TageBuch20100515

15.05.2010 (Regensburg): Konklave -- "Mission accomplished"


"Wir haben erreicht, was wir erreichen wollen", erklärte Vicomte Antoine Adrien de Gramont seinem Kammerdiener, während der ihn aus seinem steifen Korsett befreite.

"Sie meinen sicherlich die Angelegenheit um Katharina von Habsburg, nehme ich an", erkundigte sich Christoph Bayer, der es eigentlich besser wissen sollte. Und der Vicomte kommentierte die Nachfrage auch nicht weiter. Natürlich war diese Angelegenheit gemeint. Aber nicht ausschließlich. Johannes Fabian Meyer zu Bentrup hatte sich als hervorragende Strohpuppe erwiesen. Das sind die Besten, die die eigenen Interessen von sich aus verfolgen. Und er hat weiter Vertrauen gefasst. Magnifique!" Erinnerungen an die erlittene Schmach zu seiner Spendengala kamen ihm.

"Bedauerlicherweise hat sich Wilhelm von Oelrichs, der Münchener Fürst, als der große Verlierer erwiesen. Ich kenne Monsieur nicht, aber es musste eben sein." Mit einem Ruck löste sich das Korsett und tote Organe rutschten wieder an ihre Position. Unnötigerweise füllte der Vicomte seine Lungen wieder mit Luft. Christoph reichte ihm seine rote Hausjacke und seinen Gehstock. "Erst wird ihm dieses Edikt vom Justikar in der Luft zerrissen, und dann wird auch noch seine Untertanin derart gedemütigt: Ein ganzes Jahr gilt sie als blutgejagt!"

Der Vicomte lächelte. "Das soll ihr eine Lehre sein. Ich mag diesen Justikar. Trotz all seiner charakterlichen Schwächen. Aber er ist nunmal von dem Blute, von dem er ist."

In sicherer Entfernung vom knisternden Kamin nahm er in seinem Sessel Platz. Eine Blutpuppe wartete bereits auf ihn zu seinen Füßen auf einem weichen Fell gebettet. Genussvoll atmete er ihren Duft ein, erfreute sich ihrer Jugend und ihrer Lebenskraft.

Zwischen zwei Schlücken fuhr er fort: "Auch Fürst Kohlhase sollte zufrieden sein, ist es mir doch gelungen, meine irregeleiteten Clansgeschwister von dem wahnwitzigen Richtspruch unseres Justikars abzubringen." Er machte eine kurze Pause und erinnerte sich noch einmal der Situation, wo die Ventrue doch tatsächlich ihren Schwenk zu Pieter van der Graaf als Unterstützung von von Trotta erklären wollten. "Welch Narren! Gerade wir, die geschaffen wurden zu herrschen, sollten uns nicht eines solchen Machtmittels versperren!"

"Sie meinen diese ..." Christoph verstummte, als er den Blick seines Herren sah.

"Sprich nie dieses Wort in meinem Hause!" wies der Vicomte ihn scharf zurecht.

"Vergeben Sie mir bitte, es war nicht meine Absicht"

"Schon recht, aber denk in Zukunft dran! Ja, genau, darum ging es."

"Gab es denn sonst noch bemerkenswerte Ereignisse?" versuchte Christoph das Thema zu wechseln.

Es entging dem Vicomte nicht. Langsam setzte er zu einer Antwort an, nachdem er die junge Frau erneut um einige Schluck Blut erleichtert hatte: "Ja, die gab es. Einer der Verrückten ersponn sich eine Conspiration, wonach ein Günstling von Arcangelo, diese Baroness Sofie Konstanze von Liliental in Machenschaften mit dem unheiligen Sabbat verstrickt sei. Und den ganzen Abend über versuchte er sich darin, ihren Geist oder den anderer zu beherrschen. Holà! Welch Freude war es, ihn sich winden zu sehen, wie er ständig meinem Blicke ausweichen wollte!" Er lachte kurz auf. "Der Justikar wies alle Punkte ab und verurteilte ihn für sein Attentat auf Madame Baroness zum Tode. Malheureusement besann er sich seiner Rechte und forderte un jugement de Dieu, ein Gottesurteil. Die Baroness ernannte Monsieur Zacharias Brunner, einen Hexer aus Munich zu ihrem champion. Das hätte ein böses Ende für den Irren nehmen können. Leider entschied er sich dazu, die gewährte Gnade auf einen ehrenvollen Tod, auszuschlagen und floh durch ein Fenster." Seine Miene vertrübte sich, hellte aber kurz danach auf. "Wenigstens hat er diesen freien Gangrel gezeigt, was er von ihrer Brut hält. Nicht nur, dass dieser unselige Vertrag aufgehoben wurde, als hätte er nie existiert, non, die Begleitung dieser Sarah O\'Brien war noch nicht einmal vom Geblüt der Wanderer sondern nur Pöbel, und als solcher wurde er vom Justikar gerichtet, wortwörtlich in Stücke gerissen."

Ein Gedanke kam ihm: "Ma redingote! Mon pantalon! Sie müssen gereinigt werden! Über war ich von seinem Blut, dünn und fad, wie es war! Du musst es es reinigen, Christoph, hörst Du!"

"Oui, Monsieur, ich werde Ihre Kleidung noch heute Nacht reinigen."

"Dann mach! Und bring mir auf dem Rückweg noch ein Gefäß in mein Gemach, ich muss diesen Geschmack von Schmutz und Dreck aus meinem Mund bekommen. Oh, was hast Du wieder angerichtet! Deinetwegen erinnere ich wieder dieses Geschmackes!"

Angewidert verzog er sein Gesicht, bevor er noch einen großen Schluck aus der jungen Frau nahm, um die Erinnerung mit etwas Angenehmeren zu vertreiben. Ein Schluck von TabeaHauptstein, das würde vermutlich helfen. Aber sie war in München und er war hier, in Berlin.
 

Kategorien: Sessionbericht
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