TageBuch20090403

03.04.2009: Kreis der Verschwörer


Neshaid Hakim Al-Assam hatte nicht wirklich große Resonanz erwartet: Sobald der Fürst oder einer der Konsuln rufen, erscheint die ganze Domäne, und wenn es nur darum geht, ein wenig Ungeziefer zu jagen. Wenn Hakim ruft -- dann ist wohl das zu erwartende Prestige so gering, daß die Mühen des Schuhebindens zuviel erscheinen. Weder Angelique de Bonvallé, die von der Regierung offiziell mit der Koordination betraut wurde, ist erschienen, noch die Geißel Beate Güldenberg -- obwohl die beiden eigentlich noch am meisten Interesse haben sollten. Gut, Bea kann gerade im Dienst sein und irgendwelchen Scheinvampiren oder so hinterherhetzen. Angelique hingegen -- Privataudienz bei Corelli, seit zwei Wochen. Ob sie noch bei Bewußtsein ist? Wird sie regelmäßig genährt, damit sie nicht in die Arme des kalten Schlafes versinkt?

Ganz erfolglos war das Treffen ja nicht. Klar, Ambrosius Hieronymus Klein war da. Er verpaßt ja auch nur zu ungerne eine Gelegenheit, um sich als Möchtegern-Geißel zu profilieren. Und daß, wo bislang jeder äußerst froh war, den Job wieder los zu sein. Als mordende Bestie durch die Straßen zu schleichen und dabei immer mehr Seele zu verlieren -- das ist nicht jedermanns Sache. Aber vielleicht ist es die Sache dieses Nazis. Maedhbh Cowen war ebenfalls da. Oder sein Körper, der im Moment von Oliver Cowen bewohnt wird. Ganz schön kaputter Mann, wenn sein Geist solche Kapriolen schlägt, um funktionstüchtig zu bleiben.

Hakim jedenfalls versuchte den beiden einen kleinen Überblick darüber zu liefern, wie der Ist-Zustand im Berliner Umland derzeit ist (kurz vor katastrophal!), als als dritter und letzter Gast Dorothea Bishop zu der kleinen Runde stieß, wodurch Hakim aber seine Ausführungen von vorne beginnen mußte.

Und dann passierte etwas Ungewöhnliches.

Hakim fuhr einfach fort, immer wieder unterbrochen von seinen Zuhörern, die Fragen stellten; die seine Erklärungen in andere Richtungen lenkten; die Interesse zeigten, eigene Gedanken entwickelten, einander Ideen wie Bälle zuspielten, um sie zu verfeinern oder auf Schwachpunkte abzuklopfen. Und langsam schälte sich etwas wie ein Konzept heraus, ein Plan, eine Vorgehensweise. Eine Hoffnung, doch noch das Ziel zu erreichen. Einfach noch länger zu überleben.
 

Kategorien: Sessionbericht
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