet. Irgendein diffuses Gefühl sagte ihm, daß das Ei nicht ohne Hintergedanken angeboten wurde.

Dennoch müßte er --gerade wegen des Erlöses-- diesen Leute danken. Arcangelo Diachiami wird er vielleicht noch ein wenig weiter in sein schlechtes Gewissen treiben, nur übertreiben sollte er es nicht. Fürst Hans Kohlhase wiederum wird wohl andere Forderungen stellen. Gräfin Magnis, ja!, Gräfin Magnis muß nur überführt werden, daß es sich bei dem Ei um eine arglistige Täuschung oder das Verfolgen eigener Pläne handelt. Und Ruben Alexander Carrol? Der Versuch, sein Angebot als eigenes Vergnügen zu diskreditieren, wird wohl als zu plump bemerkt werden. Es schadet nicht, ihm gegenüber angemessen dankbar zu sein.

Die kommenden Nächte werden noch eine Flut an Informationen über die Artgenossen in Deutschland und Österreich einbringen. Sollten diese ihm tatsächlich Informationen über Teile ihrer Geschäftsstruktur mitteilen, dürfte das einen enormen Schatz an Wissen darstellen. Nicht, daß er einen Wirtschaftskrieg anzetteln würde, nein, das nicht. Ganz im Gegenteil ist deren wirtschaftlicher Erfolg vital für den Frieden in der Gesellschaft der Artgenossen. Für den Fall der Fälle jedoch ...

Sehr interessant war auch die Zusammensetzung der Gäste von außerhalb Berlins. Daß man Berliner Würdenträger begrüßt, überrascht nicht. Daß aber drei Fürsten, einer davon sogar mit Fürstregentin, und ein Vogt die beschwerliche Reise auf sich genommen hatten, sagt viel über die Probleme in deren Domänen aus. Diesem Verdacht sollte er dezent nachgehen, vielleicht könne er daraus noch weiteren Profit schlagen.

Wenn nur nicht dieses unschickliche Ende gewesen wäre -- es hätte ein so schöner Abend sein können. Nun, die Herren Lion und Freyer werden dafür zahlen, das ist sicher.
 

Kategorien: Sessionbericht
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