TageBuch20100508

08.05.2010: Duell & Attentat


Im Nebel des Morgengrauens können Vampire nur schlecht ein Duell austragen. Deswegen trafen wir uns deutlich nach Sonnenuntergang in den Rehbergen, auf dem Hang eines kleinen Hügels, wie von mir vereinbart: Jester mit seiner Sekundantin Medea (diesem Flittchen!) und Simon Lion mit seinem Sekundanten Thorben William Maria Jack.

Hinzu kamen weitere Schaulustige. Wir wollten mit dem Spektakel nicht anfangen, bevor nicht absehbar alle Interessenten da waren. Ich hatte vor, den Ausgang und auch den Verlauf des Duells von möglichst vielen bezeugen zu lassen. So verkündete ich es auch zu Beginn. Überrascht war ich, den Schnösel Harry von Arnim-Suckow sowie diesen ... wie hieß er doch? ... hier zu sehen. Auch dass die Kanalratte Amelia Romanova zusätzlich zu Wilhelmina Reitner aus ihrem Loch gekrochen kam, war überraschend. Die Reitner übrigens nicht. Die ist ja überall dabei. Wie auch dieser Irre, den man besser nur Cowen nennt, wenn man nicht Freundschaft mit allen drei, vier, fünf oder was weiß ich wievielen Brüdern schließen will.

Als erstes ließ ich ein paar Pfosten aufstellen (es ist wohl nicht verwunderlich, dass meine Clansgeschwister größtenteils die Pfosten stellten), die das Kampffeld der ersten Runde begrenzen sollten: Ein Faustkampf, der die Kontrahenten ein wenig auszehren sollte. Eigentlich war auch das nur Schau. Nicht das Auszehren, sondern die erste Runde. Und auch die zweite Runde, wo sie beim Pokern sich wieder ein wenig was antrinken konnten.

Zu ärgerlich, dass auch Ehrenduelle die Tradition der Vernichtung achten müssen. Aber selbst Starre wäre wohl bereits zuviel. Aber beide haben sich darauf eingelassen, einen Kampf bis zum ersten Blut auszutragen.

Auch wenn der Gangrel ein dickes Fell haben mag, so ging ich davon aus, dass Simons Schnelligkeit ihm den entscheidenden Vorteil brächte gegenüber seinen Kontrahenten.

Mit Ausnahme meiner Überlegungen gab ich das ganze auch so bekannt. Ich forderte die Anwesenden auf, den korrekten Ablauf zu bezeugen, damit niemand Klage gegen die Rechtmäßigkeit des Duells erheben mochte.

Überraschenderweise ging Simon als Sieger aus der ersten Runde hervor, wenn es auch zeitweise anders aussah. Aber wo rohe Kräfte sinnlos walten ...

Nach einer kurzen Pause oblag es Ruben Alexander Carrol dann, als Dealer den beiden die Karten zu geben. 10 Runden sollten sie machen, dabei könnten sie sich wieder ansatzweise satt trinken. Da wir das Duell unter freiem Himmel austrugen, musste die Herausforderung des Geistes leider auf elaborierte Ausstattung verzichten. Das nächste Duellpaar erhält einen Gordischen Knoten. Oder muss sein Wissen beweisen. Solche Rateschaus sollen sehr beliebt sein derzeit.

Ich wusste, dass Simon ein guter Spieler ist. Aber dass er Jester derart über den Tisch ziehen würde -- das hätte ich auch nicht gedacht. 8 von 10 Runden gingen an Simon. Derart gestärkt sollte es ihm ein leichtes sein, Jester den ersten Blutstropfen abzunehmen.

Sollte man meinen, oder nicht? Eine weitere kurze Pause, dann fanden die beiden sich zum letzten Kampf zusammen. Ich verzichtete diesmal auf eine Begrenzung der Arena, das sollte schließlich schnell gehen. Und es ging schnell. Aber nicht so, wie ich dachte.

Kaum gab ich das Zeichen, sprintete Jester mit übermenschlicher Geschwindigkeit auf Simon los und sprang ihn an. Simon konnte gerade noch seine Klinge anheben und sich ein wenig bücken. Jesters voller Lauf trug ihn noch viele Meter weiter, beide Duellanten krümmten sich vor Schmerzen am Boden. Na wunderbar! Wer hatte jetzt wohl gewonnen?

Simon hatte Jesters Messer im Hals stecken gehabt, Jester wiederum wurde der gesamte Bauch durch Simons Schwert aufgeschlitzt. Es dauerte ein Weilchen, bis sie zu klaren Aussagen fähig waren. Simon war sich nicht sicher, aber Jester --Jester!-- gab zu, dass es Simon war, der den Treffer landete, bevor er sein Messer versenken konnte.

Simon war Sieger!

Lief ja eigentlich ganz gut. Leider sah Julian Jascheroff von Calenberg das ein wenig anders. Er stürmte los und drohte, etwas von Mord zu erzählen. Ich schickte meine anderen Brujah hinterher, ihn zum Schweigen zu bringen. Vielleicht hätte ich ihnen sagen sollen, sie sollten mit ihm reden, ihn zur Besinnung bringen. Reverse Psychologie und so. Denn sie taten natürlich genau das Gegenteil. Man hörte sein Lamentieren über 1000 Meter Entfernung.

Entschlossen, die Sache selber in die Hand zu nehmen, folgte ich ihnen, aber dann kamen sie mir schon entgegen.

Ein makabrer Scherz des Schicksals sorgte dafür, dass just in diesem Moment Jester, gestützt von Medea, den Weg entlangkam. Julian stürzte sich auf Jester in der Absicht, ihn endgültig zu vernichten. Nur mit Mühe und Not konnte er von dem angeschlagenen Gangrel fortgezerrt werden.

Noch während wir alle Julian irgendwie zur Rechenschaft ziehen wollten, gesellte sich eine allzu neugierige Sterbliche dazu. Spontan waren wir alle wieder ganz normale Menschen. Sie wollte wissen, ob sie helfen könne und was denn los sei. Ich sah es zu spät, viel zu spät. Hinter ihrem Rücken blitzte es kurz auf, da warf sie schon einen Molotov-Cocktail auf Jester.

Die Sterbliche wurde dafür von Winter Duncan zerfleischt. Keine Zeugin, die uns aufklären konnte. Wunderbar! Warum tragen jugendliche Sterbliche Molotov-Cocktails mit sich rum? Sowas roch doch stark nach Planung. Jemand hatte es auf Jester abgesehen. Und die Frau sah auch nicht aus, als würde sie einem einschlägigen Milieu angehören. Und das roch doch stark nach Manipulation.

Jester wurde gelöscht und in Sicherheit gebracht. Wir alle zogen uns zurück. Hier gab es nichts mehr zu tun. Wir Brujah hatten aber noch ein eigenes Problem zu klären: Julian.
 

Kategorien: Sessionbericht
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