VampirErschaffung

Vampirerschaffung


In diesem Text möchte ich einerseits den Vorgang der Erschaffung eines Vampirs darlegen als auch die Auswahl eines Menschen beschreiben, der zum Vampir gemacht werden soll.

Vorgehensweise


Vielen Spielern ist es eigentlich schon bekannt, ich lege den Vorgang der Erschaffung nur der Vollständigkeit halber dar.

Ein Vampir wird erschaffen, indem der Mensch zuvor getötet wird. Der erschaffende Vampir (WW-Glossar Sire, wie in Herr oder Herrin, von F&S übersetzt als Erschaffer) flößt dem toten Menschen anschließend Blut ein. Regeltechnisch wird dazu mindestens 1 Blutpunkt benötigt. Der erweckte Vampir verfällt augenblicklich in einen Blutrausch, aus dem er erst wieder erwacht, sobald er seinen Durst gestillt hat. Die Zeit vom Verlust des Bewusstseins bis zum Erwachen aus dem Blutrausch ist dem neugeschaffenen Vampir nicht bewusst. Vampire von der Familie der Malkavianer können mehrdeutige Eindrücke aus dieser Zeit behalten.

Ungeklärtes


Ungeklärt ist zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Textes, ob der Mensch zuvor blutentleert werden muss oder ob ein einfacher Tod reicht. Ich bin der Meinung, dass für eine sicher erfolgreiche Erschaffung der Mensch zuvor all seines Blutes beraubt werden muss, da man ansonsten argumentieren könnte, dass er bei der Erweckung ja noch sein Blut im Körper habe und keinen Durst verspüre. Man kann allerdings, ganz nach WW-Manier, das Blut des Menschen mit seinen Gesundheitsstufen gleichsetzen. Durch seinen Tod wäre er demnach alle Gesundheitsstufen los und könnte das Blut nicht verwenden. Oder die Aufnahme der Lebenskraft mittels Blut muss Oral erfolgen oder das Blut besitzt keine Lebenskraft mehr (wobei sich da dann die Frage nach dem Nährwert von Blutspenden stellt).

Probleme mit der Wissensweitergabe


Da der Vorgang der Erschaffung technisch recht einfach ist, kann man die Vorgehensweise eigentlich schon einem gerade frisch geschaffenen Vampir beibringen. Da dies aber nicht im Sinne derjenigen ist, die das Wissen besitzen, um Überpopulation, ungewollte Konkurrenten und potentielle Verbündete des anderen Vampirs zu vermeiden, wird das Wissen nicht so einfach weitergegeben. Natürlich kann der Grad der Geheimniskrämerei von Gesellschaftskreis zu Gesellschaftskreis unterschiedlich sein. Beim Sabbat und bei den Anarchen dürfte dieses Wissen leichter zu bekommen sein als in der Camarilla. Aber zumindest beim Sabbat als auch in der Camarilla dürfte eine Erschaffung eher im Rahmen eines wie auch immer gearteten Ritus eingebunden sein, der den wahren Mechanismus dahinter verschleiert. Natürlich muss man solcherlei Maßnahmen nur treffen, wenn unwissende Vampire dabei sind. Im intimen Kreis aus Mensch und Vampir kann darauf verzichtet werden. Bei den Anarchen und den Freien Vampiren sollten die oben genannten Bedenken ausreichend sein, um eine allzu laxe Weitergabe des Wissens zu unterlassen.

Moralische Implikationen der Erschaffung


Einen Vampir zu erschaffen ist in erster Linie ein Mord an dem Menschen, egal wie sehr der Vampir sich das zu rationalisieren vermag. Es gehört also schon eine gehörige moralische Verkommenheit dazu, einem Menschen den sogenannten Kuss (WW-Glossar: Embrace, wörtlich Umarmung oder Umklammerung, sinngemäß Taufe oder Weihe) zu geben. Bei der Erschaffung geht es nicht darum, dass der neue Vampir ja wieder (un-)lebendig sei, es geht darum, dass der erschaffende Vampir es zuerst über sich bringen muss, jemandes Tod zu bewirken -- ob er es nun selbst macht oder machen lässt, spielt dabei keine große Rolle.

Ein wenig anders gestaltet sich das vielleicht, wenn der Kuss in einem Notfall weitergereicht wurde, ein Mensch also mit der Vitae eigentlich gerettet werden sollte (Opfer einer Gewalttat, tödlich verletzter Ghul), dieser dann aber bereits verstorben war, als ihm das Blut eingeflößt wurde. Oder der vorzeitige Tod eines Menschen durch die Erschaffung wieder gut gemacht werden sollte. Hierbei hat der erschaffende Vampir nicht die moralische Last des Todes des Menschen zu tragen, muss sich aber anderweitig mit den entstandenen Problemen auseinandersetzen (s.u. "Zufällige 'Opfer'").

Auswahl des Menschen


In vielen Spielrunden wird bei der Erstellung eines Charakters gefragt, was denn an dem Charakter so besonders sei, dass er für die Erschaffung überhaupt infragekam. Betrachtet man sich die Natur der Vampire genauer, gibt es eigentlich nicht allzuviele Gründe, die aber je nach Abstammung des erschaffenden Vampirs anders gewichtet sein können.

Entflammte Leidenschaft


Der wohl am häufigsten anzutreffende Grund für die Erschaffung eines Vampirs dürfte sein, dass im Erschaffer eine Leidenschaft geweckt wurde, die er so vermutlich schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Es obliegt dem einzelnen Charakter, was das sein kann, aber Ähnlichkeiten zu Liebe oder Begierde dürften vorhanden sein. So mag es für einen Toreador tatsächlich die uneingeschränkte Begeisterung für körperliche und gesellschaftliche Anmut sein, die seine Leidenschaft entflammt, bei einem Brujah könnte es sein, dass der Mensch seine revolutionären Gedanken gut ausdrücken und seinen Individualismus gekonnt inszenieren konnte. Tremere entdecken in einem Menschen dessen penible Art und Weise wissenschaftliche Gedanken auszudrücken und zu verfolgen, verbunden mit einer latenten Form der Obrigkeitshörigkeit oder so ähnlich. Ich erhebe an der Stelle keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit, ich will nur die Richtung andeuten, in die es gehen kann.

Das Schöne an dieser Vorstellung ist, dass mit zunehmenden Alter das Interesse an weiteren Erschaffungen abnimmt. Jedes Mal hat man seine Schöpfung unabhängiger , die Leidenschaft nachlassen sehen. Hinzu kommt, dass der Vampir emotional immer weiter abstumpft, die Gelegenheiten für echte, intensive Emotionen immer seltener werden. Als der Vampir jung war, hätte er vielleicht häufiger Gelegenheit dazu gehabt, doch standen ihm weder das Wissen um die Erschaffung noch das Recht zur Erschaffung zur Verfügung. Außerdem war er moralisch integrer als er es heute ist, konnte also nicht ohne weiteres den Mord begehen, der der Erschaffung vorausgeht. So ergibt sich ein individueller Zeitpunkt, ab dem der Vampir die Möglichkeite nutzte zu erschaffen und ab dem das Interesse daran abflaute.

Ghule


Die denkbar schlechtesten Kandidaten für eine Erschaffung sind Ghule. Neben der Tatsache, dass mit der Erschaffung eines Ghuls zu einem Vampir dem Erschaffer ein treuer, loyaler und eingearbeiteter Diener verloren geht, muss auch noch berücksichtigt werden, dass dabei das volle 3-stufige Blutsband beim Tod bricht und durch ein einfaches 1-stufiges Band ersetzt wird. Die Änderung in der Gefühlslage kann dazu führen, dass der ehemalige Ghul aufgrund schlechter Behandlung oder erlittener Demütigung zukünftig gegen den Erschaffer arbeitet -- es stellt also eine enorme Gefahr dar. Auch einen Menschen blutszubinden, den man später zu erschaffen gedenkt, ist eine schlechte Idee aus denselben Gründen.

Natürlich böte es sich an, den neuerschaffenen Vampir in den Folgenächten weiter zu binden, aber wozu erschafft man ihn dann, wenn nicht dafür, dass man dessen freien Charakter so sehr bewundert hat? Außerdem sollte es sich nicht herumsprechen, denn die lokale Domänenregierung sieht es bestimmt nicht gerne, wenn man ihr auf diese Weise ein mächtiges Werkzeug zur Disziplinierung und zur Strafe aus der Hand nimmt. Und sich selbst nimmt man ebenfalls dieses Werkzeug. Zusätzlich könnte der neuerschaffene Vampir aus dem Vorgang des Trinkens und der Änderung seiner Gefühlslage beim zweiten Mal misstrauisch werden.

Zufällige 'Opfer'


Unter der Überschrift "Moralische Implikationen der Erschaffung" habe ich bereits zwei Arten zufälliger Opfer benannt, mehr wollen mir momentan partout nicht einfallen. Angedeutet habe ich, dass in diesen Fällen die Probleme weniger moralischer Natur sind. Beiden Möglichkeiten ist gemein, dass sie aus dem Affekt heraus oder ungewollt erschaffen werden: Schlechtes Timing, das Blut zu spät verabreicht, als der Mensch bereits tot war, und Wiedergutmachung, der misslungene Versuch, dem Menschen das Leben zu retten. In beiden Fällen geht es wohl mit einem recht hohen Menschlichkeitswert (ja, Menschlichkeit, weniger die anderen Pfade) und einem mangelnden Wissen um die Vorgehensweise einer Erschaffung einher. Das spricht für relativ junge Vampire, wo es eher unwahrscheinlich ist, dass sie vom lokalen Fürsten das Recht zur Erschaffung erhalten haben mögen. Die folgende Auseinandersetzung um eine illegitime Erschaffung dürfte in den meisten Fällen für Erschaffer und Erschaffenen mit dem endgültigen Tod enden, wenn es nicht starke Fürsprecher gibt. Für die Vollständigkeit: Das bedeutet, dass beide ihrem Fürsprecher das Leben schulden, da er sich beim Fürsten einsetzen musste, entweder Gefallen einlösen oder selbst verschulden. Das ist kein guter Start ins Unleben.

 

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